Alltag / Kolumne

Unter der Herrschaft Saddam Husseins waren Zeitungen Propagandaorgane. Sie wurden von der Regierung kontrolliert und dienten lediglich dazu, die Bevölkerung über vermeintliche Regierungserfolge und -Pläne zu informieren, ihre Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und ihr Verhalten zu steuern. Ganz im Gegensatz dazu können die Iraker seit 2003 ihre Meinung frei äußern und vervielfältigen. Das hat dazu geführt, dass sich innerhalb kurzer Zeit eine vielseitige und lebendige Medienlandschaft entwickelt hat. Diese Freiheit hat aber auch viele Akteure auf den Plan gerufen, die weniger an seriöser Berichterstattung interessiert sind als an der Vervielfältigung ihrer Positionen. Jede Partei, jede politische Gruppierung, jede Ethnie und teilweise auch einflussreiche Geschäftsmänner haben heutzutage ihre Zeitung, die sie teils offiziell, teils inoffiziell finanzieren.
Mangelnde journalistische Qualifikation, fehlender Berufsethos und Defizite in Medienmanagement und Finanzierungskonzeption führen dazu, dass viele Blätter in die einseitige inhaltliche Abhängigkeit ihrer Financiers gleiteten. Die lassen sich ihre Zeitung etwas kosten, selbst wenn sie nur eine geringe Auflage hat. Und da die Gaben meistens hundert Prozent der Produktionskosten deckt, spielen Einkommensfaktoren wie Werbung oder Verkaufspreis auch keine Rolle. Die meisten Regierungs- und Parteizeitungen werden deshalb gratis in Ministerien ausgelegt, einen anderen Teil findet man zum Verkauf am Kiosk. 750 bis 1500 Irakische Dinar kann eine Zeitung kosten, das sind zwischen 45 Eurocent und einem Euro. Die meisten Iraker sind sich aber des parteilich-gefärbten Journalismus`bewußt und haben immer einen Bekannten, der ihnen eine Zeitung gratis organisiert. Wenn sie also Geld für eine Zeitung ausgeben, dann für eines der wenigen unabhängigen Blätter, das auf die Einnahmen angewiesen ist.
Was kostet im Irak…Lesen Sie auch die anderen Teile:
+ …eine Beerdigung?
+ …ein Autorennen?
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Maral Jekta und Henrik Ahrens leben und arbeiten in Erbil. Neben ihrer Arbeit für die Wirtschaftsplattform Irak beziehungsweise an der Media Academy Iraq genießen sie das irakische Leben in vollen Zügen. Welchen Preis das hat? Darüber berichten die zwei in ihrer wöchentlichen Kolumne: Was kostet im Irak...?
Foto: Henrik Ahrens (WPI)











