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Die Stadt Basra im Süden des Iraks hat sich in ein einziges riesiges Stadion verwandelt. Die Menschen sitzen in Cafés, schauen die WM in Südafrika – und träumen vom großem Glück. Wird beim Golfcup 2013 bald alle Welt nach Basra schauen? Die Geschichte eines der ehrgeizigsten Sportbauprojekte des Landes
Wer wissen will, wie fußballvernarrt Basra ist, die Stadt am arabischen Golf, sollte in diesen Tagen durch die Straßen streifen. Die Stadt ist seit dem Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft zu einem riesigen Stadion geworden. Die Menschen verlassen ihre Wohnungen, gehen Tag für Tag in die Cafés und verfolgen die Ereignisse in Südafrika bis in die späten Stunden. Die Abendspiele beginnen nach irakischer Ortszeit erst um 21.30 Uhr und enden entsprechend spät. Man sagt, dass der Sport in den Gesellschaften erst dann Platz findet, wenn sie zu einer politischen und wirtschaftlichen Stabilität gefunden haben. In welcher Stadt könnte man das derzeit besser beobachten als in Basra, dem „lächelnden Gesicht des Iraks“, wie die Menschen hier sagen, einer Stadt, in der die Menschen sich endlich wieder dem widmen können, was ihnen so lange vorenthalten wurde.
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Die Basra Sports City soll pünktlich zum Fußballcup der Golfstaaten Ende 2012 fertig gestellt sein.
Alles dreht sich derzeit um Fußball in Basra, und das liegt nicht nur an der Weltmeisterschaft. Die Stadt hat selbst Großes vor. Im Jahr 2013 soll hier der 21. Golf-Cup ausgetragen werden, der große Fußballwettbewerb zwischen den arabischen Golfstaaten. Platz genug ist in Basra - nur fragen sich manche besorgt, ob die Sports-City, eines der ehrgeizigsten Bauprojekt im Irak überhaupt, rechtzeitig fertig wird. Ahmed Hassan, 45 Jahre alt und Sportlehrer an einer Schule in Basra, hat da nicht die geringsten Zweifel. Er sitzt in einem traditionellen Café im zentralen Stadtteil Alashard und verfolgt gerade das Spiel Ghana gegen Australien. „Klar schaffen wir das.“ Ihm macht vielmehr Sorgen, dass die Menschen Angst vor Terroranschlägen haben, dabei sei es absolut sicher in Basra. „Schauen Sie sich um – wir können die WM in den Cafés bis spät in die Nacht verfolgen.“ Er kann das alles hier unbeschwert genießen, sagt er, „aber ich wünsche mir auch, dass die Zeit schnell vergeht.“ Die Zeit bis zum 21. Golfpokal. In Basra, natürlich.
Fußballverrücktes Basra
Im selben Café sitzt der Händler Youssef Jacob, 50 Jahre alt. „Der Irak wird der Welt zeigen, dass er wieder in allen Bereichen des Lebens angekommen ist.“ Die Lage in Basra ist stabil, sagt auch er, und nicht nur für Sport geeignet. Auch für Musik, Messen, was auch immer. Die Stadt sei längst wieder bei sich angekommen. „Wer Basra einmal besucht, wird beim Abschied nehmen trauern und über einen erneuten Besuch nachdenken“, sagt Ahmed Hassan und schaut jetzt wieder zum Bildschirm. War das wirklich ein Foul? War das ein Freistoß? Nie und nimmer, alle sind sich einig im Cafe.
Sport hat eine lange Tradition in Basra, Fußballclubs gibt es so viele wie Ölquellen in der Stadt. „Al-Minaa Club“ (Der Hafen) ist der größte und populärste von ihnen. Er liegt im Stadtteil Maaqal im Zentrum von Basra, dort, wo sich Händler, Reisende und ausländische Soldaten während der britischen Besatzung von Basra 1914 an den beiden Ufern des „Schatt Al-Arab“ niedergelassen hatten. Wenige Jahre vor der Gründung des Clubs im Jahr 1931 dort bereits eine Freizeitstätte entstanden, mit einem Park und Grünflächen für Sport. Später wurde mit der Hafenverwaltung vereinbart, dass der Park zu einem Sportclub umgestaltet werden sollte: Der „ Al-Minaa-Club“ holte sich als erster den Irakpokal aus der Hauptstadt Bagdad und wurde so populär, dass die Basraer seine Siege glückstrunken feierten und über seine Niederlagen untröstlich waren. Heute muss er kämpfen, um an seine Erfolge anzuknüpfen. Neben ihm gibt es noch den „Nafft al-Janoub-Club“ (Southern Oil Company) , der 1979 in Basra gegründet wurde und den „Marinesportclub“, zwei Clubs mit ebenfalls großen Erfolgen.
Selbst in Zeiten des Terrors ließen die Fans sich nicht abschrecken und gingen beharrlich weiter in die Stadien, um ihre Clubs zu sehen und zu unterstützen. Und sie waren es auch, die die Stadt dazu gekriegt haben, mit der Sports-City richtig groß einzusteigen. 32 Monate Bauzeit sind eingeplant, dann soll dieses gigantische Bauwerk fertig sein. Am 12.12.2012 um genau 12.00 Uhr wird die Einweihungsparty steigen.
Sports-City wächst und gedeiht
So der Plan. Und wie es derzeit aussieht, wird er tatsächlich eingehalten werden können. Die Arbeiten gehen schneller voran als gedacht, das Hauptspielfeld ist bereits zu 35 Prozent fertig, obwohl erst 25 Prozent eingeplant waren. Der materielle und personelle Einsatz ist beträchtlich: Mehr als 1.000 Ingenieure, Fach- und Bauarbeiter arbeiten fieberhaft, 700 Baumaschinen sind vor Ort, damit niemand sagen kann, die Stadt, ja das Land sei überfordert mit so einem großen Werk.
Trotzdem oder gerade deswegen – die Sportcity ist neben der Fußballweltmeisterschaft das Thema in diesen Tagen in Basra. Werden die Gäste kommen? Wird die Angst vor Anschlägen am Schluss überwiegen? Kann bei dem Bau doch noch etwas dazwischen kommen? Überall werden die selben Fragen hin- und her gedreht. Karim Allawi war ein Spieler im Al-Minaa Sportclub und der beste Spieler in der irakischen Nationalmannschaft im Jahre 1951. Weil er im fortgeschrittenen Alter ist und schlecht hört, ist das Gespräch mit ihm nicht leicht. Doch er ist immer noch ein großer und einflussreicher Kenner der Sportszene im Irak und in Basra, was er sagt, gilt. Und Allawi will überhaupt keine Zweifel aufkommen lassen. Natürlich sei Basra bereit für den 21. Golfpokal, „doch wir müssen dafür weiterhin fleißig arbeiten.“ Und vor allem: „ Basra ist sicher! Zwar gibt es hier und da ein paar kleine Probleme, doch sie verschwinden auch wieder.“
Abbas Aledany sitzt in der Spielhalle Schatt Al-Arab südlich von Basra. Er ist 52 Jahre alt, Aktivist im Bereich der Menschenrechte, und hat naturgemäß einen etwas anderen Blick auf die Dinge. Die Bedeutung des Sports, sagte er, beschränke sich heute nicht mehr auf Hobby und Unterhaltung, längst habe er eine politische und wirtschaftliche Dimension erreicht. Er wünscht sich, dass nicht nur arabische, sondern auch große europäische Fußballclubs hierher nach Basra kommen. „Hier haben sie ein großes Publikum, hier können sie ein humanitäres Zeichen setzen.“ Und natürlich auch ein sportliches, sagt er, selber großer Fußballfan, und lacht.
Jetzt geht es erst richtig los
Der Sportjournalist Salah Thabet sitzt in einem Unterhaltungszentrum im Bezirk Qurna nördlich von Basra und ist völlig aus dem Häuschen – wegen der Tore auf dem Bildschirm, aber ein bisschen mehr noch wegen Basra und seinem großen Projekt. „Die Sportcity wird in die internationale Sportgeschichte gehen wird.“ Sicherheit? Keine Frage. Der richtige Ort? Was für eine Frage!
Also feiert Basra jetzt erst einmal die Fußballweltmeisterschaft und stimmt sich schon einmal richtig ein auf die großen Zeiten. Und damit das auch wirklich alle können, hat die Kommission für Jugend und Sport in der Stadtverwaltung von Basra TV-Monitore an die Sport- und Jugendzentren verteilt. Und nun sitzen sie da, in den Cafés, den Spielhallen, den Sportzentren und schauen und johlen und feiern bis spät in die Nacht, obwohl sie selber bei diesem Wettkampf keine Chance hatten. Echte Fußballnarren stört das nicht, außerdem, das sagen sie alle hier, geht es jetzt erst richtig los. Mit ihrer Stadt. Mit ihren Fans. Mit ihrem Fußball.
Fotos: Talal Salah Abd El-Hadi (14)











