Ideen & Geschäfte / Ideen & Geschäfte

Wer in Sulaimaniya ein paar Dinar übrig hat, kann sie in einem kleinen Büro im ersten Stock des Sulaimani Palace Hotels vervielfachen. Gezockt wird auf alles: Währungen, Gold, Silber und Rohstoffe
WPI: Herr Mohammed, ich habe noch genau fünf US Dollar in meinem Geldbeutel und würde gerne mit fünfzig nach Hause gehen. Wie kann ich das bei Ihnen anstellen?
In diesem Fall leider gar nicht. Hier können Sie erst ab hundert US Dollar mitspielen. Das ist der Mindesteinsatz. Dann sollten Sie sich überlegen, auf welche Kurse Sie setzen möchten. Zur Auswahl stehen Währungen, Gold, Silber, Öl. Was immer Sie wollen.
Wie geht es dann weiter?
Wir eröffnen für Sie ein Konto in Jordanien, auf das Sie Ihren Einsatz einzahlen müssen. Von uns erhalten Sie ein Passwort und einen Benutzernamen. Auf die Kurse können Sie dann entweder online setzen, oder wir erledigen das für Sie wie eine Art Broker.
Warum Jordanien? Was ist mit den irakischen Banken?
Irakische Banken sind international nicht gut vernetzt. Wer will schon mit einer irakischen Bank kooperieren? Sobald man im Ausland das Wort „Irak“ hört, legen die Leute auf. Die Bank in Amman kann das Geld für uns international kanalisieren. Ohne sie wären keine Deals im Ausland möglich. Dennoch: Die jordanische Bank verwaltet nur das Geld, die Geschäfte laufen hier im Irak ab.
Ihr Büro sieht aus wie eine Wartelounge. Sofas, Tischfußball, Minibar, LCD-Bildschirme mit Spielfilmen. Wer sind Ihre Kunden?
Ganz unterschiedlich. Manchmal kommen Taxifahrer herein und wollen ein paar Dinar dazu verdienen. Auch Arbeitslose kommen zu uns. Überhaupt treibt der Mangel an Jobs die Menschen zu uns ins Büro. Wir haben täglich geöffnet, samstags und sonntags bis 24 Uhr. Ein Kunde sitzt sogar in der Schweiz. Der ist allerdings auch Kurde.
Möchten Sie expandieren?
Unser Büro ist gerade mal ein paar Monate alt. Momentan haben wir 75 Kunden, die alle aus Kurdistan stammen. Aber natürlich möchten wir noch professioneller werden und unseren Kundenstamm über die kurdische Region hinaus erweitern. Vor allem der Markt im Iran interessiert mich.
Geschichte der Mini-Börse
Der Iraker Omar Mohammed (30) betreibt seit Ende letzten Jahres die Mini-Börse in Sulaimaniya, in der Föderalen Region Kurdistan-Irak. Aufgrund von Sicherheitsbedenken hat er WPI gebeten, seinen Namen zu ändern und Herkunftsort zu verschweigen.
Omar Mohammed war früher bei der irakischen Warka Bank angestellt und ist schon seit mehreren Jahren im Online-Handel von Währungen, Gold- und Erdölkursen tätig. Mithilfe eines ehemaligen Bankfreundes hat er die Mini-Börse in Suleimaniya aufgebaut. Eröffnung war im Jahr 2008 während des Fastenmonats Ramadan.
Stehen solche Geldgeschäfte nicht im Konflikt mit dem muslimischen Glauben?
Unser
Büro ist ordnungsgemäß bei den kurdischen Behörden in Arbil und den
Behörden in Bagdad registriert. Das sind die Einzigen, vor denen ich
Rechenschaft ablegen muss.
Wie haben die Behörden auf Ihre Geschäftsidee reagiert?
Vor allem die Regierung in Bagdad war gegen unser Konzept. Sie hatte Bedenken, dass durch unser Büro Gelder aus dem Irak herausfließen. Dabei bieten wir den einfachen Leuten die Chance auf einen schnellen und unkomplizierten Hinzuverdienst.
Was springt denn für Sie bei dem Geschäft heraus?
Pro hundert US Dollar beträgt die Kommission fünf Dollar. Hier wurden schon Gewinne bis zu 10.000 US Dollar erzielt. Dafür muss man sein Geld aber schon sehr risikoreich einsetzen. Je größer das Risiko, desto höher auch der Gewinn – oder Verlust. Bei uns sind die Spielregeln nicht anders als anderswo.












