Corporate and Social Responsibility / Umwelt
Auf der Redaktionskonferenz der Wirtschaftsplattform Irak in Erbil widmeten sich die irakischen WPI-Korrespondenten ausführlich dem Thema Landwirtschaft
Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber mindestens 70 Prozent der Lebensmittel, so sagen Experten, werden aus dem Ausland importiert. Und gegen deren Tiefpreisen haben irakische Bauern keine Chance. Sie müssen ihre Ware zu lächerlichen Preisen verschleudern, um überhaupt etwas einzunehmen. Und, schlimmer noch: Jahr für Jahr müssen sie ein Stück mehr von ihrem Grund und Boden verkaufen, um zu überleben zu können. Hilfe tut not. Die kurdische Regionalregierung verfolgt deshalb einen Fünfjahresplan zur Unterstützung der Landwirtschaft.
Was bedeutet das genau? Wie und wo wird investiert? Ergeben sich daraus eventuell Chancen für deutsche Unternehmen? Wie kann den Bauern geholfen werden? Kurz: ein klassisches Thema für die Wirtschaftsplattform Irak, die vergangene Woche in Erbil zum wiederholten Mal eine Redaktionskonferenz abgehalten hat. Dabei kamen irakische Journalisten aus den ganzen Land zusammen, tauschten Erfahrungen aus, besprachen neue Themen und erarbeiteten gemeinsam neue Geschichten, überlegten, wie man beispielsweise die anfangs erwähnte Problematik der Bauern journalistisch aufarbeitet.
Die Recherche an dem Landwirtschaftsthema begann mit einem Besuch der Sarkan-Group. Das Prinzip der Initiative ist so einfach wie clever: In den Gewächshäusern und auf den freien Feldern werden die Gemüse- und Salatsorten angebaut, die es sonst auf dem Markt nicht gibt. Rucola etwa, Cherry Tomaten und Broccoli. Die Samen werden im Ausland gekauft, gesät – die Ernte wird nach vorheriger Bestellung an Restaurants, Großmärkte und Kleinhändler geliefert. Mittlerweile können allein von diesem Projekt etwa 12 Familien leben. Vor allem Frauen arbeiten hier, sortieren und säubern Pflanzen und Gemüse. Sie bekommen für ihre Arbeit zirka 20 Dollar am Tag. Noch ist dieses Projekt eines von wenigen, aber immer mehr Bauern kommen hierher, um sich zu informieren und Ähnliches zu probieren.
Ist das schon ein Artikel? Wie schreibt man die Geschichte auf? Welche journalistischen Formate eignen sich dafür am besten? Fragen, die auf der anschließenden Redaktionskonferenz in den Räumen der Media Akademie Iraq erörtert wurden. Was kann man tun, um der Landwirtschaft auf die Beine zu helfen? Warum wird diese Branche bei der Suche nach Investitionen so wenig berücksichtigt? Wie ist die Haltung der Regierung zu den Problemen der Bauern? Einer der WPI-Korrespondenten bot sich an, in den höchsten Stellen der regionalen Regierung in Erbil und in Bagdad nachzufragen. Ein anderer wollte das Thema an dem Schicksal eines Bauern aus Basra beispielhaft erzählen, ein nächster möchte über den dramatischen Untergang einer einst blühenden Hühnerfarm in Mosul zu berichten. Viele neue Themen für die Leser der Wirtschaftsplattform Irak. Denn auch und gerade in der Landwirtschaft werden Investoren dringend gesucht und gebraucht.
Bei den regelmäßigen Redaktionskonferenzen der irakischen WPI-Korrespondenten tauschen sich die irakischen Journalisten natürlich auch aus und unterstützen sich gegenseitig. Diesmal hielt Haidar Al- Mansouri, der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft aus dem südirakischen Basra, einen Vortrag über die Pressefreiheit im Irak Mindestens sechs Journalisten seien in den vergangenen Monaten umgebracht worden und wie es mit ihr unter der neuen Regierung Nuri Al-Maliki und Iyad Allawi bestellt ist. Mindestens sechs Journalisten, sagte er, seien in den vergangenen Monaten umgebracht, missliebige Kollegen und Zeitungen bedroht und mit hohen Strafgeldern belegt worden. Haidar Al-Mansouri nahm auch die eigene Zunft ins Visier: Einige von ihnen ließen sich weiter kritiklos in den Block diktieren, agierten nicht auf Augenhöhe mit den Mächtigen im Land, auch weil sie sich nie über ihre Rechte informiert hätten. „So ist es natürlich leicht, uns weiter einzuschüchtern.“ Die Korrespondenten der Wirtschaftsplattform Irak werden sich, trotz der teils widrigen Umstände, auch in Zukunft bemühen, journalistisch sauber über die Schwierigkeiten und Chancen im Land zu berichten. Ob es ihnen auch weiterhin gelingt, werden die Texte, die in den kommenden Wochen auf www.wp-irak.de veröffentlicht werden, beweisen. Anlass zur Sorge, dass das Niveau sinken könnte, das haben die gemeinsamen Tage in Erbil gezeigt, besteht nicht.
Foto: Maral Jekta (WPI)











