
Das Bildungssystem des Irak orientiert sich am britischen
Schulmodell. Hier finden Sie eine Beschreibung des Aufbaus privater und
öffentlicher Bildungsangebote, von Grundschulen bis zu Universitäten.
Außerdem eine Liste aller Hochschulen des Landes – privat und öffentlich
1. Geschichte
2. Aufbau des Bildungswesens
3. Bildungssystem in der Föderalen Region Kurdistan-Irak
4. Allgemeiner Bildungsstand
5. Berufsbildung
6. Höhere Bildung
7. Staatliche Universitäten
8. Private Universitäten und Hochschulen
1. Geschichte
Das heutige Bildungssystem entstand gleichzeitig mit der Gründung des Staates Irak im Jahr 1920. Es orientiert sich am britischen Schulmodell. Alle staatlichen Grund-, Mittel-, Sekundar-, und Berufsschulen sowie die Lehrerausbildungsinstitute werden vom Erziehungsministerium betreut. Universitäten und Forschungszentren unterstehen dem Ministerium für Höhere Bildung und Wissenschaftliche Forschung.
Seit 1970 besteht im Irak eine Schulpflicht für die gesamte Grundschulzeit, die sechs Jahre dauert. Die schulische sowie die universitäre Bildung sind kostenfrei. Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen und Universitäten, außer in der Föderalen Region Kurdistan-Irak, ist Arabisch. Als Fremdsprache wird meist nur Englisch angeboten. Reformversuche des Schulmodells werden heutzutage meist von Remigranten initiiert. Als Vorbild dienen ihnen dabei die westlichen Länder, in die sie einst ausgewandert waren. Während in der Föderalen Region Kurdistan-Irak schon einige Reformen nach schwedischem Modell eingeführt wurden, ist der restliche Irak noch im Prozess der Entscheidungsfindung. Das Ministerium für Bildung und das Ministerium für Höhere Bildung veranstalten regelmäßig Konferenzen und Expertenrunden zur Reform des Bildungssystems.
Das irakische Schulsystem besteht aus drei Schulstufen, die sich insgesamt auf zwölf Jahre strecken. Die Grundschule beginnt ab dem sechsten Lebensjahr und dauert sechs Jahre. Es besteht Schulpflicht. Die Grundschule endet mit einer allgemeinen Abschlussprüfung, die Primary Bakkalaureat genannt wird. Die Mittelschule kommt im Anschluss an die Grundschule und dauert drei Jahre. Diese Stufe endet ebenfalls mit einer allgemeinen Abschlussprüfung. Ein erfolgreicher Abschluss ebnet den Weg zum Zugang zur Sekundarschule. Die Sekundarschule widerum ist in zwei verschiedene Richtungen aufgeteilt: naturwissenschaftlich und geisteswissenschaftlich. Die Sekundarschule dauert drei Jahre und wird mit einer allgemeinen Abschlussprüfung beendet, die den Absolventen zum Hochschulzugang berechtigt.
Generell sind Abitur oder Studienabschluss in der naturwissenschaftlichen Richtung gesellschaftlich höher angesehen. Abiturienten des geisteswissenschaftlichen Zweigs sind vom Studium naturwissenschaftlicher Fächer ausgeschlossen. Umgekehrt haben Absolventen des naturwissenschaftlichen Zweigs bei entsprechender Abiturnote Zugang zu allen Studienfächern, womit das naturwissenschaftliche faktisch über dem geisteswissenschaftlichen Abitur steht. Als Alternative zu den Sekundarschulen können die Schüler eine Berufsschule besuchen, die ebenfalls drei Jahre dauert. Laut den Statistiken des Bildungsministeriums waren für das Schuljahr 2007-2008 insgesamt 4,1 Millionen Schüler an der 12.141 Grundschulen landesweit (ohne Föderale Region Kurdistan-Irak) angemeldet und etwa 1,5 Millionen an den 4.109 Sekundarschulen.
3. Das Bildungssystem in der Föderalen Region Kurdistan-Irak
Aufgrund der politischen Situation der kurdischen Region nach 1991 und der Entstehung der kurdischen Verwaltung, wurde in den drei kurdischen Provinzen, Arbil, Sulaymaniya und Duhok, teilweise auch das Bildungswesen reformiert. Im Jahr 2007 organisierte das Bildungsministerium der Region Kurdistan eine Konferenz, die dazu führte, dass das Bildungssystem strukturell an einige europäische Systeme angepasst wird. Die allgemeinen Prüfungen im sechsten und neunten Schuljahr wurden abgeschafft. Viele neue Schulbücher sind aus dem Englischen übersetzt. Die englische Sprache ist ab dem ersten Schuljahr in das Schulprogramm integriert. Die Lehrerausbildung ist anspruchsvoller geworden. In der Region Kurdistan wurden für das Schuljahr 2007-2008 insgesamt 1.193.968 Schüler angemeldet.
Das irakische Bildungssystem war bis zur Mitte der 80er Jahre eines der besten Bildungssysteme in der Region. Die Schulpflicht hat dazu geführt, dass Anfang der 80er Jahre fast jedes Kind eingeschult wurde. Die Alphabetisierung war auf einem hohen Niveau. Die Kriege der Achtzigerjahre, der Neunzigerjahre und der Krieg im Jahre 2003 haben auch das Bildungssystem nachhaltig beschädigt: Schulbücher und Schulprogramme sind veraltet, die Ausstattung der Schulen ist mangelhaft, viele Lehrkräfte sind ausgewandert, neue Wissenschaftserkenntnisse fehlen. Nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen im Jahre 2003 wurden etwa 80 Prozent der Schulen beschädigt oder geplündert. 2004 lag die durchschnittliche Einschulungsrate bei den schulpflichtigen Kindern bei 79 Prozent (83 Prozent bei Jungen und 74 Prozent bei Mädchen).
Die Alphabetisierungsrate bei den 15- bis 24-Jährigen lag im Jahr 2005 bei 71 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen lag sie bei 75 Prozent (Männer 83 Prozent und Frauen 68 Prozent). Gerade dieser Rückgang der Alphabetisierungsrate in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen im Vergleich zu den 25- bis 34-Jährigen wird als Zeichen für den Rückgang des Bildungstandes gewertet. Von den 55- bis 64-Jährigen konnten gar nur 37 Prozent lesen und schreiben. Bei über 65-Jährigen liegt die Rate bei gerade mal achtzehn Prozent. Nach 2003 wurden etwa 200 private Schulen im Irak eröffnet, die Hälfte davon im Jahr 2008. Dies kann man als ein Zeichen für die Unzufriedenheit mit der Staatlichen Bildung interpretieren.
5. Berufsbildung
Die außeruniversitäre institutionelle Berufsbildung im Irak beschränkt sich auf die Berufsschulen und technischen Institute. Die ersten beginnen nach dem neunten Schuljahr und dauern drei Jahre. Die wichtigsten Berufsschulen sind technische, kaufmännische und landwirtschaftliche Schulen. Der Unterricht ist, ähnlich wie beim deutschen Dualsystem, in Theorie und Praxisstunden aufgeteilt. Allerdings werden im Irak nicht alle Berufe in staatlichen Berufsschulen angeboten. Die Auswahl ist begrenzt. Für das Schuljahr 2006-2007 haben in den fünfzehn Provinzen (außer in der kurdischen Region) insgesamt 41.470 Schüler in 194 technischen Berufsschulen, 617 Schüler in fünf landwirtschaftlichen Berufsschulen und 15.206 Schüler in 76 kaufmännischen Berufsschulen gelernt.
Im Bereich der höheren Bildung gibt es landesweit neun technische Fakultäten und mehr als 27 technische Institute. Die Institute sind verkürzte Studiengänge, die nur zwei Jahre dauern und in technischen, medizinischen, administrativen und landwirtschaftlichen Bereichen Studienmöglichkeiten anbieten. Die Gesamtzahl der immatrikulierten Studenten an den technischen Instituten für das Studienjahr 2006-2007 betrug 44.369. An den neun technischen Fakultäten studierten 12.469 Studenten. Alle Institute und Fakultäten werden von der Foundation of Technical Education, einer Abteilung im Hochschulministerium, betreut.
Das irakische Hochschulbildungssystem hat eine hundertjährige Tradition. Eine Fakultät für Rechtswissenschaften wurde im Jahr 1908 in Bagdad gegründet, die erste Universität aber erst im Jahr 1957. Heute gibt es im gesamten Land 22 staatliche Universitäten und achtzehn private Colleges und Hochschulen. Außer wie bei einigen Fächer wie Medizin, beträgt die Studiendauer für einen Bachelorabschluss vier Jahre. Im Studienjahr 2006-2007 waren an den staatlichen Universitäten in den fünf Provinzen – außer in der Föderalen Region Kurdistan-Irak – 325.297 Studenten immatrikuliert. An den privaten Universitäten waren es 27.180.
In der Region Kurdistan gibt es sechs staatliche Universitäten und fünf private Colleges und Universitäten. Die Aufnahme der Studenten wird sowohl in der Region Kurdistan als auch im Rest des Landes zentral organisiert. Die Absolventen beider Richtungen der Sekundarschule füllen ein Formular mit ihren Wunschfächern aus und das Zentralbüro für Studienplatzvergabe verteilt die verfügbaren Studienplätze nach den Durchschnittsnoten. Anders als in Deutschland gilt für jedes Fach ein strenger Numerus Clausus, was die freie Studienwahl einschränkt. An den meisten Universitäten werden Medizin, Ingenieurwesen, Pädagogik, Rechtswissenschaften und neuerdings auch Informatik angeboten. Im Jahr 2003 hatten 32 Prozent der irakischen Studenten einen Studiengang der Pädagogik, 28 Prozent Naturwissenschaften, Ingenieurwesen oder Landwirtschaft, fünfzehn Prozent Rechts- und Sozialwissenschaften und zwölf Prozent Medizin studiert.












