Wirtschaft & Verkehr: Mit der Lufthansa zum Stammtisch nach Erbil
03.05.2010  | Qassim Khidhir   

Reise & Transport / Luftverkehr
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Seit vergangenem Dienstag ist es endlich wieder soweit: Lufthansa fliegt direkt nach Erbil. Doch nicht nur deshalb erleben die deutsch-irakischen Beziehungen dort gerade einen Höhenflug


Nun fliegen sie wieder, die Maschinen der größten Airline Europas, und dies sogar vier Mal pro Woche vom Frankfurter Flughafen. Die Sicherheitslage war zuvor ausgiebig geprüft worden – mit einem Ergebnis, das auch das Personal der Lufthansa überzeugte. „Keiner unserer Piloten hat es abgelehnt, nach Erbil zu fliegen“, sagte Joachim Steinbach, Lufthansa-Vizepräsident der Verkaufs- und Dienstleistungsabteilung für den Nahen Osten und Afrika, während der Eröffnungsfeier im Erbil International Hotel. „Sie wissen, dass Kurdistan ein sicheres Ziel ist.“


Joachim Steinbach (links), Vizepräsident der Verkaufs- und Dienstleistungsabteilung für den Nahen Osten und Afrika der Lufthansa, bei einer Pressekonferenz: „Keiner unserer Piloten hat es abgelehnt, nach Erbil zu fliegen. Sie wissen, dass Kurdistan ein sicheres Ziel ist.“

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Lufthansa war die positive wirtschaftliche Entwicklung in Kurdistan. „Das hat Lufthansa ermutigt, die Region mit Deutschland, Europa und der Welt zu verbinden“, führte Steinbach weiter aus. Und Peter Pollak, Lufthansa-Manager für die Golf-Region, fügte hinzu: „Lufthansa bildet eine Brücke für Geschäftsleute zwischen Deutschland und dem Irak.“ Wie sehr die Iraker diese „Brücke“ schätzen, betonten die Mitglieder der kurdischen Regierung, die zahlreich zu der Einweihung gekommen waren. Auch Iraker, die in Deutschland leben, freuen sich über die neue Verbindung. „Ein Direktflug zwischen Deutschland und Erbil ist viel besser, als über ein Drittland zu fliegen“, erzählt der in München lebende Kamarn Qadir, der gerade zu Besuch bei seinen Eltern ist.

Dank dieser neuen Flugverbindung wird sich auch der deutsch-irakische Wirtschaftsstammtisch in Erbil über immer wieder neue Teilnehmer freuen können. Er findet mittlerweile regelmäßig in Erbil statt und hat sich zu einer informellen Kontaktbörse für irakische und deutsche Geschäftsleute entwickelt. In diesen Tagen war eigens eine Delegation der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) angereist. Sie wollte prüfen, ob und wie sich Deutschland in der Berufsausbildung engagieren kann und suchte am Stammtisch in dieser Frage Austausch mit deutschen, irakischen und österreichischen Geschäftsleuten.

So hörte sie, dass aus der Region in den vergangenen Jahren viele qualifizierte Kräfte ins Ausland abgewandert sind und seitdem an allen Ecken und Enden gut ausgebildete und erfahrene Ingenieure und Techniker fehlen. Ebenso Experten, die schulen und fortbilden könnten. Der kurdische Geschäftsmann Kiwan Siwaily, der im Ölsektor tätig ist, erzählte, dass seine Firma auf externe Kräfte angewiesen ist. Unter Saddam Hussein war es den Kurden verboten, in der Ölbranche zu arbeiten, deswegen sind die meisten seiner Techniker Iraker aus dem Süden. „Doch selbst die sind nicht immer besonders qualifiziert und erfahren.“

Offenbar, so erfuhr die Delegation der GTZ weiter, können die Universitäten nicht ausreichend ausbilden. Es fehlt unter anderem an der Ausstattung, um die Studenten auf die Praxis vorzubereiten. Und es fehlt an qualifizierten Lehrkräften. Sie seien häufig nur wenig erfahrener als die Studenten. „Wir brauchen Ausrüstung und ausländische Experten“, fordert deshalb Dr. Adnan Shihab, Leiter des Studiengangs für Fahrzeugtechnik am Institut für Maschinenbau der Salahaddin-Universität.

Erste Ansätze, die Ausbildung zu verbessern, gibt es schon. Das regionale Ministerium für Hochschulbildung und Forschung hat kürzlich privaten Investoren angeboten, eigene Institute in der Region zu eröffnen. Die Hoffnung geht auch nach Deutschland: „Das Planungsministerium der Kurdischen Regionalregierung hat mich darum gebeten, die Region beim Aufbau ihrer technischen Kapazitäten zu unterstützen“, sagte der deutsche Generalkonsul Oliver Schnakenberg in Erbil.

Der Stammtisch in Erbil, so sehen es alle Beteiligten, kann der Beginn einer dauerhaften Partnerschaft zwischen Kurden und Deutschen werden – umso mehr, als nun Experten und Organisationen wie die GTZ regelmäßig und auf schnellem Wege ins Land reisen können.

 

Fotos: Safin Hamed (2) (WPI)