Branchen / Tourismus
Der Binnentourismus entwickelt sich gut. Besonders das grüne Kurdistan lockt in den Sommermonaten viele Iraker aus dem heißen Süden des Landes. Bald sollen große Touristenzentren entstehen, um auch ausländischen Besuchern internationalen Standard bieten zu können
Lesen Sie Teil 1 des Branchenreports Tourismus hier.
7. Zunehmende Reiselust der Iraker
8. Probleme und Hindernisse des Einreisetourismus
9. Für einen Masterplan zur Tourismusförderung im Irak
10. Förderung privater Unternehmen
11. Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch mit dem Ausland
12. Marketing und Information
13. Denkmalschutz und Bekämpfung des Raubs von Kulturschätzen
7. Zunehmende Reiselust der Iraker
Von 1980 bis 2003 waren die Iraker von der Außenwelt praktisch abgeschnitten. Die überwiegende Mehrheit wagte von einer Auslandsreise nicht mal zu träumen. Man brauchte eine staatliche Genehmigung, und sie wurde nicht nur ganz selten vergeben, sondern kostete auch das Vielfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens. Kein Wunder, dass viele Iraker gleich nach April 2003 ihre Reiselust wieder entdeckten. Mit höheren Einkommen entwickelte sich der Tourismusmarkt sehr rasch. Die Zahl der privaten Reiseunternehmen stieg auf das Vielfache und schuf inzwischen Arbeitsplätze für tausende Menschen. Überall wurden Reisebüros eröffnet, die mittlerweile Pauschalreisen nach Iran, Syrien, Libanon, der Türkei, aber auch Indien und Malaysia anbieten. Sie werden gerne von den neuen Reichen des Landes, aber auch vor der wieder erstarkten Mittelschicht in Anspruch genommen, auch wenn die Preise im Vergleich zu anderen Ländern relativ hoch sind.
Gleichzeitig profitierte der Binnentourismus von diesem Boom. Insbesondere Kurdistan lockt in den Sommermonaten viele Erholungsuchende aus dem heißen Süden des Landes an. In vielen Städten wurden Erholungs- und Vergnügungsparks eröffnet. In Bagdad ermöglichte die verbesserte Sicherheitslage den Behörden, die bekannten Stadtparks wieder für das Publikum zu öffnen. An Wochenenden und Feiertagen bieten sie vielen Familien eine der wenigen Möglichkeiten, sich zu entspannen und von alltäglichen Sorgen zu erholen.
Für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Wachstum des Reisemarktes im Irak zu rechen. Denn für viele Iraker gewinnt die aktive Freizeitgestaltung, insbesondere das Reisen, zunehmend an Bedeutung. Ausländische Reiseunternehmen, allen voran aus dem Iran und den Golfstaaten, beobachten den irakischen Markt mit großem Interesse. Einige versuchen bereits, hier Fuß zu fassen. Schon entwickeln irakische Kunden besondere Wünsche, Trends bilden sich heraus. Die einheimischen privaten Unternehmen versuchen darauf zu reagieren, aber oft mit mäßigem Erfolg. Es fehlt oft nicht nur an Kapital, sondern auch am qualifizierten Personal und an Kooperationen mit erfahrenen ausländischen Partnern.
Foto: AHMAD AL-RUBAYE (AFP/Getty Images)











