Branchen / Energiesektor
Die Iraker sitzen auf den drittgrößten Ölreserven der Welt und abends ohne Strom oft im Dunkeln. Es gibt viel zu tun. Die Frage ist nur: Wer packt es an? Alles, was man über Erdöl und Erdgas im Irak wissen muss
1. Einleitung
2. Erdöl
3. Erdgas
Wer an die Energiequellen des Irak denkt, denkt zuallererst an Öl. Das ist natürlich nicht falsch: Unter den Füßen der Iraker befinden sich nachgewiesenermaßen die drittgrößten Ölreserven der Welt. In demselben Land aber fällt ständig der Strom aus – und damit Klimaanlagen und Maschinen in Fabrikhallen, Wasserpumpen und Straßenlampen, Computer und Internet, OP-Licht und Beatmungsgeräte in Krankenhäusern.
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Die Energiekrise des Landes wird sich nicht rasch bewältigen lassen. „Seit dem Sturz des vorigen Regimes wurden für den Elektrizitätssektor über 65 Milliarden US-Dollar bereitgestellt“, resümiert unser anonymer Kolumnist aus Bagdad. „Trotzdem hat der Bürger nur eine oder zwei Stunden am Tag Strom. Ungeachtet dessen bekommt er monatlich Stromrechnungen zugestellt, die das Monatsgehalt eines einfachen Beamten überschreiten.“
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96 Prozent der irakischen Haushalte sind zwar an das Stromnetz angeschlossen, doch erhalten 85 Prozent von ihnen weniger als zwölf Stunden Strom am Tag. Kaum Leistung für viel Geld – die Iraker begehren auf. Eine Klimaanlage, die ständig ausfällt, Speisen, die verderben, und Kinder, die von verseuchtem Wasser krank werden und schreien: Bei 50 Grad Celsius im Sommer brennt die eine oder andere Sicherung durch. Im Juni demonstrierten Tausende gegen die Korruption im Versorgungssektor. Mindestens zwei Menschen kamen dabei ums Leben.
Ende 2008 hatte Elektrizitätsminister Kareem Waheed versprochen, das irakische Stromproblem sei im Jahr 2011 „ein für allemal vorbei“. Anderthalb Jahre später, nach den Juni-Demonstrationen, beklagte Wahid in einer Fernsehansprache, er erhalte nur unzureichende Mittel, um genügend Energie bereitzustellen, und außerdem nicht genug Öl für den Betrieb der Kraftwerke. Dann trat er zurück.
Doch auch wenn Ölminister Al-Schahristani, seitdem kommissarisch für das E-Ministerium zuständig, sofort die Sonderzuteilung von Strom an die privilegierte Grüne Zone Bagdads einschränkte und jetzt 250 Megawatt mehr zur Verfügung stehen: Es bleibt symbolische Politik. Ein marodes Stromnetz erneuert sich nicht über Nacht.
Ohne zuverlässige Energie geht es auch der restlichen Wirtschaft des Iraks schlecht – und damit auch der Stimmung im Land. Kein Wunder, dass vor allem die Amerikaner sofort versucht haben, die Branche zu restaurieren. Doch seit der Wende von 2003 kaufen die Iraker auch Stromfresser wie Fernseher, Satellitenschüsseln, Klimaanlagen. Zwischen Angebot und Nachfrage klafft weiterhin eine enorme Lücke.
Ein Großteil des Stromnetzes stammt aus den irakischen Boomjahren der 70er. 1990 produzierte das Land nach eigenen Angaben 9.000 Megawatt. Nachdem im zweiten Golfkrieg 1991 US-Flugzeuge die Hälfte der Kraftwerke bombardiert hatten, wurden diese notdürftig geflickt – Ersatzteile waren im Rahmen der Oil-for-Food-Sanktionen kaum zu bekommen. Vor der US-Invasion von 2003 schaffte Irak gerade noch 5.000 MW.
Derzeit liefern die Kraftwerke im Irak wieder maximal 7.000 Megawatt – im Sommer, wenn Klimaanlagen und Bewässerungspumpen durcharbeiten sollen, benötigt das Land aber bis zu 13.500 MW. Dennoch gibt sich Bagdad optimistisch: Durch Verträge und angestoßene Projekte mit Siemens, General Electric und auch chinesischen Kraftwerksbauern sollen schon in vier Jahren 27.000 MW zur Verfügung stehen (das ist jene Menge, die Windkrafträder in Deutschland heute leisten). Allerdings seien dafür 4,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr vonnöten, rechnet die Nationale Investitionskommission (NIC). Wie schon 2009, sind auch in diesem Jahr 2,8 Milliarden Euro im irakischen Haushalt vorgesehen.
Zusätzliches Geld soll so rasch wie möglich aus dem Ölexport kommen. Der Irak ist ein Lkw, der seit Jahren mit gefülltem Tank herumfährt – aber mit einer uralten Zündkerze starten muss. Zeit, sie zu wechseln.
Foto: SAFIN HAMED (AFP/Getty Images)











