Banken & Geld / Zahlungsverkehr

Geldtransfers im Irak sind mit der Einführung privater Banken etwas einfacher geworden; ein Netz von Geldautomaten wird soeben aufgebaut. Ein Überblick zum internationalen Zahlungsverkehr
1. Geldtransfers von Bank zu Bank
2. Western Union
3. Money Gram
4. Tabrah
1. Geldtransfers von Bank zu Bank
Wie bei internationalen Überweisungen üblich, bedarf es auch bei Geldtransfers von Deutschland in den Irak eines SWIFT-Codes und der internationalen Bankkontonummer IBAN des Geldempfängers. Den SWIFT-Code der irakischen Empfängerbank erhält man teilweise über die Websites der Geldinstitute. Im Einzelfall muss die Bank direkt kontaktiert werden.
Theoretisch gestaltet sich der Geldtransfer in den Irak nicht mehr oder minder kompliziert als andere Überweisungen in das nicht europäische Ausland. Ab einer Überweisungshöhe von 12.500 Euro greift §§ 59ff der Außenwirtschaftsverordnung, die nationale Vorschriften zum Ausfuhrverfahren und zur Wiederausfuhr enthält. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Dingen, die zu beachten sind, um eine möglichst reibungslose Überweisung ohne unangenehme Überraschungen zu gewährleisten. Die Gebühren für eine Überweisung in den Irak liegen in der Regel bei 30 bis 35 Euro, können aber unter Umständen auch bis zu 50 Euro und mehr betragen. Zum Leidwesen des Auftragsgebers kann es bisweilen vorkommen, dass die Empfängerbank im Irak ohne Vorwarnung noch eine Nachzahlung verlangt, die anschließend ohne Ankündigung vom Konto des Absenders abgebucht wird. Dieser Fall kann selbst dann eintreten, wenn der Absender die anfallenden Überweisungsgebühren bereits mit dem Zahlungsauftrag voll beglichen hat.
In manchen Fällen ist mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der Abwicklung des Geldtransfers zu rechnen. Vor allem bei kleineren Empfängerbanken müssen mitunter Transferbanken eingesetzt werden, über die das Geld von Deutschland durch Drittländer in den Irak geleitet wird.
Eine weitere Problemquelle ist die Transkription von arabischen Namen. So kann es durchaus vorkommen, dass der Name eines Kontoinhabers in Schreibweise oder sogar in der Reihenfolge seiner Vor- und Zunamen von der Schreibweise in seinem Pass und anderen offiziellen Dokumenten differiert. Aus diesem Grund sollte vor einer Überweisung die korrekte Schreibweise des Namens mit dem Kontoinhaber abgeklärt werden, mit dem er bei der Bank registriert ist. Außerdem sollte man erfragen, ob der Inhaber ein Konto über US-Dollar oder Irakische Dinar führt.
Selbst zum Eigennamen von irakischen Banken kursieren verschiedene Versionen im Netz: So verwendet die Rasheed Bank beispielsweise die englische Schreibart in ihrem Internetauftritt; die Irakische Zentralbank führt das staatliche Geldinstitut aber als Rashid Bank in ihrem Bankenverzeichnis.
Geld kann mit Western Union nur online in den Irak versendet werden. Deutsche Filialen des amerikanischen Geldtransferanbieters akzeptieren grundsätzlich keine Zahlungsaufträge für Überweisungen. In Bagdad befinden sich rund 30 Western-Union-Büros, deren Kontaktdaten auf der Website des Unternehmens abrufbar sind. Auch in anderen Großstädten, wie zum Beispiel Nadschaf, Kerbala, Arbil, Basra oder Babil, sind Filialen von Western Union angesiedelt. Zahlungsaufträge dürfen 500 Euro nicht überschreiten. Danach ist erst nach Ablauf einer 30-tägigen Sperrfrist eine neue Zahlungsanweisung möglich. Ist der Geldbetrag erst einmal online verschickt, kann das Geld bereits nach fünf bis zehn Minuten im irakischen Western-Union-Büro abgeholt werden.
Money-Gram-Filialen befinden sich in fünf irakischen Städten: Bagdad, Arbil, Suleimaniya, Dahuk und Mosul. Laut dem Unternehmen sollen aber weitere Standorte folgen. Online-Überweisungen sind nicht möglich. Möchte man Geld in den Irak versenden, muss man eine deutsche Money-Gram-Filiale aufsuchen, die den Zahlungsauftrag entgegennimmt. Es können Geldbeträge in Höhe von bis zu 14.000 Euro pro Tag verschickt werden, die innerhalb weniger Minuten im Irak ankommen. Tabellen über die Versandkosten finden sich auf der Website von Money Gram.
Hinter dem Tabrah-System verbirgt sich ein ausgeklügeltes Konzept, das Geldtransfers aus dem Ausland in den Irak und in andere Staaten des Nahen Ostens ermöglicht. Entwickelt wurde das System von der islamischen al-Nibal Group, die ihren Sitz in Dubai hat. Geschäftsführer ist Ahmad Raad Tabrah. Möchte man Geld aus Deutschland in den Irak überweisen, so muss man eine der al-Nibal-Filialen im Nahen Osten, wie zum Beispiel in Beirut oder Amman, kontaktieren. Die Adressdaten finden sich auf der Website des Unternehmens. Die zuständigen Mitarbeiter vor Ort informiert man über die Höhe des Betrags sowie über die Empfängerperson, die das Geld erhalten soll. Anschließend transferiert der Auftraggeber die Summe mit einer normalen Auslandsüberweisung auf das angegebene jordanische oder libanesische Tabrah-Konto. Sobald das Geld dort angekommen ist, wird der Betrag in den Irak weitergeleitet. Zurzeit gibt es rund 25 irakische Tabrah-Büros, bei denen der Empfänger den Betrag bar in US-Dollar abholen kann. Pro Überweisung bis 2.000 US-Dollar werden zehn US-Dollar Bearbeitungsgebühr von Tabrah verlangt. Hinzu kommt eine Gebühr in Höhe von 30 bis 35 Euro für die Auslandsüberweisung aus Deutschland. Eine Quittung über den erfolgreichen Geldtransfer erhält der Auftraggeber per E-Mail, sobald der Empfänger das Geld im Irak entgegengenommen hat.
Das Tabrah-System hat sich als sehr effizientes und erfolgreiches Geschäftsmodell erwiesen. Im Allgemeinen läuft der Geldtransfer unproblematisch ab. Überweisungen sind billig und oft zuverlässiger als übliche Banküberweisungen. Teilweise kann es zu kleineren Unebenheiten in der Betragshöhe aufgrund von Wechselkursschwankungen kommen. Manche Tabrah-Filialen sind außerdem an islamischen Feiertagen nicht besetzt.
Quellen:
+ Western Union
+ Money Gram
+ Tabrah
Fotos: Wathiq Khuzaie (Getty Images, 2)











