Alltag / Kolumne

Fußgänger oder Fahrradfahrer haben auf den Straßen Nordiraks keinen Platz. Es gibt keine Bürgersteige, keine Fahrradwege und keinen modernen Nahverkehr. Wer von A nach B will , muss sich ein Taxi nehmen. Damit bucht er gleichzeitig eine Art Fortbildung, denn eine Taxifahrt in einem hochpolitisierten Land wie dem Irak kommt bisweilen einer Politik-Vorlesung gleich. Da wird dem Fahrgast schon einmal in aller Kürze die komplexe irakische Parteienlandschaft näher gebracht, sofern er der Sprache mächtig ist und dies auch zu erkennen gibt. Der Nachteil einer eher intellektuell orientierten Taxizunft ist die Orientierungslosigkeit. Nur die wenigsten finden ohne Anweisungen des Fahrgastes das gewünschte Ziel – dass viele Straßen keine Namen haben, macht die Sache nicht einfacher. Was an Orientierung fehlt, wird durch verlässliche Preise wieder gut gemacht. Innerhalb der Stadt gibt es lediglich drei Preiskategorien: 2000 irakische Dinar für eine kurze, 3000 für eine mittlere und 6000 für eine lange Strecke. Nicht mehr und nicht weniger. Preisverhandlungen und Trinkgelder sind nicht erwünscht.
Immer mehr Frauen allerdings klagen über Belästigungen, vor allem bei nächtlichen Fahrten. Pink-Taxi, eine reine Frauen-Taxi-Flotte, bietet zumindest in Erbil Abhilfe. Zwar ist der Service mit 10.000 bis 20.000 Irakischen Dinar pro Fahrt um einiges teurer, garantiert aber eine sichere Heimfahrt – auch wenn es aufgrund der noch unerfahrenen Taxifahrerinnen noch länger dauert als sonst. Aber da stoßen sie bei ihren weiblichen Fahrgästen auf tiefes Verständnis: Denn sie nämlich folgen gerne dem Leitsatz, dass der Weg schon das Ziel ist.
Was kostet im Irak…Lesen Sie auch die anderen Teile:
+ …eine Kurdentracht?
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Maral Jekta und Henrik Ahrens leben und arbeiten in Erbil. Neben ihrer Arbeit für die Wirtschaftsplattform Irak beziehungsweise an der Media Academy Iraq genießen sie das irakische Leben in vollen Zügen. Welchen Preis das hat? Darüber berichten die zwei in ihrer wöchentlichen Kolumne: Was kostet im Irak...?
Foto: AHMAD AL-RUBAYE (AFP/Getty Images)











