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Die Iraker sitzen auf den drittgrößten Ölreserven der Welt und abends ohne Strom oft im Dunkeln. Es gibt viel zu tun. Die Frage ist nur: Wer packt es an? Alles, was man über Wasserkraft, das Stromnetz und die Verbraucher im Irak wissen muss
4. Wasserkraft
5. Die anderen Energieträger
6. Das Stromnetz
7. Stromimporte Energieträger
8. Verbrauch und Verbraucher
Seit jeher hat sich das Zweistromland über Euphrat und Tigris definiert. Auch deren Nebenflüsse generieren Fließgeschwindigkeiten aus den Höhen Ostanatoliens und Kurdistans, um Turbinen anzutreiben und Strom zu erzeugen. Noch vor wenigen Jahren konnte der Irak daher bis zu einem Fünftel seiner Stromproduktion über Wasserkraftwerke generieren.
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Seitdem ist dieser Anteil allerdings zurückgegangen: durch tiefe Wasserpegel, jahrelangen Stillstand zwecks Sanierung und den massiven Ausbau der Gas- und Ölkraftwerke. So haben irakische Kraftwerke 2006 insgesamt 30 Gigawattstunden produziert und 2009 bereits 42 GWh, während die Wasserkraftwerke 2006 mit ca. 7 GWh beteiligt waren, 2009 aber nur noch mit 2,9 GWh: An den größten Sperren Haditha und Mosul wurden mehrere Blöcke ausgetauscht.
Die Wasserkraftwerke im Irak:
- Die Talsperre 50 Kilometer vor Mosul ist unter Volllast (1010 MW) der größte Stromerzeuger des Iraks mit Wasserkraft. Neben dem Hauptkraftwerk (750 MW) liefern auch ein Pumpspeicher-KW (200 MW) und eine Staustufe zur Flussregulierung (60 MW) Energie. 1986 als „Saddam Dam“ erbaut, könnte die 131 Meter hohe Staumauer mehr als zwölf Milliarden Kubikmeter Wasser zurückhalten – wenn der Stauraum gefüllt wäre. Denn seit einer Inspektion 2006 halten US-Ingenieure die Mauer für stark erosionsgefährdet. Die Auswertung der Angebote, sie zu sanieren, läuft derzeit – und deutsche und italienische Firmen liegen vorne in der Gunst der Bagdader Regierung, so ist zu vernehmen.
- Die Haditha-Talsperre (660 MW) staut nordwestlich von Bagdad den Euphrat zu einem See von 6,4 Mrd. m³.
- Die größten Kraftwerke Kurdistans, Dukan und Darbandikhan (400 / 249 MW), befinden sich am Kleineren Zab, einem Zufluss des Tigris.
- Die Samarra-Talsperre von 1956 liegt nördlich von Bagdad am Tigris (75 MW).
- Der Adhaim-Damm liegt 130 km nordöstlich Bagdads am Uzaym (27 MW).
- Der Hamrin-Damm liegt 100 km nordöstlich von Bagdad am Diyala-Fluss (50 MW).
- Die Al-Hindiya-Talsperre liegt südlich von Bagdad am Euphrat (15 MW).
- Die Al-Kufa-Sperre (5 MW).
Allerdings sind das Volllastzahlen. Dazu müssen zum einen gerade mal nicht Turbinen oder Generatoren ausgetauscht werden. 2006 produzierten die Wasserkraftwerke des Iraks fast sieben Gigawattstunden, vergangenes Jahr aber nur 2,9 GWh: Da wurden gleichzeitig an der Haditha- und der Mosul-Talsperre ganze Maschinensätze gewechselt.
Zum anderen müssen die Flüsse genügend Wasser führen. „Wie können wir arbeiten, wenn die Hälfte unserer Kraftwerke wegen niedrigen Wasserpegels nicht arbeitet?”, stöhnte im September 2009 der damalige Elektrizitätsminister Wahid und zählte auf: “Haditha produziert 660 Megawattstunden, fällt bei einem Pegel von unter 120 Metern aber auf 0 MW. Hamrin fällt von 50 auf 0 MW. Samarra von 75 auf 15 MW. Dukan von 400 auf 50. Darbandikhan von 250 auf 40. Und Mosul von 750 auf 350 MW!”
Neben der Dürre der vergangenen zwei Jahre sind irakische Wasserkraftprojekte vom Verhalten der Nachbarn abhängig. Gerade im Iran und in der Türkei wird emsig gebaut und damit den Irakern am Unterlauf der Flüsse im Wortsinn das Wasser abgegraben. So entspringen Euphrat und Tigris im Osten der Türkei, und die Regierung in Ankara setzt gerade ihr Südostanatolien-Projekt um (GAP): Bis 2020 sollen 19 Wasserkraftwerke mehr als 27.000 GWh Strom liefern, die Stauseen insgesamt 17.600 Quadratkilometer Land bewässern. Außerdem soll GAP für Exporte sorgen: von Agrarprodukten, Wasser – und Strom.
Obwohl zum Beispiel Deutschland, Österreich und die Schweiz ihre Kreditbürgschaften für den türkischen Ilisu-Staudamm gekündigt haben, sind im Mai 2010 die Bauarbeiten an dem umstrittenen Vorhaben wieder aufgenommen worden. Gerade hat sich daher die Regierung in Bagdad wieder bei der Arabischen Liga beschwert: Wenn die Türkei den Damm wie geplant errichte, werde dem Tigris das Gleiche widerfahren wie zuvor dem Euphrat durch den Keban- und den Atatürk-Damm : Der Fluss werde am Unterlauf zu wenig Wasser führen (statt 20,9 nur noch 9,7 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr) und die irakische Landwirtschaft ebenso gefährden wie eigene Energie-Pläne.
Denn auch die Wasser- und Elektrizitätsministerien in Bagdad und Erbil planen weitere Wasserkraftwerke. In den kommenden fünf Jahren sollen 45 Dämme mit insgesamt 2900 Megawatt Leistung entstehen , darunter die folgenden:
- In der Bekhme (oder Bakhma)-Schlucht nordöstlich von Erbil hat das kurdische Wasserministerium alte Pläne aufgenommen, eines der höchsten Sperrwerke der Welt zu errichten: 230 Meter soll die Staumauer am Größeren Zab-Fluss empor ragen und 1536 Megawatt erzeugen. Das Projekt wird mit 2,1 Milliarden Dollar veranschlagt.
- Die Dämme Mandawa (620 MW) und Khazir Gomel (24 MW) am Größeren Zab-Fluss und Taq Taq (300 MW) am Kleineren Zab-Fluss werden zwischen 88 und 112 Metern hoch. Gesamtkosten: 2,26 Milliarden Dollar.
- Der Ghatas-Damm bei Badra (Grenzprovinz Wasit) soll den Kilal aufstauen, der sich aus dem Iran speist. Das Projekt ist noch in der Schwebe.
- Der Badush-Damm 15 km nordwestlich von Mosul wurde in den 1990er Jahren begonnen, aber vor der Invasion von 2003 unvollendet stehen gelassen. Er soll 170 MW produzieren.
- Der Al-Baghdadi-Damm soll unterhalb des Haditha-Damms am Euphrat in der Provinz Anbar liegen. Italienische Geophysiker erstellen derzeit eine Machbarkeitsstudie inkl. Umweltfolgenabschätzung.
Um sich an Ausschreibungen im Irak beteiligen zu können, sind Partner und ein eigenes Büro vor Ort essentiell. So hat es im März 2010 auch die Hydro Power Engineering GmbH aus Nürnberg gemacht, ein Mitglied der Gauff-Gruppe. Innerhalb von nur zwei Wochen hat HPE im kurdischen Erbil ein Büro eröffnet und seitdem bei bislang drei Wasserkraftprojekten mitgeboten: Die Dämme Dewana und Khornawasan sollen hauptsächlich als Wasserreservoir für die aride Region südöstlich von Kirkuk dienen und daneben „einige hundert KW Strom“ liefern, das Bawanour-Projekt aber immerhin bis zu 5o MW, sagt HPE-Geschäftsführer Matthias Bertram.
Eines der Bieterverfahren war wenig transparent. Zudem wird „der Markt dort unten intensiv von türkischen und iranischen Firmen bedient, da kommt es zu extremen Preisunterschieden – bei einem Planungsprojekt schwankten die vorgelegten Angebote zwischen 1,6 und 12 Millionen US-Dollar!“, sagt Bertram. Auch für die beiden anderen Dämme lagen schließlich Bauangebote von 11 bis 25 Millionen Dollar vor.
Doch Bertram bietet gemeinsam mit einer irakischen Firma an, und auch wegen eines anderen Faktors rechnet er sich für die weiteren Projekte gute Chancen aus: „Kurdische Kunden haben zum Teil schon ihre Erfahrungen gemacht und daher im Leistungsverzeichnis chinesische Produkte ausdrücklich ausgeschlossen. Insofern bemerken wir eine Tendenz hin zu höherwertigen Produkten: Die Kunden schätzen die Qualität und die Zuverlässigkeit deutscher Hersteller und Engineeringfirmen."
Foto: REUTERS/STRINGER Iraq











