Bei der Irak-Konferenz des Nah- und Mittelostvereins (Numov) in Dresden ging es um zwei Fragen: Wie lassen sich Exporte absichern? Wie lassen sich Investitionen absichern? Auf beide gab es Antworten, die allerdings nicht immer ganz zufriedenstellend ausfielen
Die Idee für diese Konferenz kam aus den sächsischen Unternehmen. Ein Anlagen- und ein Maschinenbauer hatten vorschlagen, eine Mittelstandskonferenz nur für den Irak zu organisieren, erklärte Simone Hartmann, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen des Wirtschaftsrates, gleich zu Beginn der Konferenz. Und so ging es bei der gestrigen „Wirtschaftskonferenz Nah- und Mittelost: Fokus Irak“, veranstaltet durch den Nah- und Mittelostverein (Numov) in der Landeshauptsstadt Dresden, um das eine Problem, das kleine und mittelständische Unternehmen stets beim Außenhandel haben: die Finanzierung.
Der sächsische Mittelstand steht im Vergleich zu anderen Bundesländern gut da. Der Staatshaushalt wird besser geführt, auch lassen sich die Wachstumszahlen sehen. Natürlich haben Gründungszahlen oder Unternehmensdichte Schon in „acht Jahren wird das Irakgeschäft bestimmt wieder Milliardenhöhe erreichen“, prognostizierte Werner Schoeltzke nach 40 Jahren Sozialismus nicht die alte Größe erreicht, zum Beispiel aus der Zeit als der Leipziger Ingenieur Heinrich August Meißner nach der Jahrhundertwende die Berlin-Bagdad-Bahn konstruierte und dafür von dem osmanischen Sultan Abdülhamid II zum Pascha ernannt wurde.
Und doch sehnen sich die Technologieunternehmen Sachsens nach neuen Absatzmärkten. Da kommt der Irak gerade recht, mit seinem Potenzial und seiner unvergleichlichen Dynamik: Schon in „acht Jahren wird das Irakgeschäft bestimmt wieder Milliardenhöhe erreichen“, prognostizierte Werner Schoeltzke, und, so setzte der Chef der Bochumer Planungsgesellschaft Entracon nach: „dieses Geschäft wird mit Sicherheit nicht von Großaufträgen geprägt sein, sondern von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die an hunderten von Projekten arbeiten.“
Für das Zustandekommen von Partnerschaften indes braucht es Zeit. Testphasen können mehrere Jahre dauern, so Schoeltzke, und manchmal brauche es für die Abwicklung zwei Sorten Mitarbeiter vor Ort. Einen Ingenieur, für die Technik. Und einen Allrounder, der sich um die Netzwerke und Kontakte kümmert.
Jedoch, um derart ins Irakgeschäft zu kommen, braucht es politische Stabilität und Ruhe. Einen sehr guten, verständlichen Abriss der Geschichte des Landes gab daher auch Paul Freiherr von Maltzahn, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bagdad. Und es braucht moderne, flexible Finanzierungs- und Vertragsmöglichkeiten. Und so war es auch dieser Punkt – auf der Tagesordnung am Nachmittag gleich durch vier Vortragende repräsentiert – der Stimmung hätte bringen können. Da jedoch die Vortragenden in stark unterschiedlichem Maße auf ihr Thema (Irak) vorbereitet schienen, und immer wieder Exkurse zum Libanon, Jemen oder Abu Dhabi einschoben, lichteten sich die Reihen am Nachmittag doch zusehends. Höhepunkt dieser Konzentrationsstörungen dürfte der letzte Vortrag gewesen sein, als der Anwalt und Steuerrechtler Björn Demuth der Stuttgarter Kanzlei CMS Hasche Sigle verkündete, er werde sich gleich auf die Vereinigten Arabischen Emirate konzentrieren.
Inhaltlicher Lichtblick war die Präsentation von Rainer Wietstock, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Der Jurist stellte ein neuartiges Werkzeug zur Absicherung von Investitionen vor, das bislang im Mittelstand so gut wie unbekannt ist und von daher auch wenig abgefragt wird. Inhaltlicher Lichtblick war die Präsentation von Rainer Wietstock, Partner bei PricewaterhouseCoopers Jeder Unternehmer also, der vorhat, im Irak zu investieren, etwa in Form einer Zementfabrik oder einer industriellen Anlage, kann diese Investition über das neuartige Instrument der Bundesregierung, verwaltet durch PricewaterhouseCoopers, in Zukunft absichern. Weil nur wenige Hausbanken mit diesem Angebot vertraut seien, projizierte Wietstock seine Telefonnummer auf die Leinwand (040/8834 9450) und versprach seinen Besuch, falls Gesprächsbedarf bestehe.
Grundsätzliche Vorraussetzung für diese Investitionsgarantie allerdings sei das unterschriebene Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und dem Irak. Bis es soweit sei, könne es noch 18 Monate dauern, antwortete Wietstock auf Nachfrage. Aber, Hoffnung machend, sagte er, in der Zwischenzeit gäbe es Umwege, auf denen eine solche Absicherung auch alternativ hinzubekommen sei.
Wietstock hatte die „Investitionsgarantien für die Nah- und Mittelostregion“ als „kleinen Bruder von EulerHermes“ vorgestellt. EulerHermes-Garantien sind über den Bund abgesicherte Risikoversicherungen für Exportgeschäfte. Für den Irak werden sie zwar angeboten. Jedoch sind sie aufgrund des niedrigen Länderratings des Iraks (Stufe 7) für Mittelständler recht teuer. Außerdem gibt es in den Anforderungen bislang einen strukturellen Dealbreaker, wie Marco Paul von EulerHermes eingestand, nämlich muss das irakische Finanzministerium eigentlich für alle Importe eine Garantie abgeben, damit wiederum EulerHermes aktiv werden könne – diese Sicherheit jedoch böten die Iraker prinzipiell nicht an.
Alle Lösungen, die EulerHermes derzeit also für den Außenhandel mit dem Irak anbietet, seien daher maßgeschneidert, so Paul, was sich für jeden Mittelständler in hohen Verwaltungsaufwand übersetzen dürfte. Aber Marco Paul machte den Unternehmern auch Mut. Die Masse der bis zu 40.000 Anträge, die Europas größter Exportversicherer jährlich bearbeitet, liege zwischen 20.000 und 50.000 Euro.
Und so bleibt auch weiterhin der wichtigste Faktor im Irakgeschäft nicht Geld, wie anzunehmen wäre, sondern Zeit. Zeit, um Finanzierungen zu sichern, Zeit, um Gespräche zu führen und Netzwerke zu knüpfen, Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, bis das wirklich große Geschäft losgehen kann.
Foto: Henrik Ahrens (WPI)











