Schwebebahn: Über den Dächern von Nadschaf
25.10.2010  | Thameen Kheetan   

Reise & Transport / Verkehr
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Die kanadische Firma Globim Corporation baut im Irak eine hochmoderne Einschienenbahn, die Monorail. Sie wird die wichtigsten Heiligtümer der Schiiten miteinander verbinden, die Straßen entlasten und ist obendrein noch bombensicher


An religiösen Feiertagen geht auf den Straßen in Nadschaf oder Kerbala häufig gar nichts mehr. Die Touristen strömen in die Städte, die meisten kommen aus dem Iran, die anderen Pakistan oder den Golf-Staaten. Und sie kommen mehrere Male im Jahr. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, offiziell aber geht man von nicht weniger als 10 bis 12 Millionen Pilgern jährlich aus.

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Die Pilger sind willkommen, denn sie kurbeln die Wirtschaft an. Aber das Problem mit dem Verkehr muss gelöst werden. Da scheinen die 464 Millionen Euro gut investiert, die die Monorail, die Einschienenbahn, kosten wird. Sie wird wie das große Vorbild in Dubai auf Stelzen gestützt in der Luft schweben. Jawad Al-Garaawi, der Vorsitzenden des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit im Abgeordnetenhaus der Provinz Nadschaf, bekräftigte vor kurzem noch einmal das Ziel: die für die Bewohner unerträglich gewordenen Verkehrsstockungen zu verhindern.

Laut Al-Gaarawi soll das Projekt in drei Phasen realisiert werden. In der ersten wird von der Stadt Nadschaf aus eine Strecke von 36 Kilometern gebaut, die die wichtigsten Heiligtümer, also das Grab des Imam Ali (der erste schiitische Imam und der vierte islamische Kalif) sowie die Moscheen in Kufa und Sahla, per Monorail miteinander verbindet.

Noch während dieser ersten Phase (Kosten: 187 Millionen Euro) soll diese neue Trasse an die nördlichen und südlichen Verkehrsnetze der Stadt angeschlossen werden – in der zweiten dann an den Flughafen von Nadschaf.In der dritten und letzten Phase wird die Verbindung zum 80 Kilometer entfernten Kerbala gebaut. Insgesamt werde die Umsetzung des Projekts 30 bis 36 Monate in Anspruch dauern, so Al-Gaarawi. Zusätzlich, informierte der Parlamentarier, sollen in Nadschaf Restaurants, sechs- und sieben-Sterne-Hotels, 30 000 Wohneinheiten und eine Touristenstadt entstehen. Finanziert werden sie von irakischen und ausländischen Investoren.

Nach Angaben der Firma wird ein Zug jeweils zwischen 400 und 420 Passagieren transportieren können und in einem Takt von fünf bis sechs Minuten fahren. Bei hoher Auslastung könnte man ihn auch auf zwei bis drei Minuten erhöhen. Die Züge werden außerdem so gebaut, dass sie vor Explosionen geschützt sind. Eine notwendige Sicherheitsvorkehrung: Im Januar diesen Jahres starben zwei Menschen bei einem Bombenattentat auf einen Markt in Nadschaf. 78 Menschen wurden verletzt. Knapp zwei Monate später gab es mindestens vier Tote und Dutzende Verletzte bei einem Anschlag auf einen iranischen Touristenbus nahe des Grabes von Imam Ali in Nadschaf.

Der irakische Monorail ist erst der zweite seiner Art im gesamten Gebiet des Nahen Ostens. Ein Exemplar existiert bereits in Dubai. Die kanadische Firma Globim Corporation erhält eine Konzession für die nächsten 30 Jahre, sie wird also nach Fertigstellung auch als Betreiber der Linie tätig sein.

 

Foto: Globim Corporation