Branchen / Bauindustrie
Die Sulaimaniya Build Expo wurde in diesem Jahr von türkischen Firmen dominiert. Alles über die Neueinsteiger und Plagiate „Made in Germany“
Die Messe Sulaimaniya Build Expo, die zum 10. Mal in Sulaimaniya, der zweitgrößten Stadt der Region Kurdistan stattfand, ging am vergangenen Samstag zu Ende. Zwischen dem 19. Und dem 22. Januar hatten dort 160 Unternehmen ihre Produkte rund um die Baubranche ausgestellt. Die türkischen Firmen waren mit 115 Ausstellern die Messe eindeutig in der Überzahl. Während sie in Erbil oder Dohuk schon lange stark vertreten sind, war es das erste Mal, dass sie auch in der ostkurdischen Stadt an der Grenze so präsent waren. Das bestätigt auch Yassin Rahim von der Handelskammer Sulaimaniya, die die Messe organisiert hatte. „Bei früheren Handelsmessen waren eher die Firmen aus Iran, den arabischen Golfstaaten, Frankreich oder Italien stark vertreten.“
Die Unternehmen aus der Türkei versuchen, die starke Konkurrenz aus Iran auszustechen. Nach Angaben des türkischen Generalkonsuls in Erbil, Aydın Selcen gehört der Irak bereits zu den Top-10-Geschäftspartnern des Landes, davon laufen über die Hälfte der Geschäfte mit der Region Kurdistan. Im vergangenen Jahr belief sich laut Selcen das Volumen aller wirtschaftlichen bilateralen Aktivitäten − also Handel, Auftragsarbeiten und das Öl-und Gasgeschäft zusammen − auf über sechs Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend. Derzeit stellen die türkischen Unternehmen mit rund 600 knapp die Hälfte aller ausländischen Firmen in der kurdischen Region. Auch das Bankengeschäft boomt: Drei türkische Banken werden in Kürze Filialen in der kurdischen Hauptstadt Erbil eröffnen. Auch der Grenzverkehr zwischen der Region und der Türkei nimmt zu. Das türkische Konsulat in Erbil stellt jeden Tag 200 kostenlose Visa aus.
Nun haben türkische Firmen also auch Sulaimaniya im Visier. Zwar beklagten die Aussteller, dass die Messe im Vergleich zu vorherigen Produktschauen in der Region weniger international und professionell organisiert und beworben worden sei; dennoch waren sie mit den Besucherzahlen aus allen Teilen des Iraks zufrieden. Dass die Gäste nicht nur schauten, sondern auch aktiv wurden, bewiesen die Verträge, die nahezu jeder Aussteller nach Ende der Messe vorweisen konnte. Unser Korrespondent Qassim Khidhir hat die wichtigsten Stimmen der Aussteller gesammelt:
Aydin Bas
Exportleiter bei der deutschen Firma BASCOLOR (Paints, Plaster, Accessories)
Branche: Wandfarben für den Innen-und Außenbereich, Fassadenbeschichtungen
„Ich bin sehr zufrieden mit der Messe. Die vielen Besucher kommen nicht hierher, um sich unverbindlich umzusehen und zu plaudern, sondern um Geschäftspartner zu finden und Verträge zu unterzeichnen. Das gefällt mir. Wir sind kurz vor einem Vertragsabschluss über die Belieferung der Neubausiedlung Ashti City, die gerade in Erbil entsteht. Außerdem haben wir Pläne für den Bau einer Dosen-Abfüllanlage für unsere Farben in der Region Kurdistan. Die Farben sind qualitativ dieselben, die wir auch in Deutschland verkaufen. Deshalb geben wir auf sie auch eine Garantie von fünf Jahren. Das müssen wir, um unsere Produkte auf dem Markt zu behaupten. Denn leider schreiben einige türkische Unternehmen „Made in Germany“ auf ihre Produkte, obwohl diese in der Türkei produziert werden. Das bereitet mir Sorgen und ich hoffe, dass sie bald damit aufhören.“
Ilker Cetemen
Geschäftsführer Abteilung Mittlerer Osten bei der türkischen Firma Kutahya
Branche: Keramik und Fliesen für den Bau und Wohndekoration
„Unsere Firma nimmt zum ersten Mal an der Messe in Sulaimaniya und erst zum vierten Mal an einer Messe im Irak teil. Unter den 50 Ländern, in denen wir unsere Produkte vertreiben, ist der Irak für uns die Nummer Eins. Von den 20 Millionen Quadratmetern, die wir pro Jahr produzieren, haben wir 2010 allein rund drei Millionen allein in den Irak exportiert. Für dieses Jahr haben wir uns vier Millionen als Ziel gesetzt. Die Messe war erfolgreich für uns; Wir haben gute Geschäftspartner hier in Sulaimaniya gefunden, die gleich Waren bei uns bestellt haben. Zwar haben wir bereits eine Filiale und ein Warenhaus in Zakho in der Provinz Dohuk und verfügen in der Region Kurdistan über ein gutes Netzwerk an Partnern und Vertriebskanälen, doch wollen wir unsere Aktivität jetzt auch in den restlichen Irak ausdehnen. Außerdem planen wir, eine eigene Fabrik in der Region Kurdistan zu bauen, da Kosten für Elektrizität und Erdgas hier im Vergleich zur Türkei sehr niedrig sind. Das ist in unserer Branche ausschlaggebend, denn die Hälfte unserer Produktionskosten sind Energiekosten.“
Zarkesh Fard
Exportleiter bei der iranischen Firma Saman Gharb Cement Company
Branche: Zementherstellung
„Unsere Firma betreibt ein Zementwerk in der westiranischen Stadt Kermanshah, das erst im Dezember 2010 eingeweiht wurde und ein Investitionsvolumen von 300 Millionen US-Dollar hat. Das Werk produziert täglich 7.000 Tonnen Klinker und 10.000 Tonnen Zement; davon verkaufen wir täglich 5000 Tonnen in den Irak. Damit ist das Land unser Hauptexportmarkt. Die Messe lief für uns sehr erfolgreich. Wir konnten neue Geschäftspartner finden und zwei Verträge schließen; der eine über die Lieferung von insgesamt 300.000 Tonnen, der andere sogar über 500.000 Tonnen Zement. Noch gibt es keine Konkurrenz zwischen uns und den Produzenten im Irak, da das Land enorm viel Zement benötigt. Derzeit liegt die Kapazität bei Werke im Irak bei sieben bis acht Megatonnen im Jahr. Gebraucht werden aber 30 Megatonnen.“
Fotos: Zohreh Soleimani (1) (Bloomberg via Getty Images); Hemin Muhammad (3) (Wirtschaftsplattform Irak)











