Was kostet im Irak ein Kinovergnügen?
17.10.2011  | Maral Jekta & Henrik Ahrens   

Alltag / Kolumne
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Irakische Filme sind selten, irakische Kinos noch seltener. Abgesehen von zwei Mini-Kinos im Bagdader Social Club und einem in Sulaymania findet man im restlichen Land nur eine Variante der Filmvorführung. Gut versteckt in einer dunklen, abgeschiedenen Seitenstraße machen die Häuser durch Kung-Fu-Plakate und verlegen davor stehende Männer auf sich aufmerksam. Wer rein geht, weiß warum. Die Plakate sind reines Täuschungsmanöver. Der begeisterte Kung-Fu-Film-Liebhaber wird nach nur wenigen Minuten feststellen, dass das, was auf der Leinwand gezeigt wird, nichts mit chinesischer Kampfeskunst zu tun hat, sondern mit der Fleischeslust. Natürlich gibt es diese Kinos nur vereinzelt. Zudem sind sie geheim, aber der eine oder andere findet den Weg bei Bedarf.

Wirtschaftliche Sanktionen in den 90ern, der Irak-Iran-Krieg, die Zensur unter dem Saddam-Regime, die Invasion und die Angst vor Anschlägen – zumindest im Süden des Landes – haben dazu geführt, dass die Kinokultur ganz aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist. Die Iraker wissen sich zu helfen: DVD-Shops an jeder Ecke der Großstädte sorgen dafür, dass sie auf dem Laufenden bleiben, wenn es um Brangelina & Co., ihre indischen und arabischen Kollegen geht. Für durchschnittlich nur 1,50 Euro kann man im gemütlichen Heimkino Filme sehen, die erst nach Monaten in den deutschen Kinos anlaufen. Und es besteht Hoffnung: Seit Monaten verspricht ein Plakat an einer der größten Malls in Erbil die Eröffnung eines 6-D-Kinos. Bis dahin helfen die Amerikaner aus, mit einer zweidimensionalen, kostenfreien – aber leider privaten Vorführung. Gehört man zu dem Kreis der Auserkorenen, heißt es dann unter freiem Himmel bei Bier und Pizza „Film ab!“. Nur Kino ist schöner.

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Maral Jekta und Henrik Ahrens leben und arbeiten in Erbil. Neben ihrer Arbeit für die Wirtschaftsplattform Irak beziehungsweise an der Media Academy Iraq genießen sie das irakische Leben in vollen Zügen. Welchen Preis das hat? Darüber berichten die zwei in ihrer wöchentlichen Kolumne: Was kostet im Irak...?

 

Foto: Maral Jekta (WPI)