Serie: Herr Kurth will in den Irak
21.09.2009  | Christian Sywottek   

Deutsche für Irak / Deutsche im Irak
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Er hat einen Elektrobetrieb in Köln. Doch was er wirklich will: Im Irak ein Ingenieurbüro aufmachen und mitmischen beim Wiederaufbau. Michael Kurth hat wenig in der Hand außer seinem Können. Und dem unbedingten Willen, es zu schaffen


Teil 1: Fernweh nach Basra


Michael Kurth hat eine Vision. „Ich arbeite als Generalunternehmer bei Wiederaufbauprojekten im Irak und kooperiere dafür mit namhaften deutschen und ausländischen Firmen. Mein Unternehmen wickelt die Projekte für den Bauherrn ab, und wir machen alles aus einer Hand, etwa bei Neu- oder Umbauten von Flughäfen, Raffinerien, Zementwerken. Vom Ausschachten der Grube über die Elektrik bis zum Catering bei der Schlüsselübergabe. Das wird ein bisschen dauern. Aber im Jahr 2015 will ich richtig mitspielen im Irak.“

Michael Kurth hat große Pläne. Ein bisschen zu groß, könnte man denken, wenn man den 51-Jährigen so sitzen sieht, im Büro seiner jetzigen Firma. Elektrotechnik Bettgens, dessen Inhaber und Geschäftsführer er ist, residiert in einer Steinbaracke in einem leicht ramponierten Hof der Kölner Innenstadt.

Herr Kurth will in den IrakLesen Sie auch die anderen TeileTeil 1: Fernweh nach BasraTeil 2: Die PlanungenTeil 3: Der NeustartTeil 4: Die Reise Teil 5: Nach der Reise Teil 6: Ich fühle mich veräppelt

Kurth beschäftigt zwanzig Mitarbeiter und montiert Elektroleitungen, Lampen, Klimaanlagen, verkabelt Computer. Für Architekten, Immobiliengesellschaften, die Industrie.

Seine Aufträge sind mal 5.000 Euro, mal 100.000 Euro wert. Kleinkram verglichen mit dem, was Kurth vorhat. „Genau“, sagt Michael Kurth, „und deshalb muss ich auch in den Irak. Ich verkümmere hier zwischen Schaltern und Strippen, muss raus aus diesem Kleinklein. Ich will endlich mal wieder etwas Neues schaffen, etwas bewegen, kreativ sein. Ich möchte technisch wieder etwas Großes umsetzen. Noch einmal das dicke Ding drehen, ja, das trifft es gut.“

Er hat schon einiges gerissen in seinem Leben. „Ich wollte immer etwas schaffen“, sagt Kurth. Koch wollte er werden, später spielte er mit der Idee, in Spanien Campingplätze zu betreiben. „Mein Vater hat mich dann zur Elektrik gebracht“, sagt Kurth, „aber was mich wirklich interessiert, ist das Management.“ Kurth studiert Elektrotechnik und Informatik, gründet mit Mitte 20 sein erstes Unternehmen. Da fährt er noch mit einem „Hippiebus“ zu seinen Kunden.

Michael Kurth – Zur Person:Der 51-Jährige ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Elektro-Bettgens. Er hat Informatik und Elektrotechnik studiert und gründete mit Mitte 20 sein erstes Unternehmen. 1988 war er am Bau des Flughafens in Basra beteiligt. Michael Kurth lebt mit seiner Lebensgefährtin, einer gebürtigen Irakerin, in Köln.
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Mit seiner zweiten Firma zieht er dann schon große Projekte an Land, montiert Maschinen, schreibt Software, für Industrieanlagen im In- und Ausland. Schließlich heuert er bei einem großen Autozulieferer an, wird zunächst Leiter der Werktechnik mit 80 Mitarbeitern, steigt später auf zum Leiter Produktion / Instandhaltung mit 550 Angestellten, lernt nicht nur die Technik, sondern auch Kostenmanagement und Personalführung. Für ein Jahr leitet er die Produktion in den USA.

Doch dann sinkt sein Stern. Die Firma wird verkauft, er soll 300 Mitarbeiter entlassen, wehrt sich. So kommt eines zum anderen, „Mobbing und so“. Schließlich verlässt er das Unternehmen mit einer Abfindung und kauft vor zwei Jahren Elektro-Bettgens. „Für den Übergang“, sagt Michael Kurth. Schon damals habe er mit dem Gedanken gespielt, in den Irak zu gehen. „Aber die Zeit war wohl noch nicht reif.“

Der Irak – Michael Kurth setzt all seine Hoffnungen in dieses Land. Er ist davon beseelt, seit er 1988 mit seiner eigenen Firma beim Bau des Flughafens Basra die Trinkwasserversorgung aufbaute. Noch heute erinnert er sich an die Abnahme mit den Bauherrn, ihre entspannte Art zu arbeiten. „Da gab es kein Heckmeck“, meint Kurth, „die haben meine Arbeit wertgeschätzt, hatten Vertrauen.“ Er ist fasziniert von diesem Land. „Das Wetter ist toll“, sagt er, „und die ganze Kultur. Wie die Leute mit ihren Toten umgehen. Und denken Sie nur an Babylon. Oder die Medizin, das kommt doch alles von dort. Wenn man dort mit dem Fuß in der Erde kratzt, findet man Zeugnisse alter Kulturen. All das übt eine eigenartige Macht auf mich aus.“ Ganz abgesehen davon, dass der Irak fast komplett wiederaufgebaut werden muss und eine Menge Arbeit verspricht. „Der Kuchen ist so groß, da wird auch ein Stück für mich dabeisein.“

Doch so voll Michael Kurths Kopf ist, so leer sind seine Hände. Seit damals war er nie wieder im Irak, sein Wissen über die aktuelle Lage hat er sich aus Büchern und dem Internet gezogen. Er hat kaum Kontakte, und vergleichsweise wenig Geld. Das ficht ihn nicht an. „Ich will dorthin“, sagt Kurth, „so einfach ist das.“ Aber wie soll das gehen?


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Foto: Thekla Ehling