Bagdad Briefings Teil 21: Ein Esel kann's auch mal sein
19.07.2010  | Abu Ghada   

Meinung & Analyse / Gesellschaft
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Vom I zum A oder warum das scheinbar so dumme Tier die Unterstützung der kurdischen Regionalregierung verdient


Die kurdische Eselspartei verlangte vor kurzem von der kurdischen Regionalregierung finanzielle Unterstützung für die Eröffnung eines Radiosenders mit dem Namen „Iah“. Unter der kurdischen Bevölkerung herrscht darüber eine geteilte Meinung.

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Gegründet wurde „Kurdische Partei der Esel“ im Jahr 2005. Ihr Name geht auf deren Sekretär Omar Klul zurück, der vor mehr als zwanzig Jahren das Leitwort prägte: „In Folge des Übels und der Abwegigkeit der Menschen müssen wir wie Esel leben.“ Die Gründungslizenz zu erhalten war nicht ganz einfach. Die kurdische Regionalregierung in Sulaimaniya gewährte sie laut Aktivisten der Partei erst nach zahlreichen Symposien und Konferenzen – in Verbindung mit After-Fußtritten, anderweitigem Ausschlagen und Ohr betäubendem Iahen.

Eben jener Sekretär Omar Klul teilte Journalisten nun mit, er habe dem Premierminister der kurdischen Regionalregierung Barham Saleh eine Petition mit Unterschriften von Hunderten Mitgliedern der Kurdischen Eselspartei eingereicht, in der die Partei um finanzielle Unterstützung für die Errichtung eines parteieigenen Rundfunksenders mit dem Namen „Iah“ bittet.

Klul zeigte sich optimistisch über die Gewährung dieser Unterstützung und äußerte zeitgleich seine Verwunderung über die Kritik einiger kurdischer Bürger am Namen der Partei. Mit Hinweis auf die unter Barack Obama regierenden Demokraten fragte er rhetorisch: „Hat denn nicht eine der größten Parteien in den USA einen Esel zum Symbol und Maskottchen?!“ Auch hier scheiden sich in unserem geliebten Kurdistan die Geister, weil einige unbelehrbar und – starrsinnig, wie einmal die Kurden sind – behaupten, dass selbst in Amerika nicht alles Gold ist, was glänzt.

Einer der Vorkämpfer der „Kurdischen Partei der Esel“ namens Scheich Ibrahim teilte mit, wer Mitglied der Partei werden möchte, müsse einen anständigen Fußtritt nach hinten vorlegen können, der dem Ausschlagen eines Esels mit einem Hinterbein gleichkommen muss. Dies sei eine der Bedingungen für den Erhalt der Mitgliedschaft in der Partei, gleich welcher Gesellschaftsschicht oder Altersgruppe der Antragssteller angehöre.

Über den AutorDer Verfasser dieses Tagebuches gehörte nie einer politischen Partei an, weder zu Zeiten Saddam Husseins noch nach dem Sturz. Dennoch ist er parteilich, seine Partei ist das irakische Volk. Als es dem Irak und den Irakern in den Sechzigerjahren gut ging, studierte er im Ausland. Als die Diktatur herrschte, als das irakische Volk in Kriege verwickelt wurde und unter Staatsterrorismus und Embargo an Hunger litt und zehntausende Menschen das Land verließen, kehrte Abu Ghada zurück, um seinen Beitrag zu leisten, als Mensch.

Nach den Rangstufen der Parteimitglieder befragt, erklärte Scheich Ibrahim, sie seien alle – wie es sich in einer wahrhaft demokratischen Partei gehöre – gleichrangig und gleichberechtigt, würden sich aber gemäß Alter und Geschlecht in „Eselchen“, „Eselin“ und „Esel“ einteilen.

Insider weisen darauf hin, dass diese Partei bereits in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Anfänge als „Gesellschaft“ genommen hatte. Zu der Zeit, als die politischen Bewegungen und Parteien in der kurdischen Region einen Krebsgang vollzogen und die Moral der kurdischen Bürger zusammengebrochen war; sie hatten Vertrauen in die Parteien gesetzt, waren aber von ihnen enttäuscht worden waren.

Omar Klul hatte Ende der Siebziger des vorigen Jahrhunderts gemeinsam mit Freunden schon einmal die „Gesellschaft für die Verteidigung der Rechte der Esel“ gegründet, musste aber alsbald die Aktivitäten seiner Gesellschaft einstellen, nachdem das vorige Regime ihn und seinen Aktivisten vor den Konsequenzen der Fortsetzung ihrer „subversiven Tätigkeit“ gewarnt hatte.

Omar Klul nennt sein offizielles Büro „Khan“, was gemäß der kurdischen Sprache im Deutschen „Eselstall“ oder „Schlafstätte für Esel“ heißt. Im Gegensatz zum üblichen Sprachgebrauch ist der Ausdruck „Du bist ein Esel“ unter den Mitgliedern der Eselpartei eine Bezeugung des Respekts und der Anerkennung. Vielleicht könnte diese Anrede, auch einmal offiziell an die kurdische Regionalregierung gerichtet, dieser auf endlich die Hinterbeine helfen. Inklusive kräftigen Aftertritten.

Der Autor unserer Kolumne lebt in Bagdad, wo er in politischen Kreisen verkehrt. Sein Name soll hier nicht verraten werden. Denn nur so kann er ehrlich und ungestört über Politik, Gesellschaft und Kultur berichten.

 

Fotos: Wathiq Khuzaie (1) (Getty Images), Sabah Arar (1) (Getty Images)