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Obwohl sie in der freien Natur wachsen, sind Champignons im Irak eine eher exotische Speise. Das will ein ehrgeiziger Mann aus Mosul ändern. Er baut die erste Pilzplantage des Landes auf, und die ersten Kunden stehen bereits Schlange
Es ist ruhig in dieser Straße im Mosuler Arbeiterviertel Ras al-Jadda, keine Geschäftigkeit, kein Hupen, kein Getümmel. Nichts deutet auch sonst darauf hin, dass sich hier ein ehrgeiziges und bisher einmaliges Landwirtschaftsprojekt niedergelassen hat: die erste irakische Champignonzucht.
Vor zwei Jahren erhielt Majeed Hamid Sallal von der Investitionskommission der Provinz Niniwe die Lizenz für sein Vorhaben. Da man für das Wachstum der Pilze besondere Bedingungen braucht, glaubte aber niemand so recht an sein Projekt. Und das ließ man ihn deutlich spüren. „Es gab jedenfalls niemanden, der mich ermutigte.“
Sallal aber hat es allen gezeigt. Und mit seinem Betrieb bereits internationale Standards erreicht. Pro Quadratmeter Kompost produziert er zwischen 20 und 30 Kilo Champignons. Und er ist zuversichtlich, diese Erfolgsgeschichte fortschreiben zu können. Wie zum Beweis bleibt er vor einem der Beete in seiner Anlage stehen und hält ein Prachtexemplar in die Luft.
Der Anfang war natürlich hart. Weder die Wissenschaftler der Universität Mossul noch sonst jemand hatte Ratschläge parat oder bot gar Hilfe an. Sallal fuhr er in die syrische Stadt Aleppo, nahm dort an kostenpflichtigen agrarwissenschaftlichen Kursen teil und verschaffte sich einen Einblick in ein vergleichbares Projekt wie das in Idlib, einer Nachbarprovinz Aleppos. Dort werden Champignons schon länger erfolgreich angebaut.
Mittlerweile ist Sallal sein eigener Fachmann. Über die Tücken der Champignonzucht doziert er jedenfalls wie ein Universitätsprofessor. Erklärt zum Beispiel, dass man den Boden pasteurisieren und sterilisieren muss, um schädliche Bakterien loszuwerden. Und führt in einen kleinen Raum voll dampfender Maschinen, die den Champignonkompost pasteurisieren. Sie wurden in Mosul hergestellt, weil der Import zu teuer wäre. „Und–sie funktionieren perfekt.“
Spezielle Maschinen sorgen auch für Wärme, eine hohe Luftfeuchtigkeit, einen exakten Sauerstoff- und Kohlendioxidspiegel – und schaffen so die Bedingungen, die Champignons brauchen, um zu wachsen. Auf den in den Raum hinein gebauten Terrassen sind in diesen Tagen bereits die ersten kleinen weißen Köpfe zu erkennen. Was das alles gekostet hat – darüber möchte Sallal nicht reden. Nur so viel verrät er: Er hat eigenes Geld investiert, bekam aber zusätzlich noch einen Kredit des irakischen Landwirtschaftsministeriums.
Die Provinz Niniwe ist bekannt für ihre Landwirtschaft. Sie ist Iraks führendes Anbaugebiet für Weizen und Gerste. Hier werden im Landesdurchschnitt etwa 20 Prozent der Weizenernte und etwa 30 Prozent der Gerstenproduktion eingefahren. Die Champignonzucht könnte sich zu einer interessanten Alternative für die Bauern der Region entwickeln, die in den vergangenen Jahren unter mehreren Dürren zu leiden hatten.
Ali Kareem ist Professor am Institut für Land- und Forstwirtschaft an der Universität Mosul. Er erinnert sich, dass es in Niniwe bereits in den 70er Jahren einen Versuch gab, Champignons anzubauen. Dass die Produktion in Sallals Betrieb bisher geklappt hat, beweist ihm, dass das ganze Projekt erfolgreich sein wird. Dennoch scheinen die Behörden weiterhin Vorbehalte zu hegen. Der Vorsitzende des lokalen Komitees für Landwirtschaft und Wasser, Nawaf Turki al-Faisal, fragt sich, ob das Endprodukt für den Verzehr überhaupt geeignet sei. Man müsse da erst die Gesundheits- und Umweltbehörden hören. Das allerdings hätte geschehen müssen, bevor die Investitionskommission die Lizenz erteilte.
Sallal weiß, dass seine Pilze vorschriftsmäßig gezüchtet werden und erzählt, wie glücklich es ihn macht, ihnen beim Wachsen zuzuschauen. Er will mehr und mehr Einwohner von Mossul überzeugen und ermutigen, seine Pilze zu probieren. Gutes Essen steht hier schließlich hoch im Kurs.
Im Moment verschenkt er noch viel. Jede Woche aber werden auch schon kleinere Mengen im Barakat al-Rahman Supermarkt im Mosuler Viertel Jadida verkauft, das Kilogramm für umgerechnet etwa 3,50 Euro. Der Besitzer des Ladens ist zufrieden, denn einige Kunden warten inzwischen ausdrücklich auf Sallals Lieferung. Sie schmecken ihnen einfach besser als die importierten Exemplare. Da könnten noch einige Fans dazukommen. Immerhin hat die Provinz Niniwe drei Millionen Einwohner.
Foto: Saleh Elias











