Was kostet im Irak ein Kilo Honig?
12.07.2011  | Maral Jekta & Henrik Ahrens   

Alltag / Kolumne
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„Honig ist die erste Wohltat, die Gott den Menschen erwiesen hat.“ So steht es im Koran. Aber Honig wird nicht nur als Naschwerk geschätzt und verwendet. Ob als Opfergabe, als Heilmittel, als Zusatz von Met oder Köder für die Bärenjagd – Honig ist für vieles gut, und das seit Jahrtausenden.

Hochkonjunktur in der jüngsten Zeit hatte die Produktion von Honig im Irak der 70er und 80er Jahre: Allein in der Provinz Diyala wurden 400 Tonnen Honig pro Jahr produziert. Doch Krieg und Embargo richteten enormen Schaden an. Bald gab es kaum noch Bienenköniginnen und die wichtigsten Zuchtinstrumente fehlten auch – und so konnte die altersschwache Industrie nicht mehr als 50 Tonnen jährlich produzieren.

Mit Hilfe ausländischer Wiederaufbauprojekte erholt sie sich jetzt wieder: Allein im Norden des Landes gibt es 16.000 Imker, die jährlich 625 Tonnen Honig produzieren. Allerdings ist er bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt. Zwar genießt er in ländlichen Regionen den Ruf als Allheilmittel gegen Arthritis, Kopfschmerzen und sogar Diabetes, aber trotzdem wird der qualitativ hochwertige Honig hauptsächlich für den Export produziert. Hauptabnahmeländer sind Syrien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

In den hiesigen Supermärkten findet man neben irakischen Sorten auch deutschen Langnesehonig und Al Shifa-Honig aus Saudi Arabien. Al Shifa bedeutet „Heilung“ und kostet sieben US-Dollar pro Kilo– und ist damit knapp drei Dollar teurer als sein deutscher Konkurrent. Für den besten irakischen Honig muss man rund 45 Dollar zahlen: Er kommt aus der bergigen Grenzregion zum Iran und wird dort aus dem Pflanzennektar wilder Blumen gewonnen. Die Verkäufer schwören auf seine Heilkräfte, Diabetiker aus der ganzen Welt kämen nur wegen dieses Honigs hierher, heißt es.

Darüber hinaus gibt es irakischen Honig aus Honigtau im Wert von 30-US-Dollar. Ihm werden zwar keine heilenden Kräfte zugesprochen, aber dafür schmeckt er gut. Der schlechteste Honig kommt von den Bienen, die mit Zucker gefüttert werden. Er kostet 20 US-Dollar. Doch von ihm raten redliche Verkäufer ab: „Nicht einmal die Bären lassen sich von ihm anlocken“, sagen sie.

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Maral Jekta und Henrik Ahrens leben und arbeiten in Erbil. Neben ihrer Arbeit für die Wirtschaftsplattform Irak beziehungsweise an der Media Academy Iraq genießen sie das irakische Leben in vollen Zügen. Welchen Preis das hat? Darüber berichten die zwei in ihrer wöchentlichen Kolumne: Was kostet im Irak...?