Gesundheit: „Das Ministerium meldet sich garantiert.“
10.08.2009  | Interview: Sven Recker   

Branchen / Gesundheit
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Am 22. Juli 2009 kam Nuri al-Maliki zu Angela Merkel nach Berlin

Sie sind Mittelständler und wollen in die irakische Gesundheitsbranche investieren, wissen aber nicht wie? Eine Sprechstunde bei Dr. Hassan al-Haddad, einem Berater des irakischen Gesundheitsministeriums

Dr. Haddad weiß, was Iraker brauchen. Und was Deutsche wollen. Vor über 50 Jahren kam er aus dem Irak nach Deutschland, um in Göttingen und Hannover Medizin zu studieren. Bis 1986 leitete er die Unfallchirurgie der Hannoveraner Klinik Siloah. Heute unterhält der 69-Jährige eine Praxis in London. Vor allem aber berät er das irakische Gesundheitsministerium. In Bagdad baut er gerade selbst eine Klinik.



WPI: Herr Dr. Hassan al-Haddad, wann haben Sie zuletzt mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki gesprochen?

Dr. Hassan al-Haddad: Lassen Sie mich kurz überlegen – dass ist nun schon ein paar Monate her. Wieso fragen Sie?

Weil er Sie vor einem Jahr in seine Pläne eingeweiht hat, im Irak zehn Krankenhäuser bauen zu wollen.

Das ist richtig. Aber um Ihnen zu erzählen, was daraus geworden ist, brauche ich nicht mit unserem Ministerpräsidenten gesprochen haben.

Sondern?

Ich pflege einen regen Austausch mit dem irakischen Gesundheitsminister Salih Al-Hasnawi, er ist wie ich Arzt und ein durchaus tüchtiger Mann, bei dem der Wiederaufbau des irakischen Gesundheitswesens in guten Händen ist...

...und der Ihnen sicher erzählt hat, was aus den zehn geplanten Krankenhäusern geworden ist.

Natürlich! Alle zehn Krankenhäuser befinden sich teilweise im Bau, bei weiteren Kliniken wird die Planungsphase in Kürze abgeschlossen sein. Hasnawi verfolgt mit seinen Mitarbeitern im Gesundheitsministerium einen Masterplan, der unter anderem beinhaltet, dass in jeder Hauptprovinz ein Krankenhaus gebaut werden soll, das europäischen Standards entspricht.

Sie selbst fliegen morgen wieder nach Bagdad. Welche Rolle spielen Sie in dem Masterplan von Hasnawi?

Ich stehe dem Gesundheitsministerium beratend zur Seite, besonders wenn es um die Ausstattung von neuen Operationssälen geht. Aber vor allem bauen wir in Bagdad selbst ein privates Krankenhaus mit einer Kapazität von 250 Betten.

Wer ist wir?

Ein Investor in London und ich. Außerdem verhandle ich gerade mit mehreren deutschen Kliniken über eine Kooperation, da unser Haus anfangs fast ausschließlich von deutschem Personal betreut werden soll.

Und die oberen Zehntausend von Bagdad sind Ihre Patienten?

Diese Frage überhöre ich jetzt einfach einmal. Natürlich nicht. Unser Hospital wird auch finanziell schlechter gestellte Menschen behandeln. Vor allem jene, denen in staatlichen Krankenhäusern nicht geholfen werden kann. Wissen Sie, ich bin jetzt 69 Jahre alt und werde in zwei Jahren nach Bagdad umziehen, um dort als Chefarzt in unserem Krankenhaus zu arbeiten. So etwas macht man nicht des Geldes willen. Natürlich ist es nicht unser Ziel Verluste zu machen, aber wir arbeiten auch nicht gewinnorientiert. Wir wollen einfach helfen das irakische Gesundheitswesen wieder dort hinzubringen, wo es vor 30 Jahren schon einmal war: an die Spitze in der arabischen Welt.

Viele irakische Mediziner wurden damals so wie Sie in Deutschland ausgebildet. Jetzt wollen Sie in Ihrem Bagdader Krankenhaus deutsche Mediziner beschäftigen. Zäumen Sie da das Pferd nicht von hinten auf?

Nein, denn die deutschen Mediziner werden in Bagdad mithelfen, Pflegepersonal auszubilden. Aber Sie haben Recht, es ist tatsächlich an der Zeit, dass wieder mehr irakische Ärzte im Ausland ausgebildet werden, um den medizinischen Standard im Land anheben zu können. Wenn wieder mehr irakische Ärzte in Deutschland ausgebildet werden, hätte das übrigens auch einen positiven Effekt auf die deutsche Wirtschaft.

Inwiefern?

Lassen Sie es mich anhand eines Beispiels erklären: Die Amerikaner haben unlängst 400 irakische Ärzte aufgenommen, um sie in den USA auszubilden. Sie glauben doch nicht, dass das aus rein altruistischen Gründen geschehen ist. Dabei geht es auch um das Geschäft mit medizinischem Equipment.

Und um das in Gang zu bringen reicht es, 400 irakische Ärzte auszubilden?

Im Deutschen gibt es ein schönes Sprichwort: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Und an was für Geräten werden die irakischen Ärzte in den USA ausgebildet? An amerikanischen! Also wollen die in den USA geschulten Ärzte später auch im Irak mit genau diesen Geräten arbeiten und werden sie deshalb für die Krankenhäuser oder ihre eigenen Praxen im Irak auch ordern.

Haben deutsche Firmen diese Chance auch schon entdeckt?

Ja, wenn auch nur im ganz kleinen Maßstab. Die Hamburger Firma Link etwa, die Gelenkimplantate herstellt, hat gerade fünf irakische Ärzte für eine Fortbildung nach Deutschland eingeladen.

Im Vergleich zu den 400 Irakern in den USA ist das bescheiden. Sind die Deutschen insgesamt zu zögerlich?

Auf jeden Fall. Und lange werden sich die Deutschen ihr Bedenkenträgertum auch nicht mehr leisten können. Sie haben zwar im Irak noch immer einen sehr guten Ruf, aber das Zeitfenster innerhalb dessen im Irak die Felder verteilt werden, schließt sich. Die Iraker wollen jetzt Partner – gerne auch soviel deutsche wie möglich. Und wenn Sie mich fragen, ist es langsam an der Zeit, dass Angela Merkel Bagdad besucht. Das hätte im Irak eine enorme Wirkung und würde zeigen: die Deutschen wollen mit uns zusammenarbeiten, wollen helfen, unser zerstörtes Land wiederaufzubauen.

An was mangelt es in der irakischen Gesundheitsbranche besonders?

Das kann man schnell beantworten: Von A bis Z an allem. Egal ob nun Siemens oder ein kleiner deutscher Mittelständler – im Irak findet jeder einen Absatzmarkt.

Firmen wie Siemens verfügen bereits über Kontakte in den Irak. Wie aber findet ein kleineres Unternehmen im Irak Partner?

Das ist ganz einfach: Sie müssen sich einfach nur an das Gesundheitsministerium wenden und ich garantiere Ihnen, dass sie innerhalb von zwei, drei Wochen eine Antwort erhalten werden. Sie können sich dabei gerne auf Dr. Adel Muhsen berufen, einen Inspektor des Gesundheitsministeriums, der unlängst in Stuttgart deutsche Firmen um eine Partnerschaft gebeten hat.

Was macht Sie eigentlich so sicher, dass das Gesundheitsministerium antworten wird?

Weil der Irak dringend nach Partnern sucht, mit denen er direkt verhandeln kann. Momentan ist es doch so, dass viel von dem Geld, was im Irak investiert wird, irgendwo bei Zwischenhändlern hängen bleibt. Und das ist nicht im Sinne der irakischen Regierung. Sie will verlässliche Partner, die auch die Wartung der Geräte garantieren. Wenn Sie das als deutsches Unternehmen anbieten können, werden Sie im Irak nicht nur herzlich willkommen sein, Sie werden auch gute Geschäfte machen.

 

Foto: Andreas Rentz (Getty Images)