Ein super Schmierblättchen
19.04.2011  | Qassim Khidhir   

Branchen / Energiesektor
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Die Region Kurdistan informiert in einem Handbuch über Öl und die Entwicklung des Energiesektors. Und hat eine Sensation zu vermelden: Auf kurdischem Boden wurde eines der größten Gasfelder des Irak entdeckt


Das Ministerium für Natürliche Ressourcen der Region Kurdistan-Irak hat ein 200 Seiten starkes Nachschlagewerk herausgegeben, das alle Informationen rund um den Öl- und Gassektor und die Unternehmen enthält, die in der Region tätig sind. Durch das Werk führt der Minister für Bodenschätze und Mineralien, Ashti Hawrami.

Ein Blick hinein:


Erdölvorkommen:


Kurdistan hat mindestens 45 Milliarden Barrel Erdölvorkommen. Diese Reserven sind bislang noch nicht in die Berechnung der gesamtirakischen Vorkommen eingeflossen. Minister Ashti Hawrami erwartet aber, dass der Irak die Vorkommen in Kurdistan bald in sein Zahlenmaterial einbezieht.


Export:


Derzeit exportiert die Region Kurdistan 100.000 Barrel Erdöl pro Tag und wird diese Zahl bis Ende 2011 auf 150.000 Barrel steigern. Laut Hawrami wird Kurdistan bis 2014/2015 mindestens eine Million Barrel täglich ausführen.


Verhandlungen mit Bagdad:


In der Region Kurdistan-Irak sind zurzeit 43 Ölkonzerne aus 17 Staaten. Immer noch gibt es Diskussionen darüber, wann Bagdad die Verträge anerkennt, die Erbil mit den ausländischen Ölgesellschaften geschlossen hat. In den kommenden Monaten soll ein Ölgesetz und ein Gesetz über die Beteiligung der Konzerne an den Öleinnahmen verabschiedet werden. Der Minister für Bodenschätze Hawrami erklärt: „Schauen Sie, das Problem bestand nicht in Differenzen zwischen uns und Bagdad generell, sondern lediglich mit einigen rückwärtsgewandten Politikern.“ Er fügt hinzu, dass es auch ein neues politisches Abkommen zwischen Bagdad und Erbil gibt. Danach wird Bagdad für die Kosten der Konzerne aufkommen, die in der Region Kurdistan tätig sind. Im Gegenzug gehen die Öleinnahmen aus Kurdistan in die gesamtirakische Staatskasse. „Derzeit trägt Kurdistan jeden Tag mit 10 Millionen US-Dollar zum Staatshaushalt des Iraks bei.“


Gassektor:


Kurdistan hat auf dem Gassektor optimale Voraussetzungen für eine gute wirtschaftliche Entwicklung: Die Vorkommen werden auf zwischen 2,8 und 5,6 Billionen Kubikmeter Erdgas geschätzt. Nach Auskunft des Ministers Hawrami hat bei der Nutzung der Ausbau von Gaskraftwerken oberste Priorität, um die Stromknappheit in der Region anzugehen. Erst in zweiter Linie soll das Gas in die Türkei und nach Europa exportiert werden. Laut Ashti Hawrami kann Kurdistan Europa 80 Jahre und mehr mit Erdgas versorgen. (s.a. Gasfund des Jahres)


Der Deal des Jahres:


Im August 2010 unterzeichnete der deutsche Energieriese RWE mehrere Kooperationsabkommen mit der Regierung der Region Kurdistan. RWE will Kurdistan helfen, seine Infrastruktur für den inländischen Gastransport als auch für den Export auszubauen. Gleichzeitig würde damit der Weg frei für kurdische Gaslieferungen an die Türkei und Europa über die geplante Nabucco-Pipeline. Kurdistan will mehr als rund 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr über die Türkei nach Europa liefern.


Das Unternehmen des Jahres:


Zusammen mit anderen Schwergewichten der Branche wie Murphy Oil war der Einstieg des US-Unternehmens Marathon Oil im Oktober 2010 ein Meilenstein für die Region. Marathon Oil hat Förderlizenzen für vier Ölfelder in der Region Kurdistan erhalten. Laut der Production-Sharing-Verträge hält Marathon 80 Prozent an den Blöcken Harir und Safen nordöstlich der Regionalhauptstadt Erbil sowie einen Anteil von 20 Prozent am Atrush-Block und 25 Prozent am Feld Sarsang nordwestlich von Erbil. Marathon ist derzeit mit Erträgen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar einer der größten Player in der Region.


Der Gasfund des Jahres:


Ein Superlativ schon knapp im neuen Jahr: Im Januar 2011 stieß der Konzern Heritage Oil im Ölfeld Miran West-2 auf Erdgas. Dort werden jetzt Gasvorkommen zwischen 190 und 250 Milliarden Kubikmeter vermutet. Der Fund könnte die Entdeckung eines der größten irakischen Gasfelder überhaupt sein. Bereits jetzt fasst das Feld eine der größten Erdölvorräte der Region. Sie werden auf 2,3 bis 4,2 Milliarden Barrel geschätzt.


Der Ölfund des Jahres:


Der Konzern MOL entdeckte im März 2010 rund 2,4 Milliarden Barrel Erdöl im Feld Akri-Bijeel.


Der Unternehmer des Jahres:


Der Unternehmer des Jahres 2010 ist der Vorstand des türkischen Konzerns General Engerji, Mehmet Sepil. Er steht an der Spitze eines der ersten Unternehmen, die kurdisches Rohöl exportierten. Seit der Gründung des General-Konzerns im Jahr 2002 hat Sepil das Unternehmen zu einem der erfolgreichsten Akteure in Kurdistan und einer der Hauptnutznießer der positiven Entwicklung im Energiesektor aufgebaut. Nun ist der Konzern General Engerji auch in die Gasförderung eingestiegen, am neu entdeckten Miran-Feld. Mehmet Sepil und sein Unternehmen ist eine Konstante in einer Zeit der rasend schnellen Entwicklungen in einer Region, die dabei ist, das Kraftwerk des Iraks zu werden.

 

Foto: SAFIN HAMED (AFP/Getty Images)