Corporate and Social Responsibility / Bildung
Im September startet die vierte Runde der Initiative Irak-Horizonte 2015. Das Programm bringt deutsche Unternehmen mit irakischen Hospitanten zusammen. Davon sollen beide Seiten profitieren
„Heute säen, morgen ernten“ – das Motto des Programms Irak-Horizonte 2015 passt perfekt zum deutschen Landmaschinenhersteller WM Kartoffeltechnik aus Mönchengladbach-Güdderath. Anfang 2012 hatte das Unternehmen an der Gemeinschaftsinitiative des Auswärtigen Amts, des Goethe-Instituts und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags teilgenommen und für sechs Wochen einen irakischen Hospitanten beschäftigt. Eine Konstellation, die beiden Seiten nützt: Einerseits bildet Irak-Horizonte berufstätige irakische Akademiker fort und macht sie mit der deutschen Sprache und Unternehmenskultur bekannt. Andererseits ermöglicht das Programm den beteiligten Firmen, Ansprechpartner für den irakischen Markt zu finden.
Für Rainer Fuge sind die sechs Wochen mit Aamar Al-Kridi aus der Provinz Babil ein voller Erfolg gewesen. „Wir hatten einen sehr offenen Hospitanten, der uns viele Unterschiede zwischen Deutschland und dem Irak aufgezeigt hat“, erzählt der Vertriebsleiter von WM Kartoffeltechnik. „Man bekommt über die Person einen gewissen Einblick in die Mentalität des Landes.“
Da Aamar Al-Kridi daheim in einer Firma arbeitet, die Landmaschinen des US-Herstellers New Holland in den Irak importiert, war auch die fachliche Nähe gegeben. „In den irakischen Markt einzutreten, wird durch die Hospitanz auf jeden Fall erleichtert werden“, glaubt Rainer Fuge. „Wir haben ein ganz anderes Gefühl dafür bekommen, wie man in dem Land vorgehen muss.“ Der Vertriebsmann hat etwa gelernt, dass es anders als in Nordamerika oder Europa nicht reicht, nur die Zahlen sprechen zu lassen – im Irak muss zum Kunden auch eine Vertrauensbasis aufgebaut werden.
Im Moment laufen die Vorbereitungen für die vierte Runde von Irak-Horizonte 2012/13. Bis zum 6. September können sich berufstätige Iraker und Irakerinnen, die ein Studium absolviert haben, gut Englisch sprechen und nicht älter als 35 Jahre sind, für das Programm bewerben. Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit, bis Ende September ein Online-Formular auf der Webseite www.iraq-horizons.com auszufüllen. Ansprechpartner für die deutschen Firmen ist dabei der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK.
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Die irakischen Hospitanten durchlaufen zunächst ein Bewerbungsgespräch an der Deutschen Botschaft in Bagdad oder im Generalkonsulat Erbil. Wer sich qualifiziert, nimmt im November und Dezember 2012 an einem Sprachkurs am Goethe-Institut Erbil teil. Im Januar 2013 schließt sich ein zweiter Deutschkurs am Goethe-Institut in Schwäbisch-Hall an, um die Sprachkenntnisse zu vertiefen. Die sechswöchige Hospitanz bei den deutschen Unternehmen findet im Februar und März 2013 statt und ist mit etwa 800 Euro vergütet.
Die Organisatoren achten darauf, dass die irakischen Hospitanten beruflich zu den deutschen Firmen passen – genau wie bei der WM Kartoffeltechnik aus Mönchengladbach und Aamar Al-Kridi aus Babylon. Der Iraker hat dort insgesamt drei Unternehmensbereiche an zwei Standorten durchlaufen „Er war als erstes im Kundendienst und Servicebereich tätig und ist dabei auch zu Kunden nach Deutschland und Holland mitgefahren“, erzählt Rainer Fuge. „Dann habe ich ihn in den kaufmännischen Bereich eingewiesen. Und als letztes stand die Montagelinie auf dem Programm.“ Dort werden Legemaschinen, Dammfräsen und Kartoffelvollernter gefertigt. Nur ein Beispiel dafür, wie sich irakische Hospitanten durch den direkten Kontakt mit deutscher Technik fortbilden können.
Die Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Aamar Al-Kridi stehen nicht schlecht. „Wenn er mit einem positiven Gefühl in den Irak zurückkehrt, haben wir dort einen Botschafter“, sagt Rainer Fuge. „Und wenn er beruflich durchstarten will, können wir ihm dabei helfen.“ Kartoffeln sind ein durchaus wichtiges Grundnahrungsmittel im Irak. Zwar sind die Strukturen noch eher kleinbäuerlich, die Produktion ist erst im Aufbau begriffen. Doch die Pflanze ist für die Region sehr interessant, weil sie wenig Wasser braucht.
Die bisherigen drei Runden von Irak-Horizonte haben zumindest gezeigt, dass aus irakischen Hospitanten durchaus wichtige Geschäftspartner werden können. Es ist eben genauso wie beim Anbau von Kartoffeln: Heute säen, morgen ernten.
Weiterführende Links:
+ Irak-Horizonte 2015
+ Flyer (deutsch)
+ Flyer (englisch)
+ Flyer (arabisch)
+ Interessenbekundung von Unternehmen
+ Merkblatt für Unternehmen
Bei weiteren Fragen:
+ Angelika Rahmer, Deutscher Industrie-und Handelskammertag (DIHK) Telefon +49 30 2030 8 2307
+ Yvonne Helal, Projektassistentin Irak-Horizonte
Foto: Irak Horizonte














