Branchen / Konsumgüter
Die internationale Automobilindustrie hat den Irak entdeckt. Auf der Messe in Erbil stellte sie bereits den Löwenanteil. Und viele Konzerne wollen nach Kurdistan nun auch in Bagdad Filialen eröffnen
Die internationale Finanzkrise hat die Wirtschaft in den meisten Ländern der Welt beeinträchtigt, insbesondere die der Industrieländer. Doch auf dem Automobilmarkt im Irak sind Angebot und Nachfrage weitgehend stabil geblieben. Wegen des internationalen Embargos hatte es lange keine Importe mehr gegeben, auch die Kriege, die das alte Regime geführt hat, haben ihren Teil dazu beigetragen. So fuhr ein Großteil der Bevölkerung alte Automodelle, lediglich eine kleine Schicht konnte neuere importieren lassen.
Nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Jahr 2003 und der Öffnung des Landes auf den internationalen Märkten wurde der irakische Automarkt mit Gebrauchtwagen überschwemmt. Die meisten Autos kamen aus Europa, davon viele aus Deutschland, in guter Qualität und zu günstigen Preisen. Ein Opel Omega des Baujahres 1993 kostete zum Beispiel nicht mehr als 2000 Dollar und war technisch in einem einwandfreiem Zustand. Ein sehr günstiger Preis, wenn man bedenkt, dass man vor 2003 für einen gebrauchten Passat, hergestellt im Jahre 1986 in Brasilien, mehr als 3500 Dollar hinlegen musste. Unter diesen Umständen konnten sich viele Haushalte ohne weiteres mehr als ein Auto leisten.
Heute sieht die Situation auf dem Markt anders aus. Die irakische Regierung hat neue Vorschriften und Regeln für den Import und die Automobilwirtschaft erlassen. Die privaten Autohändler dürfen keine Gebrauchtwagen importieren, die älter als ein Jahr sind. Um den Import moderner Autos kümmert sich jetzt die staatliche Automobilgesellschaft, die zum Handelsministerium gehört. Zusätzlich wurde Internationalen Automobilgesellschaften erlaubt, Filialen im Irak zu eröffnen.

Die meisten der vom Staat importierten Fahrzeuge kommen aus dem Iran und China, der Verkaufspreis eines Autos samt Zulassung und Autoschild beträgt zwischen 7.000 und 12.000 Dollar. Das ist immer noch sehr günstig. Viele verkaufen die Autos mit einem Gewinn von 1000 Dollar sofort weiter. Doch die Fahrer dieser Autos sind unzufrieden und bemängeln ihre Qualität. Diese Autos gehen häufig kaputt und sind insgesamt nicht sehr stabil. Ihr Design hat wenig zu tun mit den neuen Modellen in den Industrieländern. Es gleicht eher den Fahrzeugen aus den 90er Jahren.
Auch wenn einige Iraker in Zeiten der Anschläge immer noch zögern, öffentlich auf ihren Wohlstand aufmerksam zu machen, auch wenn viele Straßen in ihrem Land nicht gerade einladend sind: Viele wollen neue und vor allem schicke Autos. Und so drängen immer mehr internationale Autogesellschaften auf den irakischen Markt. Wegen der Sicherheitslage gehen die meisten mit ihren Vertretungen in die Region Kurdistan. Sie entwickelt sich mehr und mehr zu einem Umschlagplatz für die Automobilindustrie; auf der internationalen und regionalen Industriemesse im vergangenen März im Erbil stellte sie bereits den Löwenanteil. Und die Iraker kommen aus allen Teilen des Landes hierher, auch noch aus einem anderen Grund: Kurdistan verlangt deutlich weniger Gebühren für die Registrierung eines Fahrzeuges – 800 statt 4000 US-Dollar.
Die Neuwagen kommen aus verschiedenen Ländern, auch aus Deutschland. Mit ihnen stehen die irakischen Kunden jedoch vor einem alten Problem: Sie schätzen die deutschen Autos wegen ihrer Qualität, aber sie sind auch die teuersten. Der niedrigste Preis für einen auf der vergangenen Messe in Erbil ausgestellten Mercedes 300E betrug 60.000 Dollar, der höchste für ein Mercedes 500S lag bei 138.000 Dollar. Die Preise für einen BMW waren etwas moderater, doch im Vergleich zu den anderen Autoherstellern waren sie mit einem Preis zwischen 33.000 und 100.000 Dollar immer noch recht hoch. Der Verkaufsmanager bei BMW bestätigte, dass der Zulauf nicht besonders war. Die meisten Kunden waren Geschäftsleute und Amtsträger, die sich diese Autos ohne viel Aufwand leisten können.
Bei den koreanischen Automobilgesellschaften lief es genau umgekehrt. Hyundai konnte auf der Messe in Erbil innerhalb von nur zwei Tagen zehn Autos verkaufen. Das teuerste Modell bei Hyundai, nämlich Santa Fe, kostete knapp 26.000 Dollar. Der Verkaufsmanager bei Hyundai betonte, dass die Eigenschaften des Autos an das irakische Klima und die Straßenbedingungen angepasst worden seien – und die Preise an die Kaufkraft der Iraker.
Nach Angaben der Wirtschaftsexperten erzielte Toyota die höchsten Verkaufszahlen. Ihr Anteil am Gesamtvolumen betrug 44 Prozent, mit 25 Prozent gefolgt von Hyundai und KIA mit 15 Prozent. Der Rest ging an die übrigen Hersteller.
Angesichts einer möglichen Gewinnmarge von 10 bis 20 Prozent wollen viele Automobilgesellschaften nun auch Filialen in der Hauptstadt Bagdad eröffnen. Trotz angespannter Sicherheitslage will sich jede rechtzeitig ihren Anteil auf dem wachsenden Markt sichern.
Aus dem Arabischen von Youssef Hijazi
Fotos: Laith Ahmad (Wirtschaftsplattform Irak) (2)











