Branchenreport Tourismus - Teil 1
02.08.2010  | Dr. Nagih Al-Obaidi   

Branchen / Tourismus
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Ferien in einem Land, in dem täglich Anschläge verübt werden und Bomben hochgehen? Tatsächlich kommen bereits mehr als eine Million Besucher jährlich ins Land, hauptsächlich schiitische Pilger aus den Nachbarstaaten. Der Irak mit seinen historischen Stätten und wilden Landschaften hätte auch Touristen aus aller Welt viel zu bieten – ob sie kommen, hängt nicht nur von der Sicherheitslage ab


1. Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor
2. Mesopotamien: Die Wiege der Zivilisation
3. Pilgertourismus: Alles, was das Herz begehrt
4. Bagdad: Tausendundeine Nacht
5. Das „wilde“ Kurdistan
6. Das Marschgebiet: Der Garten Eden

 

1. Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor

Eine der großen Schwachstellen der irakischen Wirtschaft ist ihre einseitige Abhängigkeit vom Erdöl. Der Ölsektor trägt nicht nur etwa 60 Prozent zum irakischen Bruttoinlandsprodukt bei. Die Erlöse aus den Erdölexporten machen auch mehr als 95 Prozent der Staatseinnahmen aus, die mit steigenden Preisen zu einer sprudelnden Quelle für das Land werden. Der Segen kann sich aber schnell in einen Fluch verwandeln. Die Abhängigkeit vom schwarzen Gold macht die irakische Wirtschaft sehr anfällig für äußere Faktoren, insbesondere die Preisentwicklung auf internationalen Märkten. 2009 klaffte ein Riesenloch im Staatshaushalt, weil vor allem der Ölpreis im Vergleich zu 2008 stark gesunken war. Deshalb heißt die Devise Diversifizierung, das heißt: neue Einkommensquellen erschließen, um diese Abhängigkeit abzubauen.

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Hier bietet sich der Tourismus gerade als eine der wichtigsten zukunftsträchtigen Branchen an. Die Aussichten auf einen relativ schnellen Erfolg sind viel versprechender als beispielweise in der Industrie oder Landwirtschaft. Denn der Irak hat gute Voraussetzungen, um den Kultur- und Pilgertourismus rasch voranzutreiben. Während sich der Staat vor allem um die Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur kümmern müsste, könnte die private Wirtschaft praktisch alles andere übernehmen, ob es sich um Hotels, Restaurants, Transport, oder Souvenirs handelt. Die positiven Auswirkungen auf Beschäftigung, Einkommen und lokale Wirtschaft könnten in relativ kurzer Zeit spürbar werden. Der Fremdenverkehr braucht viele Arbeitskräfte. Er gilt aber auch als wichtiger Motor für die Entwicklung von verwandten Branchen wie Handels- und Handwerksgewerbe, Verkehr und Sport. Da sich die touristischen Sehenswürdigkeiten nahezu auf das ganze Land verteilen, können auch strukturschwache Regionen davon profitieren. Allerdings hängt der Erfolg von vielen Faktoren ab.

Sicherheit hat höchste Priorität

Wenn es einen Wirtschaftszweig gibt, der auf Gedeih und Verderb dem Sicherheitsproblem ausgeliefert ist, dann ist es der Tourismus. Ohne die Sicherheit in Griff zu bekommen, bleiben die kühnsten Pläne Makulatur. Zwar hat sich die Sicherheitslage wesentlich verbessert, aber vom normalen Zustand ist der Irak noch weit entfernt. Die Sicherheitskräfte müssen den Schutz von Touristen zur obersten Priorität erklären und es so bewerkstelligen, dass die Gäste die Sicherheitsvorkehrungen nicht als Beschränkung ihrer Freiheit empfinden. Auch die Sehenswürdigkeiten des Landes müssen geschützt werden, Terror und Gewalt richteten sich in vielen Fällen auch direkt gegen sie. So wurde das auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbe stehende Spiralminarett von Samara beschädigt. Militante Schiiten haben bekannte Denkmäler zu ihren Feinden erklärt, weil sie in ihren Augen Götzenbilder sind. Und noch haben alle die Bilder vom April 2003 vor Augen, als Plünderer nicht mal vor dem Irakischen Nationalmuseum in Bagdad halt machten.

Große Projekte und ehrgeizige Pläne

Die zuständigen Behörden sowohl in Bagdad als auch in den Provinzen haben in den vergangenen Monaten zahlreiche und zum Teil große Investitionsvorhaben auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs angekündigt, deren Gesamtkosten in zweistellige Milliardenbeträge gehen. Aber mit Geld allein lassen sich die brennenden Probleme nicht lösen.

Im Irak könnten sich verschiedene Formen des Tourismus etablieren: Kultur-, Pilger- Erholungs-, Gesundheits-, Geschäfts- und Sporttourismus. Und die Reiseziele sind über das ganze Land verteilt.

 

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