Deutsche für Irak / Deutsche im Irak
Er hat einen Elektrobetrieb in Köln. Doch was er wirklich will: Im Irak ein Ingenieurbüro aufmachen und mitmischen beim Wiederaufbau. Michael Kurth hat wenig in der Hand außer seinem Können. Und dem unbedingten Willen, es zu schaffen
Teil 2: Die Planungen
Michael Kurth ist kein Träumer. Er meint es ernst mit seinem Engagement im Irak. Für die Bank hat er ein Konzept geschrieben. Von einem Kapitalbedarf von 4,9 Millionen Euro ist dort die Rede, von Standorten in Mossul, Bagdad, New York, Abu Dhabi und London, von exzellenten Kontakten in die „notwendigen Kreise“, von Milliardenbeträgen an Wiederaufbauhilfe. Das Konzept ist zweimal abgelehnt worden. „Ich habe wohl ein bisschen dick aufgetragen“, meint Kurth im Nachhinein.
Herr Kurth will in den IrakLesen Sie auch die anderen TeileTeil 1: Fernweh nach BasraTeil 2: Die PlanungenTeil 3: Der NeustartTeil 4: Die Reise Teil 5: Nach der Reise Teil 6: Ich fühle mich veräppelt
In der Realität steht Michael Kurth noch ganz am Anfang. Er hat gerade erst begonnen, die Sprache zu lernen. Seine Kontakte bestehen aus einem irakischstämmigen Facility-Manager, dessen Vater ihm im Irak seine Hilfe angeboten hat. Und seine Lebensgefährtin ist gebürtige Irakerin, aus einer, wie Kurth sagt, großen und angesehenen Familie. Viel ist das nicht, weiß auch Michael Kurth. „Ich bin vielleicht naiv“, meint er, „aber ich muss eben schauen, was geht. Dass ich mein Projekt realisiere, steht fest. Die Frage ist nur, wie ich es anstelle. Und wenn es jetzt mit dem großen Wurf nicht klappt, muss ich eben abspecken.“
Das einzige, worauf sich Michael Kurth zurzeit verlassen kann, ist sein Können, und sein unbedingter Wille, es zu schaffen. Um Geld zu bekommen, will er so schnell wie möglich seine Firma verkaufen. Das werde ihm vielleicht einen sechsstelligen Betrag bringen, dann hätte er genug Geld, um zwei oder drei Jahre durchzuhalten. „Und wenn die Firma verkauft ist, habe ich endlich Zeit, mir genau zu überlegen, wie ich konkret weitermache“, sagt Kurth.
Er hat sich natürlich schon jetzt seine Gedanken gemacht. Er könne sich zunächst bei einer großen Firma im Irak anstellen lassen, meint Kurth, aber eigentlich sei das nicht sein Ding. Er will sein eigenes. Deshalb will Kurth zunächst ein Ingenieurbüro gründen, mit einem Standort in Deutschland und einer Niederlassung in Arbil. Im Internet hat er recherchiert, viele Unternehmen hätten zunächst in Arbil angefangen, also müsse das Sinn machen. Zudem seien die Flugverbindungen gut, und eine einzelne Niederlassung könne er aus der eigenen Tasche finanzieren.
Michael Kurth – Zur Person:Der 51-Jährige ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Elektro-Bettgens. Er hat Informatik und Elektrotechnik studiert und gründete mit Mitte 20 sein erstes Unternehmen. 1988 war er am Bau des Flughafens in Basra beteiligt. Michael Kurth lebt mit seiner Lebensgefährtin, einer gebürtigen Irakerin, in Köln.
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Wie es in Arbil sein wird, davon hat Michael Kurth nur vage Vorstellungen. „Ich werde an die Türen klopfen, und man wird mir offen begegnen, solange ich nicht mit westlicher Arroganz daherkomme“, glaubt er. „Das war immer so in meinem Leben.“ Ohne Kontakte werde er zwar keine Chance haben, aber auch dafür sehe er eine Lösung. „Die wichtigste Frage ist. Wie komme ich an meine neuen Freunde? Ich habe geschaut, welche Unternehmen dort aktiv sind. Von denen möchte ich zwei lokale Kontaktleute abwerben.“ Aber wieso sollten sie ausgerechnet zu ihm wechseln? „Ich werde sie an meiner Firma beteiligen“, meint Michael Kurth, „und außerdem steckt es an, wenn jemand Visionen hat.“ Kurth ist klar, wie riskant das ist. Er wäre nicht der Erste, der von seinen lokalen Partnern über den Tisch gezogen wird. Doch Kurth glaubt an sich. „Ich muss es probieren, muss ins Risiko. Aber ich höre das Gras wachsen, mich hat noch nie jemand über den Leisten gezogen. Und eines ist klar: Bevor ich pleite gehe, ziehe ich die Reißleine.“
In Michael Kurths Kopf ist seine Gegenwart fast schon Vergangenheit. Er sitzt da in Köln und spürt: Es ist Zeit, zu gehen. Er glaubt daran, dass sich die Dinge zurechtschieben. „Was macht Erfolg schon aus“, sinniert er, „das kann man nicht in einer Tüte abwiegen.“ Er denkt zurück an diesen Maitag im vergangenen Jahr, als er seiner irakischen Lebensgefährtin auf der Düsseldorfer Königsallee in die Arme lief. Soll das alles nur Zufall gewesen sein? „Ich möchte jetzt in etwas hinein, aus dem ich nicht so einfach wieder herauskomme“, sagt Michael Kurth. Im Spätherbst will er das erste Mal nach Arbil reisen, „zum Luft schnuppern.“ Michael Kurth sagt, er fühle sich gewappnet für den nächsten Schritt. „Danach werde ich mich 14 Tage sammeln und meinen Plan ausarbeiten. Mal sehen, was dann passiert.“
Foto: Thekla Ehling











