Wirtschaftsbeziehungen: Willkommen im nächsten Level!
16.11.2010  | Lilli Oberndorfer   

Deutsche für Irak / Wirtschaft
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Beim Hamburger Wirtschaftstag Irak wurde nicht lange geschnackt. Zielorientiert packten die Referenten und Teilnehmer die praktischen Herausforderungen des Irak-Geschäfts an


Dass der Hamburger Wirtschaftstag Irak am 11. November eine Veranstaltung für Fortgeschrittene sein sollte, war schon nach wenigen Minuten klar. Im Gegensatz zu den meisten anderen Veranstaltungen dieser Art, hielten sich hielten sich die Konferenzteilnehmer und Redner nicht lange bei der Sicherheitslage auf, sondern diskutierten mit hanseatischer Gelassenheit lösungsorientiert über die Herausforderungen im Irak: Welche Standortbedingungen kann ein deutscher Unternehmer erwarten? Wie finanziert man Projekte und welche Förderungen durch die Bundesregierung gibt es? Wie sieht es mit den rechtlichen Rahmenbedingungen aus? Welche speziellen Herausforderungen gibt es in den Bereichen Export und Logistik zu beachten?

Besonders die Beantwortung der letzten Frage lag den Initiatoren des 2. Hamburger Wirtschaftstags Irak am Herzen. Zu der Veranstaltung im Gebäude der Handelskammer hatten die IHK Hamburg und der Verein Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development (EMA) in Kooperation mit der Botschaft der Republik Irak in Berlin und dem Erlanger Center for Iraq Studies insgesamt knapp hundert Personen aus Wirtschaft, Politik und Forschung geladen. „Logistik und Export sind die traditionellen Stärken der Hansestadt Hamburg und deshalb auch ein Anknüpfungspunkt für uns in der Kooperation mit dem Irak“, sagte Martin Köppen, Leiter des Amtes Internationales, Energie, Wirtschaftsförderung, Behörde für Wirtschaft und Arbeit Hamburg.

Doch so reibungslos wie im Hamburger Hafen läuft der Transport von Waren, egal ob per See- oder Landweg, nicht. „In Umm Qasr, dem einzigen Tiefseehafen des Iraks, kann die Entladung eines Containerschiffs oft sieben Tage dauern. Das sind Wartezeiten, die einem Hamburger Reeder Tränen in den Augen treiben,“ sagt Uwe Stupperich des Logistikunternehmens M.G. International Transports. Zudem ist der Hafen nicht tief genug für die ganz großen Schiffe und der Grenzübergang zum Nachbarland Kuwait noch unzureichend für zivile Warentransporte ausgebaut. Beliebtester Transportweg ist daher über die Türkei und mittlerweile auch wieder sicher über Jordanien. Trotz Hindernissen ist Stupperich zuversichtlich - improvisieren und flexibel reagieren ist schließlich das tägliche Geschäft eines Logistikers.

Doch so ganz kam selbst diese Veranstaltung nicht um das Thema Sicherheit herum. Der ehemalige Botschafter Deutschlands in Bagdad, Paul Freiherr von Maltzahn gab einen Überblick über die Sicherheitslage und den zähen Prozess der Regierungsbildung während der vergangenen acht Monate. Trotz der Gewalttaten der vergangenen Wochen war sein Fazit: „Es geht tendenziell aufwärts. Die Sicherheitslage ist merklich besser geworden.“ Der Botschafter der Republik Irak in Berlin, Hussain Alkhateeb, pflichtete ihm darin bei und erinnerte an die Fortschritte des Landes seit der Befreiung vom Saddam-Regime, unter dem auch er und seine Familie gelitten haben. Er mahnte die Deutschen zur Geduld, was den politischen Prozess im Irak betrifft. In Sachen Wirtschaftsbeziehungen kann es ihm aber gar nicht schnell genug gehen. „Who comes first, wins more“ rief Alkhateeb den deutschen Unternehmern zu, erinnerte aber gleichzeitig daran, nicht um jeden Preis Geschäfte zu machen: „Zeigen Sie korrupte Beamte bei der irakischen Integritätskommission an und lassen Sie sich nicht selbst korrumpieren.“

Nicht nur in Sachen Korruptionsbekämpfung macht der Irak Fortschritte. Klaus Hachmeier vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie lobte den Irak auch für Fortschritte im volkswirtschaftlichen Bereich, wie die Begrenzung der Inflation auf fünf Prozent und die derzeitigen Beitrittsvorbereitung des Landes in die Welthandelsorganisation, bei der deutsche Institutionen die irakische Regierung beraten.

Doch die damit einhergehende Liberalisierung und Globalisierung ist für den Irak nicht immer einfach. „Noch immer gibt es Sektoren, die von staatlichen Akteuren überproportional dominiert werden, wie das Bankensystem, wo vor allem ausländische Kreditinstitute stark unterrepräsentiert sind“, sagte Prof. Dr. Hanaa Hammood vom Center for Iraq Studies CIS Universität Erlangen. Daher gilt auch bei Gerhard Schipp von der Commerzbank der Bankensektor als Zukunftsmarkt. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit mit irakischen Korrespondenzbanken, allen voran mit der Trade Bank of Iraq (TBI), gut. Dennoch will nicht nur die Commerzbank bald eigene Filialen im Irak eröffnen.

In Sachen Finanzdienstleistungen, sagte Volker Knauth von der Euler Hermes Kreditversicherung, sei die größte Herausforderung, dass der Irak immer noch mit sieben möglichen Risiko-Punkten von Finanzinstituten als Hochrisikoland eingeschätzt wird. Nicht nur er setzt deshalb große Hoffnungen in das Investitionsschutzgesetz zwischen Deutschland und dem Irak, das in Kürze ratifiziert werden soll. Damit man im kommenden Jahr, beim 3. Hamburger Wirtschaftstag Irak, vielleicht noch weniger über Risiken reden muss.

 

Foto: Klaus Nehrke (EMA)