Deutsche für Irak / Deutsche im Irak
Die deutsch-irakischen Handelsbeziehungen werden enger und enger. Jetzt hat auch in Erbil ein deutsches Wirtschaftsbüro eröffnet. Ein Gespräch mit dessen Leiter Volker Wildner über die Provinz Kurdistan, potentielle Investoren und Präsident Barzanis Hunger auf Fisch
Deutsche Wirtschaftsbüros haben im Irak Konjunktur. Nach Bagdad eröffnete am vergangenen Donnerstag nun auch in Erbil ein Büro, das die deutsch-irakischen Handelsbeziehungen anschieben und unterstützen soll. „Deutschland glaubt an die Zukunft der Region Kurdistan“, sagte Dr. Karl-Ernst Brauner, Abteilungsleiter für Außenwirtschaftspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
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Überhaupt war seine Eröffnungsrede im European Technology and Training Center (ETTC) ein klares Bekenntnis zu mehr deutschem Engagement. Vor Vertretern kurdischer Ministerien, Mitgliedern des Parlaments der Region sowie deutschen und irakischen Geschäftsleuten sagte Brauner: „Die Region Kurdistan bietet gute Investitionsmöglichkeiten – die Provinz kann über ihre Öl- und Gasvorkommen selbst bestimmen, sie ist politisch stabil und sicher.“ Auch der Präsident der Provinz Kurdistan, Masoud Barzani, bekräftigte bei einem Treffen mit Dr. Brauner seinen Wunsch zur Zusammenarbeit: „Wir wollen nicht nur Fisch essen – wir wollen, dass Deutschland uns beibringt, wie man Fisch fängt.“
Einer derjenigen, die den Irakern helfen sollen die Fischfangquote zu erhöhen ist Volker Wildner, der Leiter des Deutschen Wirtschaftsbüros Erbil. Ein Gespräch über vertrauenswürdiges Investitionsklima und darüber, wie er irakische und deutsche Geschäftsleute zusammenbringen will.
WPI: Herr Wildner, seit 2009 betreibt die Arbeitsgruppe Entwicklung und Fachkräfte (AGEF) bereits ein Wirtschaftsbüro in Bagdad. Weshalb eröffnen Sie in Erbil jetzt noch ein weiteres Wirtschaftsbüro?
Volker Wildner: Die Entscheidung kam daher, dass das Büro in Bagdad durch seine Lage und den Sicherheitsfaktor noch sehr in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist. Hier in Kurdistan beobachten wir derzeit einen wirtschaftlichen Boom. Da die Sicherheitslage wesentlich besser ist, sehen wir mehr Möglichkeiten, sich hier wirtschaftlich zu engagieren. Wir können intensiver arbeiten und uns freier bewegen, mehr Leute hierher einladen und besuchen.
Werden Sie von Erbil nur die Region Kurdistan bearbeiten oder erstreckt sich Ihr Engagement auch auf andere Teile des Iraks?
Von Erbil aus kümmere ich mich ausschließlich um die Region Kurdistan, also um die Distrikte Suleimaniya, Dohuk und Erbil. Das sind die drei Orte, die regelmäßig von uns besucht werden. Der Süden des Iraks wird vom Büro in Bagdad betreut.
Wie schätzen Sie das Potential des kurdischen Marktes ein?
Ich würde nicht sagen, dass er mehr Potential als der restliche Irak hat hat. Aber durch die ruhige politische Lage ist es leichter, hier zu arbeiten. Die Unternehmer beider Seiten sind hier sehr aktiv, während in Bagdad wegen der Sicherheitslage Zurückhaltung überwiegt. Hinzu kommt, dass der Irak momentan weder ein richtiges Parlament, noch eine handlungsfähige Regierung hat – auch das sorgt nicht gerade für ein vertrauenswürdiges Investitionsklima. Für den Privatsektor ist Kurdistan deshalb momentan wesentlich interessanter.
Wie können Sie und Ihre Mitarbeiter im Wirtschaftsbüro eigentlich einen deutschen Unternehmer konkret beim Markteinstieg in den Irak unterstützen?
Wir haben das Büro ja bereits im Februar aufgemacht und als erstes Kontakte zu den verschiedenen Ministerien und Handelskammern aufgebaut, um uns erstmal bekannt zu machen. Wenn ein deutscher Unternehmer am hiesigen Markt Interesse hat, sendet er uns seine Angaben darüber, was er bietet und was er sucht oder verkaufen will. Wir recherchieren dann über die Handelskammern, wirtschaftlichen Vereinigungen oder über die Firmen, die wir bereits selber kennen, nach einem geeigneten Partner. Ab und an stellen wir auch mal Produkte vor. Das Feedback geben wir dann an die deutschen Firmen weiter und die können sich daraufhin überlegen, in welcher Form sie mit der anderen Seite korrespondieren.
Angenommen ein deutsches Unternehmen hat einen Geschäftspartner gefunden, aber überhaupt keine Erfahrung auf dem Markt. Wie können Sie ihn dann unterstützen?
Wir können Leute zusammenbringen und Termine organisieren. Und wenn es nötig ist, können wir auch Dolmetscher zur Verfügung stellen und Tips für die Verhandlungen geben. Wir können auch die ersten Anfangsgespräche begleiten und uns ausklinken, wenn die Kontakte gefestigt sind.
Wie hoch ist denn bisher die Nachfrage deutscher Unternehmen?
Sie wächst stetig. Wir bekommen Anfragen aus allen Richtungen, ob das von der Industrie, aus dem Servicebereich ist oder ob das Fragen über Wettbewerbsprobleme sind – also da ist schon ordentlich was im Gange.
Gibt es auch Anfragen von Irakern, die mit deutschen Unternehmen ins Geschäft kommen wollen?
Ja, wir bekommen auch Anfragen von kurdischer Seite. Dabei geht es vor allem um Dienstleistungen im Servicebereich oder beispielsweise um die Modernisierung von Laborausstattungen. Außerdem bekommen wir Anfragen von den Ministerien in Form von Ausschreibungen, die regelmäßig herausgegeben und aktualisiert werden.
Wo sehen Sie die größten Probleme beim Geschäftseinstieg?
Ob ein Geschäft erfolgreich ist oder nicht, hängt stets von den Kontakten ab. Das Problem dabei ist die Kommunikation, das Zusammenbringen von beiden Seiten. Die kurdischen Unternehmer möchten sich natürlich auch mal das deutsche Unternehmen angucken und da beginnen die Probleme. Denn ein Besuch in Deutschland geht ja nur über Einladungen der Geschäftspartner, die dann für die andere Seite bürgen müssen – das macht nicht unbedingt Lust auf mehr.
Und wenn sich trotzdem etwas ergibt und ein deutsches Unternehmen gerne einen Geschäftspartner einladen möchte – können Sie dann Hilfestellung leisten?
Es geht dabei ja immer um die Formalitäten. Da können wir vielleicht mal helfen, wenn es um die Klärung bestimmter Fragen geht, also beispielsweise, warum ein Visum nicht erteilt wurde. Wir können uns dann hier im Konsulat erkundigen und daraufhin den Betreffenden informieren, was er noch nachliefern muss. Das haben wir schon für einige Leute gemacht. Manchmal sind das nur Kleinigkeiten, die fehlen und derentwegen ein Visum nicht erteilt wurde. Wenn wir uns darum kümmern, klappt das eigentlich schon.
Ihr Team besteht ja nur aus drei Leuten. Reicht das eigentlich zur Bearbeitung aller Anfragen?
Momentan schaffen wir das noch gerade eben, aber wir haben schon eine vierte Stelle geplant. Durch die heutige Eröffnung erwarten wir noch weiteren Anschub. Es gibt beispielsweise sehr viel Übersetzungsarbeit. Ich spreche Deutsch und Englisch. Hier spricht man Kurdisch und Arabisch. Es kostet ein bisschen Kraft, auch diese Hürde zu überwinden
Wie sehen Sie die Zukunft ihres Büros?
Wir haben in den vergangenen Monaten alles angeschoben – jetzt muss das Büro zum Leben kommen. Wir haben die Kontakte auf der kurdischen Seite und wissen, was wir leisten können. Wir wollen noch mehr Interessenten gewinnen, wollen uns einen Namen machen und anderen weiterhelfen. Wir haben auf beiden Seiten vorgearbeitet, jetzt erwarten wir, dass unsere Bemühungen Früchte tragen werden.
Foto: Safin Hameed (WPI)














