Probleme mit der Nachspielzeit
07.06.2011  | Ammar As-Saleh   

Investieren / Region
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Im Jahr 2013 ist Basra der Gastgeber des Golfpokals. Die Sportstätten sind in Arbeit, die Unterbringung der Besucher ist eine einzige Baustelle. Ausgerechnet die alten Paläste von Saddam Hussein sollen jetzt Gäste beherbergen. Aber selbst die haben nicht genug Zimmer


Eigentlich ein Grund zu großem Jubel: Die südirakische Stadt Basra soll im Jahr 2013 Gastgeber des 21. Golfpokals sein, und dieses Großereignis könnte den irakischen Sport wie die gesamte Wirtschaft beflügeln. Aber in den Jubel mischt sich mehr und mehr Besorgnis, denn es gibt – trotz einer zweistelligen Millionensumme an Investitionen – bisher zu wenig Hotels, um die Besucher dieser regionalen Fußballmeisterschaften zu beherbergen. 25 000 Gäste aus dem Irak und 15 000 aus den arabischen Golfstaaten werden erwartet, ein Ansturm, dem die zirka 35 Hotels der Stadt nicht annähernd gewachsen sind. Und wenn sich da nichts ändert, steht sogar zur Debatte, ob Basra seine Zusage halten und die Meisterschaft hier tatsächlich stattfinden kann.

Nominiert worden war die Stadt Basra von der Versammlung des Golfpokal-Exekutivkomitees, die Ende 2010 in der jemenitischen Stadt Aden stattfand. 1979 war der Irak in Bagdad schon einmal Gastgeber dieses sportlichen Großereignisses, das 1970 ins Leben gerufen wurde. Nun ist er wieder auserkoren, und nun sucht die Investitionsbehörde händeringend nach Investoren, fünf weitere Fünf-Sterne-Hotels sind das absolute Minimum, was die Stadt braucht.

Platz für Neubauten gibt es genug, wie Haidar Ali Fadel, der Vorstand der Investitionsbehörde Basra, nicht müde wird zu betonen. Zum Beispiel zwischen dem Gelände der Sportstadt Basra und der Uferpromenade des Flusses Schatt al-Arab. Und dann gibt es bereits ein Projekt, das ebenfalls für Investoren interessant sein könnte: ein auf dem Fluss schwimmendes Hotel. Einige Investoren sollen bereits Interesse gezeigt haben, besonders für das Gebiet im Stadtzentrum, konkrete Angebote hat die Investitionsbehörde jedoch noch nicht bekommen. Nun will sie nochmal in die Offensive gehen. „Wir werden eine Werbekampagne für den Investitionsplan Basra starten, die gleichzeitig signalisiert, dass alle bürokratischen Hindernisse überwunden werden können“, kündigt Haidar Ali Fadel an. „Der Investor wird zügig an sein Gelände kommen und sein Projekt entsprechend rasch verwirklichen.“

„Wir werden eine Werbekampagne für den Investitionsplan Basra starten, die signalisiert, dass alle bürokratischen Hindernisse überwunden werden können“

Für alle Fälle gibt es auch einen Plan B. Wie Kazem al-Musawi, Mitglied des Förderverbandes des 21. Golfpokals im Irak, sagt, sei es denkbar, eine Reihe der ehemaligen Paläste des früheren Präsidenten Saddam Hussein so herzurichten, dass hier Delegationen und prominente Gäste untergebracht werden könnten. Und was die Fußballfans anbelange, so habe man schon daran gedacht, für sie die auf dem Schatt-al-Arab schwimmenden Hotels zu mieten oder auch Kredite an ortsansässige Hotelbesitzer zu vergeben, damit diese ihre Hotels modernisieren könnten. Zusätzlich baue die Stadt Basra gerade einige Wohnkomplexe, vielleicht könne man sie vorübergehend nutzen. Auch der Nachbarstaat Kuwait könnte eventuell Unterkünfte bereitstellen. Über diesen Vorschlag aber werde derzeit noch diskutiert.

Unterdessen gehen in Basra die Bauarbeiten für die Sportstadt Basra, die größte Anlage ihrer Art im Nahen Osten, zügig weiter. Baubeginn war 2010, im Jahr 2012 soll sie fertig sein. Das Bauprojekt umfasst, laut Aussagen des Bauleiters Abdallah al-Djabburi, ein internationales Stadion, das 65.000 Fans Platz bieten soll, ein Nebenstadion für 10.000 Gäste sowie vier kleinere Trainingsstadien, ein olympisches Schwimmbecken mit 10.000 und eine abgedeckte Mehrzweckhalle mit 15.000 Zuschauerplätzen. Hinzu kommen ein Mediencenter und ein auf Sportmedizin und Naturheilverfahren spezialisiertes Krankenhaus.

Das 550 Millionen schwere Projekt schließt auch den Bau von acht Hotels für die Mannschaften mit ein. Sechs Stockwerke soll jedes von ihnen hoch sein und über einen Konferenzraum, ein Restaurant und eine Spezialresidenz für V.I.P.'s verfügen. Geplant ist auch der Bau eines 150 Meter hohen Turmes. Er soll die Büros von Mitarbeitern und Sportjournalisten, ein Vertriebszentrum und ein Theater mit tausend Zuschauerplätzen beherbergen. Gebaut werden zusätzlich ein Freizeitpark, ein Spielplatz und ein großer Festsaal mit Platz für tausend Besucher. Hinzu kommen Parkplätze für mehr als zehntausend Autos sowie verschiedene Wohn- und Servicekomplexe.

Ali Hanun, Mitglied des Verbandes irakischer Sportjournalisten, glaubt, dass die Sportstadt Basra rechtzeitig fertig sein wird. Zweifel hat er, ob Basra das Problem mit den Hotels in den Griff kriegt. Schließlich habe die Infrastruktur in Basra auch noch andere Mängel. „All das wird zusammenspielen bei der Entscheidung, ob Basra wirklich in der Lage sein wird, Austragungsort der Meisterschaft zu sein.“ Gesetzt den Fall, dieses Ziel würde verfehlt, würde das laut Hanun auf das sportliche Niveau im Irak zwar keine besonderen Auswirkungen haben. „Aber für die Wirtschaft wäre es ein harter Rückschlag.“

 

Foto: Talal Salah Abd El-Hadi