Der Fluch von Saddam
17.04.2011  | Ammar Al-Saleh   

Meinung & Analyse / Gesellschaft
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Seit Jahren versucht das irakische Transportministerium, die Yacht von Saddam Hussein zu verkaufen. Doch trotz goldener Wasserhähne und Hubschrauberlandeplatz will niemand das vor Basra liegende Schiff, das jetzt vielleicht gar zum Wachsfigurenkabinett verkommt


Raketensystem, Hubschrauberlandeplatz, Konferenzräume, ein Theater, Schlafzimmer mit schwülstigen Himmelbetten, im Wohnzimmer eine Koransure über dem Sofa und vergoldete Wasserhähne im Bad. Auf einer Länge von 82 Metern und einer Breite von 22 Metern bietet die Yacht „Nasim Al Basra“ alles, was man als arabischer Diktator auf Kreuzfahrt so braucht. Gebaut wurde die „Nasim Al Basra“, was soviel bedeutet wie die Brise von Basra 1981 in Dänemark. Kostenpunkt: 25 Millionen Dollar. Auftraggeber: Saddam Hussein, damaliger Präsident des Iraks.

Dreißig Jahre ist es nun her, dass die Brise von Basra vom Stapel lief. Die Zeit ist auch an dem einstigen Stolz von Saddam Hussein nicht spurlos vorüber gegangen. Ein bisschen Rost am Bug, ein wenig Rost am Heck und drinnen hie und da Flecken auf dem Teppich, so als hätte der Diktator bei Sturm versucht, mit einem Glas Black Label in der einen und einer Cohiba in der anderen Hand spazieren zu gehen.

In Basra, wo das Schiff am Corniche von Shatt Al Arab vor Anker liegt, sind sich trotzdem alle einig, dass das Schiff eine Schönheit ist, eine Schönheit sein muss, zu lange hat man die Heimkehr der Brise von Basra ersehnt. Gerade mal 58 Kilometer lang ist die irakische Küste, ein kleiner Fleck im Norden des Arabischen Golfs. Eine Nation der Seefahrer war der Irak deshalb nie. Trotz der Geschichten und Mythen von Sindbad, trotz des privaten Yachtclubs von Saddam Hussein. Neben der Brise von Basra besaß er noch zwei weitere Luxusschiffe, die „Al Mansour“ und die „Qadesia“. Beide wurden während der Invasion im Jahr 2003 versenkt. Die Brise von Basra lag damals sicher im Hafen von Nizza, tausende Kilometer von den Bomben entfernt.

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Als sie Jahre später, am 1. November 2010, in den Hafen von Basra heimkehrte, standen hunderte Menschen am Ufer und jubelten. Die Rückkehr der Brise von Basra wurde als ein weiterer Beweis für den Aufschwung gewertet. Neben der Region Kurdistan im Norden ist Basra das zweite Zentrum eines landesweit noch immer ausbleibenden Aufschwungs.

Die Millionenstadt im Süden ist relativ sicher, bietet seit kurzem wieder die Annehmlichkeiten eines Luxushotels und wird im kommenden Jahr Gastgeber des Fußballturniers „Golf Cup“ sein. Vor allem aber liegen unter der Region Basra riesige Reichtümer. Allein das Ölfeld Rumaila, das sich unter südirakischem und kuwaitischem Boden erstreckt, umfasst rund 15 Prozent der irakischen Erdölvorkommen.

Wenn nun auch noch der mehrere Milliarden Euro teure Hafen, der neue Grand Iraqi Port, irgendwann mal fertig werden würde, wäre Basra bald das neue Dubai. Dass ausgerechnet das Schiff des ehemaligen Diktators ein Symbol für den Aufschwung geworden ist, hat viel damit zu tun, dass die Geschichte der Brise von Basra genauso verworren ist wie die jüngere Historie des Iraks.

Die Odyssee von Saddams Spielzeug beginnt direkt mit dem Stapellauf im Jahr 1981. Es war die Zeit des irakisch-iranischen Krieges (1980-1988) und Saddam Hussein hatte gerade andere Sorgen, als die Brise von Basra in ihren Heimathafen zu überführen. Also schenkte er seine Yacht kurzerhand der königlichen Familie von Saudi-Arabien. Diese ihrerseits schenkte die Yacht ein paar Jahre später dem damaligen König von Jordanien Hussein Ben Abdullah. Der wiederum überließ die Yacht seinem Sohn Abdullah, der sie seinerseits schließlich an ein französisches Unternehmen verkaufte. Und so pendelte die Yacht jahrelang zwischen Frankreich und den Staaten des Maghrebs, hatte reiche Familien und Unternehmer an Bord. In das Schiff investiert hat keiner, die von Saddam in Auftrag gegebene Einrichtung wurde in den vergangenen 30 Jahren nicht verändert. Man könnte auch sagen, die Brise von Basra befindet sich im Originalzustand.

Ein gutes Verkaufsargument war das ganz offensichtlich nicht. Amer Abduljabbar, der ehemalige Verkehrsminister des Iraks weiß ein Lied davon zu singen. Jahrelang hat er eifrig wie ein Gebrauchtwagenhändler kurz vor Ladenschluss versucht, Saddams Yacht zu verhökern. Nach dem Sturz des Regimes im Jahre 2003 hatte der Irak die Rückführung der Yacht gefordert. Die Begründung war so schlicht wie einleuchtend. Die Brise von Basra gehöre dem irakischen Volk und sei Staatseigentum. Nach einem längeren juristischen Hickhack sahen das auch die Gerichte so und der Irak bekam die Yacht des Diktators zurück. Das Schiff, das von nun an vom irakischen Staat zum Verkauf angeboten wurde, lag noch immer vor Nizza.

Aber keiner wollte die Brise von Basra. Um die Verkaufschancen zu bessern, wurde das Schiff in eine Werft nach Griechenland überführt und dort technisch überholt. „Wir vom Verkehrsministerium“, sagt Amer Abduljabbar, „wurden damit beauftragt nach Griechenland zu fahren, die Wartung zu begleiten und schließlich die Yacht nach Basra zu bringen.“ Außerdem mussten die Schulden bezahlt werden, die das Schiff im Laufe der Jahre angehäuft hatte. Die Außenstände für Hafengebühren und Gehälter der Mannschaft betrugen rund zwei Millionen Dollar.

„Die Schulden“, sagt Amer Abduljabbar, „waren aber nur ein Grund, warum wir das Schiff nicht los geworden sind. Die Yacht war ja immer auch ein Symbol des ehemaligen Regimes. Wir mussten aufpassen, dass sie nicht in die falschen Hände gerät und für Propagandazwecke von den Resten des Baath-Regimes missbraucht wird.“ Die Furcht war völlig unbegründet. Über Jahre hinweg fand sich niemand, der bereit gewesen wäre den Kaufpreis von 30 Millionen Euro zu bezahlen. Die höchsten Angebote die eingingen, lagen bei gerade mal vier Millionen Euro.

Doch auch nach der Heimkehr der Brise von Basra ist längst nicht klar, was aus dem Schiff werden soll. Ginge es nach dem ehemaligen Verkehrsminister Amer Abduljabbar, würde die Yacht in Zukunft für touristische Fahrten im Arabischen Golf eingesetzt, „damit die Gewinne in die irakische Staatskasse fließen.“ Mahmoud Al Makssousi, zuständig für die wirtschaftliche Entwicklung in der lokalen Regierung von Basra, ist der gleichen Meinung: „Wir sind dabei eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, um die Yacht effektiv im Tourismusbereich einzusetzen. Und zwar bald. Das Schiff wird nicht besser, wenn es so lange im Hafen liegt. Die Brise von Basra muss fahren.“

Momentan sieht es so aus, als ob das ein hehrer Wunsch bleiben würde. Zwar liegen dem Verkehrsministerium Anfragen von Unternehmen vor, die die Yacht für den Transport von Pilgern aus den Golfstaaten und Iran nach Basra oder für touristische Rundfahrten im Arabischen Golf einsetzen wollen. Die derzeit größten Chancen auf einen Zuschlag hat aber ein ganz anderes Projekt. Die Yacht des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein soll in ein Wachsfigurenkabinett umgewandelt werden, gastronomische Angebote inklusive. Welche Persönlichkeiten als Wachsfiguren zwischen Saddams Raketen und Plüsch ausgestellt werden sollen, verrät der Investor noch nicht. Aber auch das Verkehrsministerium behält seit Jahren ein kleines Geheimnis für sich: Saddam Hussein war kein einziges Mal an Bord.

 

Fotos: Ammar Al-Saleh (Wirtschaftsplattform Irak) (8)