„Kerbela bietet goldene Investitionsmöglichkeiten“
26.06.2012  | Alaa Waheed   

Investieren / Region
E-mail   Print    


Taef Abdelhussein ist als Chef des Investitionsausschusses von Kerbela ein wichtiger Mann für Unternehmer. Im WPI-Interview sagt er, warum das neue Investitionsgesetz Vorteile bringt und welche Branchen die größten Erfolge für Investitionen versprechen


WPI: Im Jahre 2006 wurde das neue Investitionsgesetz verabschiedet, in der Folge wurde es immer wieder verändert. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorzüge, die das überarbeitete Gesetz bietet?

Taef Abdelhussein: Unsere Erfahrung mit Direktinvestitionen ist noch relativ jung, da der Irak ja ein Land ist, dessen Wirtschaft vor noch nicht allzu langer Zeit sozialistisch geprägt war. Erst seit einigen Jahren machen wir Erfahrungen mit der freien Marktwirtschaft. Das überarbeitete Investitionsgesetz hat eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich gebracht. Beispielsweise steht es einem Investor jetzt zu, sein Projekt bei einer beliebigen Versicherung seiner Wahl zu versichern – ganz egal, ob diese im Irak oder im Ausland beheimatet ist. In den ersten zehn Jahren ist er von allen Steuern befreit. Zusätzlich gibt es eine Klausel, die in drei Branchen Zollerleichterungen garantiert: im Tourismus, im Bildungsbereich und im medizinischen Sektor. Für Ausländer ist in diesen Branchen die Einfuhr der Erstausstattung an Geräten und anderen technischen Investitionsobjekten zollfrei. Nach vier Jahren darf die Ausstattung erneuert werden, ohne dass dafür Zollgebühren fällig würden.

Wird es Nicht-Irakern in Zukunft erlaubt sein, Grundstücke zu Wohn- oder Gewerbezwecken zu kaufen?

Gewerbliche Grundstücke kann man künftig erwerben – allerdings ausschließlich unter dem Namen einer im Irak eingetragenen ausländischen Firma. Der Erwerb von Grundstücken zu Wohnzwecken steht jedoch weiterhin nur irakischen Staatsbürgern zu.

Welche Sektoren bieten sich besonders für Investitionen im Irak und in Kerbela an?

Zur PersonTaef Abdelhussein ist als Chef des Investitionsausschusses von Kerbela ein wichtiger Mann für Unternehmer.

Die Wohnungsnot ist ein Problem, das eigentlich alle Regionen des Landes betrifft. Von daher sind Investitionen im Wohnungsbausektor zurzeit besonders wichtig. Kerbela zum Beispiel braucht derzeit etwa 70.000 neue Wohneinheiten. Der Investitionsausschuss hat bereits vier Investitionslizenzen für Wohnungsbau mit einem Kapitalumfang von etwa 1,1 Milliarden US-Dollar vergeben. Insgesamt 13.000 Wohnungen werden so im Laufe der nächsten drei Jahre entstehen. Das ist gut, aber reicht natürlich nicht. Nach wie vor brauchen wir etliche neue Wohnungen in der Provinz Kerbela. Und da Kerbela zudem ein beliebtes Ziel für den Pilgertourismus ist, haben wir hier einen großen Bedarf an touristischen Einrichtungen. Kerbela braucht Hotels, Restaurants und Vergnügungsparks für die Millionen Menschen, die jedes Jahr hierher pilgern. Auch im medizinischen Sektor und im Bereich Landwirtschaft haben Investoren hier große Möglichkeiten. Ländliche Siedlungen und Dörfer müssten dringend gebaut beziehungsweise weiterentwickelt werden. Selbiges gilt für die landwirtschaftliche Nutzung der Wüste, für Geflügel- und Tierzucht, für Obst-und Gemüseanbau.

Im Investitionsausschuss arbeiten Sie ja nach dem Single-Window-System. Das heißt: Investoren müssen nicht mehr von Amt zu Amt laufen, sie wickeln sämtliche bürokratischen Arbeitsschritte über einen zentralen Servicedienstleister ab – in diesem Fall sind Sie das. Würden Sie sagen, dass die behördlichen Prozeduren für Investitionsprojekte dadurch vereinfacht werden?

Nein. Ich denke, die Effektivität bei behördlichen Verfahren und der Kommunikation zwischen dem Investitionsausschuss und den Behörden ist noch verbesserungsbedürftig. Aber ich bin zuversichtlich, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Denn wie gesagt: Unsere Erfahrung mit Investitionen ist ja noch jung. Das muss alles erst reifen.

Was sind die jüngsten Projekte des Investitionsausschusses in Kerbela?

Gerade erst hatten wir eine erfolgreiche Kooperation mit dem Generaldirektorium für Landwirtschaft in Kerbela. Wir haben einen ersten Versuch gemacht, die Liegenschaftskarten zu aktualisieren. Ein Team von Ingenieuren des Generaldirektoriums und eines von Mitgliedern des Investitionsausschusses haben gemeinsam begonnen, Katasterkarten anhand modernster Scanverfahren und Geoinformationssystemen zu aktualisieren. Abgesehen davon, dass es uns vom Investitionsausschuss einen schönen Überblick über die Besitzsituation verschafft, ist das auch dringend nötig gewesen. Die Liegenschaftskarten sind noch auf dem Stand der 40er Jahre und seither kein einziges Mal aktualisiert oder bearbeitet worden – mit Ausnahme einer niederländischen Landvermessung aus dem Jahr 1950. Die Daten müssen dringend der Realität angepasst werden.

Welche Vorteile bringt das?

Mit den neuen digitalen Katasterkarten wird man ganz anders planen können: Auf ökonomischer, sozialer und sanitärer Ebene. Diese Datensammlungen werden dann so erfasst werden, dass man in verschiedenen Bereichen damit arbeiten kann. Im Investitionsbereich, in der Landwirtschaft, bei der Stadtverwaltung, dem Denkmalschutz und der Archäologie. Uns vom Investitionsausschuss interessiert die Katasterkarte, weil man damit zukünftig auch Investitionsmöglichkeiten ausleuchten könnte. Gleichzeitig legen wir mit der Karte den Grundstein für die Digitalisierung der behördlichen Arbeit. Der schnelle Zugang zu genauen und aktuellen Daten mit Geoinformationssystemen wird in Zukunft bei der Entscheidungsfindung in den unterschiedlichsten Sektoren behilflich sein.

Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Was würden Sie den deutschen Unternehmern gerne mitteilen?

Der Investitionsausschuss Kerbela heißt die Deutschen natürlich herzlichst willkommen. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es hier in Kerbela wirklich goldene Investitionsgelegenheiten für Deutsche gibt. Vor allem im medizinischen Bereich. Irakische Patienten fahren mittlerweile nach Jordanien, in den Libanon, die Türkei und den Iran oder sogar nach Indien, um sich behandeln zu lassen. Von daher gäbe es bei uns in diesem Sektor wirklich gewinnbringende Investitionsgelegenheiten. Und zwar besonders für deutsche Investoren. Wir bräuchten Spezialkrankenhäuser mit 30 bis 100 Betten. Krebs- und Herzzentren, Mutterschaftskrankenhäuser, Zentren für laparoskopische Chirurgie. Zudem gibt es immer mehr Bedarf an so ziemlich allen medizinischen Produkten. Ich denke, vor allem in diesem Bereich gäbe es viele Investitionschancen für deutsche Unternehmer.

 

Foto: MOHAMMED SAWAF/AFP/Getty Images