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Eine Delegation aus der südirakischen Stadt Basra war eine Woche lang in Süddeutschland, um für den einzigen Hafen des Landes groß einzukaufen. Das Ergebnis: zwei große Schiffsturbinen, jede Menge neuer Verträge und die Erkenntnis, dass sogar in Deutschland bisweilen die Sonne scheint.
Die irakischen Unternehmer Aziz Shaniwer al Obaidy, Algabry Khalil und Ismail Almosawi sitzen in der Lobby eines Stuttgarter Hotels und genießen ihren schaumigen Cappuchino. Die Sonne scheint an diesem Tag bereits zur frühen Stunde durch die großen Glasscheiben herein, und die Gäste haben an diesem Morgen zum ersten Mal ein wenig Zeit, die letzten Tage ihrer Reise zu reflektieren.
Sechs Tage lang waren die Geschäftsleute aus der irakischen Hafenstadt Basra in Süddeutschland unterwegs. Sie haben dort Unternehmen besucht, ihre Werke besichtigt – und neue Verträge unterzeichnet. Alleine zwei Tage verbrachte die Delegation in der Nähe von Koblenz: Hier wurde mit der Schottel GmbH der Auftrag für die Lieferung zweier Schiffsturbinen abgewickelt. Sie sollen noch im September auf den Weg in die irakische Millionenmetropole Basra geschickt werden.
Rund 1 Millionen Euro haben die Iraker für die Maschinen bezahlt; eine wichtige Investition, um den durch den Golfkrieg massiv beschädigten Hafen Umm Qasr in Basra weiter aufzubauen. „Wir haben mit Hilfe deutscher Firmen nach und nach Ersatzteile für die beschädigten Schiffe sowie Fracht- und Lademaschinen organisiert“, sagt Aziz Shaniwer al Obady, der Vizechef der irakischen Hafenbehörde. So soll auch mit den beiden Turbinen aus der Pfalz in den nächsten Monaten ein großes Schiff wieder seetauglich gemacht werden.
Keine Frage: In den einzigen Tiefseewasserhafen des Landes wurde in den vergangenen Jahren viel investiert. Und es hat sich einiges getan: Die internationalen Seeverbindungen haben sich in kurzer Zeit vervierfacht, die Zahl der anlegenden Frachtschiffe hat deutlich zugenommen und pro Tag werden dort mittlerweile an über zwanzig Kais im Durchschnitt 30.000 Tonnen Fracht verladen – Tendenz steigend. Nun soll der Hafen in Basra weiter ausgebaut werden und sich zudem durch eine Vertiefung der Meereskanäle und eine Anbindung des Container- Terminals an die Güterverkehrswege eine neue West-Ost-Passage
Das Potenzial ist da, doch es mangelt noch immer vor allem an modernem Equipment, Lastenkränen und Ersatzteilen. Es dauert Tage, manchmal Wochen, bis die Schiffe vollständig beladen werden können. Genau hier sind die qualitativ hochwertigen Maschinen, das Knowhow und die Zuverlässigkeit deutscher Firmen gefragt. „Seit der Wende im Irak haben wir viele gute Kontakte zu deutschen Unternehmen aufgebaut und möchten diese gerne weiter intensivieren“, sagt der Unternehmer Isam Algabry von der irakischen Firma Al Qhasaq. Nur durch die Hilfe von Außen – mittels Maschinen und Knowhow – werde man die Wirtschaftskraft des Hafens noch einmal deutlich steigern können.
Nach wie vor aber müsse man Tag für Tag um das Vertrauen in die Sicherheit im Irak werben – auch, was die Zusammenarbeit anbelangt. „Deswegen ist es uns sehr wichtig, Unternehmen nach Basra einzuladen und sie umgekehrt in Deutschland zu besuchen“, sagt Algabry. Noch gebe es auch bürokratische Hindernisse zu überwinden: Viele irakische Unternehmer hätten Interesse an einer Delegationsreise, erhielten aber kein Einreisevisum. „Hier werden aber schon viele Gespräche geführt, so dass man hoffen kann, dass sich diese Lage bessert“, sagt Karim Yaiser von der Mittelstandinitiative Irak zum Aufbau aus Deutschland (MIAD), der die Delegationsmitglieder nach Deutschland eingeladen und sie auf ihrer Tour begleitet hat.
Die Bilanz dieser Reise fiel schon mal sehr positiv aus. Der Besuch bei der Firma Schottel im beschaulichen Spay am Rhein habe das Vertrauen in das Unternehmen noch einmal gesteigert, betont Algabry. „Wir konnten sehen, wo die Firma ihren Sitz hat, wo sie unsere bestellten Schiffsturbinen fertigt und uns von der Qualität ihrer Arbeit überzeugen. Wir werden das auch in Zukunft so handhaben.“ Algabry fügt hinzu, dass er bereits an Folgeaufträge denkt.
Nach diesen erfolgreichen Verhandlungen können die Iraker den Morgen ihres letzten Tages in Deutschland ruhig angehen. Es sei so geordnet, so wunderbar grün und sauber, schwärmt der Vizechef der Hafenbehörde Shaniwer, der zum ersten Mal in Deutschland ist. Der Delegationsbegleiter Karim Yaiser schmunzelt und mahnt die Männer trotz ihres freien Tages zur Eile. Denn er möchte es nicht versäumen, ihnen das renommierte Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zu zeigen und die Outlet-Shoppingmetropole in Metzingen im Süden der baden- württembergischen Landeshauptstadt. Yaiser: „Es ist mir wichtig, den Gästen ein wenig vom Lebensgefühl der Deutschen zu vermitteln. Durch das Verständnis der unterschiedlichen Kulturen können viele Barrieren abgebaut werden – und das ist nicht zuletzt auch in der geschäftlichen Zusammenarbeit von immenser Bedeutung.“
Foto: Sabah Arar (AFP/Getty Images)











