Arbeit & Bildung / Hochschulen

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Irak wird immer intensiver. In Erbil verkündete Dr. Dorothea Rüland, die Generalsekretärin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, dass der DAAD im Irak ein Büro eröffnen wird
Mehr als 150 Akademiker deutscher und irakischer Universitäten trafen sich auf Initiative des Deutschen Akademischen Austauschdienstes vom 29. November bis 1. Dezember an der Salahaddin-Universität in Erbil zu einem Symposium zum Thema „Ressourcenmanagement zur Entwicklung des Iraks“. Ziel der Zusammenkunft war der Informations- und Erfahrungsaustausch, insbesondere über das deutsch-irakische, universitäre Stipendienprogramm. Seit mehr als einem Jahr sind Professoren, Dozenten, Doktoranden und Studierende im Rahmen dieses Programms nach Deutschland oder in den Irak gereist, um gemeinsame Lehrpläne zu erarbeiten, Fortbildungen zu absolvieren, neueste Geräte kennen zu lernen oder fachlich zu diskutieren.
Dabei wurden nicht nur bisherige Erfahrungen thematisiert und Probleme diskutiert. Das Programm soll auch zur Versöhnung der irakischen Volksgruppen beitragen. Früher standen irakische Universitäten aufgrund der politischen Spaltung entweder unter der Kontrolle von Behörden in Bagdad oder der Verwaltung der kurdischen Region. Sie waren zerstritten und unterhielten keine Verbindungen. Aber seit ein paar Jahren kooperieren sie wieder miteinander: Deutsche Akademiker halfen mit: Sie organisierten Seminare, Treffen und Konferenzen für alle irakischen Universitäten.
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„Wir sagen unseren irakischen Kollegen, je mehr wir uns sehen, desto besser ist das für unsere Zusammenarbeit,“ sagt der Minister für Hochschulbildung Kurdistans, Dr. Delawar Alladdin. „Und unseren deutschen Freunden sagen wir, dass die Region Kurdistan das Tor auf dem Weg zur Unterstützung des gesamten Iraks ist.“ Er fügt hinzu, dass die Kurdische Regionalregierung (KRG) 100 Millionen Dollar für die Entsendung von Studenten zu ausländischen Universitäten zur Verfügung gestellt hat. „Jeder Promotionsstudent soll mindestens für ein Jahr im Ausland studieren. Außerdem habe ich vor, alle unsere Studenten für ein bis zwei Monate für Trainings an ausländischen Universitäten zu schicken. Deutschland kann uns helfen, unseren Plan zu verwirklichen, sagte Dr. Alladin weiter.
Doch obwohl es Fortschritte bei der Kooperation zwischen den irakischen Universitäten gibt, mischen sich immer noch politische Interessengruppen in die Institutionen ein, die, frei nach Karl Jaspers, ausschließlich ein Ort intellektueller Praxis sein sollten.
„Unsere Vision ist es, die irakischen Universitäten unabhängig vom Einfluss politischer Parteien und auf wissenschaftlichem Niveau stark zu machen,“ sagte der irakische Vizeminister für Forschung und Hochschulbildung, Dr. Ammar Azeez Muhammad. Es gebe bereits Fortschritte, aber Dr. Muhammad hofft auf weitere Unterstützung: „Wir merken, dass es von deutscher Seite die aufrichtige Absicht gibt, das Potential unserer Universitäten weiterzuentwickeln. Wir hoffen, unsere Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.“
Während der Konferenz wurden aber auch die Hürden thematisiert, die irakische Studenten zu überwinden hätten, bevor sie zum Studium nach Deutschland könnten. Die höchste Hürde sei die Sprachbarriere. Ein sechsmonatiger Sprachkurs sei nicht ausreichend, um Deutsch zu lernen. Neun Monate bis ein Jahr müsse der Sprachkurs mindestens dauern. Ein Vorschlag sieht vor, den irakischen Studenten zunächst in ihrem Land einen dreimonatigen Deutschkurs zu geben und sie dann im Anschluss daran weitere sechs Monate in Deutschland zu unterrichten.
Derzeit hat nur die Universität Bagdad eine Fakultät für Germanistik. Im nächsten Jahr wird die Salahaddin Universität mit Hilfe des Deutschen Akademischen Austauschdienstes eine weitere Abteilung für Germanistik aufbauen. Noch am Tag der Konferenz wurde zwischen Vertretern von DAAD und Salahaddin-Universität eine diesbezügliche Absichtserklärung unterzeichnet. Der Präsident der Universität Salahaddin, Dr. Ahmed Dezaye, sagte, dass „Studenten aus dem ganzen Irak zur Salahaddin-Universität nach Erbil kommen können, um einen dreimonatigen Deutschkurs vor ihrer Ausreise nach Deutschland zu absolvieren.“
Die Generalsekretärin des DAAD, Dr. Dorothea Rüland, schlug eine Alternative vor. Mittlerweile, sagte sie, würden viele Kurse an deutschen Universitäten auch auf Englisch angeboten, weshalb man auch über Angebote in dieser Sprache nachdenken könne. Dorothea Rüland verkündete außerdem, dass der DAAD im kommenden Jahr im Irak ein Büro eröffnen wird. Der Beschluss wurde auf Bitten irakischer Universitäten gefasst, die sich eine stärkere Präsenz des DAAD im Irak wünschen.
Denn trotz des langjährigen Engagements ist das deutsche Universitätssystem im Irak noch nicht bekannt genug. Mustafa Muradi hat an der TU Dortmund zuerst seinen Bachelor und dann sein Diplom in Umweltplanung gemacht. Im Jahr 2007 kehrte er in den Irak zurück und wurde Leiter der Umweltbehörde Erbils. Sein Diplom erkennt die Regierung nicht an. Mustafa sagt, der Grund bestehe darin, dass der Abschluss Diplom im Irak dem Wort nach den Wert eines Bachelorabschlusses habe.
Seit 2007 kämpft er nun mit dem Ministerium für Hochschulbildung um die Anerkennung seines Abschlusses. „Aber bis jetzt haben sie ihn noch nicht akzeptiert“, sagt Muradi, der befürchtet, dass die irakischen Studenten dasselbe Problem haben werden, wenn dieses Missverständnis nicht vorher gelöst wird.
Im November 2009 legte die irakische und deutsche Regierung mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung den Grundstein für den Aufbau eines Hochschulnetzwerkes für Ingenieurswissenschaft, Geologie, Wirtschaftswissenschaft, Raumplanung und Informationstechnologie. Mehr als 750 Akademiker sind seitdem nach Deutschland oder in den Irak gereist. Nicht nur Professoren und Dozenten, sondern auch Doktoranden und Studierende haben von den Maßnahmen profitiert. Das Netzwerk wird durch ein Stipendienprogramm ergänzt, in dessen Rahmen zurzeit mehr als 100 Master- und Promotionsstudenten aus dem gesamten Irak zum Studium an deutschen Universitäten eingeschrieben sind. Das Netzwerk wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit sieben Millionen Dollar aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.
Weitere Informationen unter www.tabadul.de
Foto: Rafeq Shukri











