Der Sprinter
05.07.2011  | Interview: Maral Jekta   

Branchen / Konsumgüter
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Sportartikel sind im Irak sehr begehrt – aber leider im Original nur selten zu finden. Eine sichere Quelle ist seit einiger Zeit Wurya Barzani: Er hat sieben adidas-Stores in Erbil, Sulaimaniya und Dohuk eröffnet und garantiert echte Ware

 

WPI: Herr Barzani, wie kam es dazu, dass Sie Ihrer niedersächsischen Wahlheimat Hannover den Rücken kehrten, um im Irak adidas-Vertriebspartner zu werden?

Als ich in den Jahren nach dem Krieg meine Verwandten und Freunde besuchen kam, haben mich alle nach adidas-Sportartikeln gefragt. T-Shirts, Jacken, Lauf- oder Fußballschuhe: Hauptsache adidas. Da kam mir die Idee, das Ganze professionell aufzuziehen.

Wie funktionierte das genau?

Zunächst haben wir uns mit der Zentrale in Deutschland in Verbindung gesetzt und sie von unserem Vorhaben überzeugt. Als nächstes wurden wir in die Dependance in Dubai eingeladen. Die sind für den gesamten Nahen Osten zuständig. Da wir Neuinvestoren waren, wurde uns geraten, ein Joint Venture mit einem erfahrenen Vertriebspartner von adidas in Jordanien einzugehen. Das haben wir dann auch gemacht.

Und - hat das gut geklappt?

Ja, unsere Partner haben immerhin 14 Jahre Erfahrung. Das hat uns dabei geholfen, schneller voran zu kommen. Heute betreiben wir bereits sieben Läden in Dohuk, Erbil und Sulaymaniyah. Weitere sollen noch folgen.

Die Nachfrage scheint enorm zu sein...

Unsere größten Abnehmer sind Fußballmannschaften und –vereine, die qualitativ hochwertige Trikots, Schuhe und Bälle brauchen. Für uns ist es besonders vorteilhaft, dass der Irak eine große Fußballnation ist. Nachdem Irak 2008 den Asian Cup gewonnen hat, ist die Nachfrage weiter gestiegen.

Wer außer dem Fußballfan trägt adidas?

Die Marke bietet ja viele verschiedene Produkte. Und zur Zeit verkaufen wir vor allem Kleidung für Kinder aus unserem Streetwearbereich. In Sulaymaniyah, das ja eine vergleichsweise liberale Stadt ist, auch zunehmend Frauenkleidung. Auf lange Sicht wollen wir natürlich alle potenziellen Konsumentengruppen erreichen.

Der Modegeschmack der Iraker ist eher klassisch, der Mann trägt Herrenschuhe und Anzüge. Glauben Sie, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird?

Wir sind optimistisch. Zum einen, weil wir weltweit die günstigsten adidas- Anbieter sind. Und die Marke wird früher oder später Mainstream werden. Wenn man sich das Straßenbild der vergangenen Jahre ansieht, erkennt man jetzt bereits eine Veränderung. Gerade Jugendliche orientieren sich an globalen Trends. Da sehen wir Potenzial.

Haben die Iraker überhaupt ein Markenbewusstsein?

Definitiv, der Wunsch Orginalmarken zu tragen, nimmt zu in dem Maße, in dem sich die wirtschaftliche Situation der Menschen verbessert. Das Wichtigste war allerdings, den Leuten glaubhaft vermitteln zu können, dass wir tatsächlich Originalprodukte verkaufen. Aber mittlerweile weiß jeder Kunde, der in unsere Stores kommt, dass er ausschließlich Markenartikel von adidas erhält – und keine Raubkopien aus China.

Sie können also mit der Konkurrenz aus China mithalten?

Das brauchte zwar seine Zeit, aber wir haben uns durchgesetzt. Als wir zum ersten Mal den offiziellen FIFA-Ball für 120 USD im Angebot hatten, wurden wir ausgelacht. Die Kunden haben gesagt, dass sie den gleichen Ball auf dem Basar für fünf US-Dollar kaufen können. Heute sind die Bälle ausverkauft und 800 weitere bestellt.

Der Trainer der irakischen Nationalmannschaft, Wolfgang Sidka, kommt aus Deutschland. Haben Sie bereits an Sponsoring-Verträge gedacht?

Natürlich, aber der Trainer ist nicht für solche Verträge zuständig. Und im Management gibt politische Rangeleien zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden, die solche Verträge schwierig machen. Mit Erbil und Dohuk, die auch im Asian Cup spielen, sind bereits Vorverträge gemacht. Ab 2011 werden wir diese Mannschaften umsonst ausstatten.

Wie sieht die Zukunft für adidas im Irak aus?

Ziel ist es, pro Jahr zwei neue Stores zu eröffnen. 2013 wird unser größtes Projekt umgesetzt, eine große Sport-Mall im Stil von Karstadt Sport in Erbil. Diese Mall wird größer sein als die dortige Majidi-Mall, entsprechend auch das Angebot: Neben adidas sollen auch andere bekannte Marken vertrieben werden, zum Beispiel Reebok. Darauf bereiten wir uns zur Zeit vor.

 

Foto: Maral Jekta (Wirtschaftsplattform Irak)