Investieren / Interview
Bis im Irak das Internet jederzeit verfügbar ist, wird es noch Jahre dauern. Mit dem Angebot eines deutschen Unternehmens ist man schon jetzt überall drin. Dr. Victor Kühne, Geschäftsführer der Sat Internet Services GmbH, über Breitbandverbindungen und den unschlagbaren Wert deutscher Gründlichkeit
WPI: Herr Dr. Kühne, bis jetzt nutzen lediglich 325.000 der 29 Millionen Iraker das Internet. Wird Dank Ihres Angebots die Zahl der irakischen Internetuser nun explosionsartig steigen?
Dr. Victor Kühne: Das wird wohl vorerst nicht der Fall sein. Unsere Dienstleistung richtet sich hauptsächlich an Unternehmen, Firmen und kleine Organisationen aus Deutschland, die in der Region aktiv sind. Wir beliefern auch einige irakische Unternehmen, aber das macht eher den kleineren Anteil der Kunden aus.
Hat es einen Grund, dass Sie Privathaushalte nicht beliefern?
Das liegt daran, dass die Technologie vergleichsweise teuer ist. Daher wird sie nur von Firmen in Anspruch genommen, die sich das leisten können. Das kann sich in einigen Jahren ändern, aber im Augenblick ist unser Angebot auf Business Solutions ausgerichtet.
Wie funktioniert Ihr Angebot eigentlich?
Zur Person
Die Sat Internet Services GmbH mit Sitz in Hannover hat Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Schweiz und im Irak. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Kommunikationsprodukte. Die Sat Internet Services GmbH ist offizieller Vertriebspartner von Eutelsat. Geschäftsführer (Foto) ist Dr. Victor Kühne.
Unsere Kunden benötigen weder technisches Know-How noch eigenes Equipment. Wir haben Mitarbeiter im Irak und ein Netzwerk von Leuten, die in Deutschland geschult wurden und sich um Vertrieb, Installation und Kundenbetreuung kümmern. Die Installation des Systems dauert drei bis vier Stunden und funktioniert meist ohne Störung für die kommenden Jahre.
Und was kann Ihr System?
Breitbandinternet in Kombination mit VoIP-Telefonie (Voice over IP) mit Geschwindigkeiten von 8 MBit Download und 1 MBit Upload. Die VoIP-Telefonie hat den Vorteil, dass unsere Kunden sehr günstig in das europäische Netz telefonieren können. Wir bieten zudem virtuelle Telefonanlagen und internationale Rufnummern an.
Und die Basis all dessen ist ein satellitengestützter Breitbanddienst?
Ja, unser System wird bei Bedarf schnell auf- und abgebaut. Außerdem bieten wir zwei unabhängige Systeme an, so dass es immer eine Backup-Lösung gibt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Thema Sicherheit. Durch die hochsichere Technologie wird jede An- und Abfrage verschlüsselt. So können Daten ungefiltert und unzensiert übertragen werden. Die Kommunikation über VSAT (Very Small Aperture Terminal, Satellitenempfänger und -sender mit Antennen für satellitengestützte Kommunikation) stellt somit eine absolut sichere Verbindung dar, um sensible Unternehmensdaten zu transferieren. Zudem gibt es in den meisten Regionen im Irak kein Kabelnetz. Deshalb kann nur ein unabhängiges, völlig autarkes System wie unseres für die Kommunikation eingesetzt werden.
Aber das wird sich doch in naher Zukunft ändern – oder nicht?
Mit Sicherheit werden die nächsten zehn Jahre gebraucht, um Breitbanddienste flächendeckend in den Städten anbieten zu können. Aber in der Peripherie wird das nicht der Fall sein. Da sitzen aber unsere Kunden. Dementsprechend müssen dort dauerhaft alternative Lösungen angeboten werden. Für die Region ist Internet via Satellit die optimale Lösung. Auch deshalb, weil es fraglich ist, ob diese Kabelnetze überhaupt am World Wide Web angeschlossen sind.
Was bedeutet das für den Nutzer?
Die jetzigen Basisnetze sind meistens irakintern. Sie haben sehr langsame Verbindungsgeschwindigkeiten und stellen keine wirkliche Option dar. Für sichere, schnelle Verbindungen wird man im Irak wie in vielen Regionen im Nahen Osten auf VSAT zurückgreifen.
Seit 2006 entdecken immer mehr Kommunikationsfirmen den Markt. Was macht SAT Internet Services GmbH besser als andere Anbieter?
Ich würde vor allen Dingen die „Deutsche Gründlichkeit“ hervorheben. Viele unserer Kunden haben mit irakischen Anbietern in den vergangenen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht und beklagen, dass diese oftmals unstrukturiert sind und wieder vom Markt verschwinden. Deshalb greifen deutsche Unternehmen bei einem so wichtigen Thema wie Kommunikation gerne auf uns zurück. Als einzige deutsche Firma in der Region haben wir da ein Alleinstellungsmerkmal.
Würden Sie anderen deutschen Unternehmen raten, in den irakischen Markt zu investieren?
Ja, der irakische Markt ist bereits deshalb für Unternehmen attraktiv, weil er noch nicht erschlossen ist und der Wiederaufbau jetzt erst startet. Es hängt natürlich auch davon ab, welches Produkt oder welche Dienstleistungen angeboten werden. Für uns war das relativ einfach, weil unser Produkt gefragt war und wir bereits im Nahen Osten tätig waren. Unternehmen, die erst neu in die Region gehen, müssen natürlich zunächst investieren, etwa in den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur oder in die Kundengenerierung.
Wird man dafür auch belohnt?
Der Markt im Irak ist sehr interessant: Aufgrund der hohen Nachfrage und des starken Wirtschaftswachstums ist es ein sehr viel versprechendes Geschäftsfeld. Ich kann nur sagen, dass die Sat Internet Services GmbH das Engagement im Irak weiter ausbauen wird.
Sie sind ja sehr optimistisch...
Natürlich gibt es Probleme, denen man in Europa nicht begegnet. So ist die Einfuhr der Hardware unverhältnismäßig teuer, zudem kann es auch am Zoll und der Einreise durchaus mal Schwierigkeiten geben, mit denen sogar unser Entwicklungsminister Herr Niebel kämpfen musste.
Haben Sie keine Angst, dass die Protestwelle in der arabischen Welt den Irak destabilisiert?
Die Proteste sehe ich mittelfristig positiv, da die Bevölkerung zu Recht bessere Lebensbedingungen einfordert. Wenn diese Forderungen durchgesetzt werden, wie etwa in Ägypten oder Jordanien, verbessern sich die Lebensbedingungen und das ist sicherlich die beste Basis für eine Stabilisierung des Iraks.
Foto: Mario Tama (Getty Images)











