Deutsche für Irak / Wirtschaft
Der Irak, da waren sich die Experten beim 3. Business Forum der IHK Köln einig, wird immer mehr zu einem ganz normalen Markt. Vorausgesetzt man findet dort die richtigen Partner
Der Irak – welche Einstiegsmodelle eignen sich in diesem schwierigen Umfeld? Wo liegen Geschäftschancen für mittelständische Unternehmen? Wie beteiligt man sich erfolgreich an öffentlichen Ausschreibungen? Wie steht es mit der Sicherheit? Und wie kann man Zahlungsrisiken eindämmen? Es waren grundlegende Fragen, auf die am 1. März rund 50 Vertreter von Unternehmen und Banken Antworten suchten bei den Experten auf dem 3. Business-Forum Irak der IHK Köln. Fragen, die gerade Mittelständler zögern lassen, sich im Irak zu engagieren.
„Der Irak wird immer mehr zu einem normalen Markt“, beruhigte Felix Neugart, Nahost-Experte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, die Besucher. Die Sicherheitslage habe sich deutlich verbessert, gerade Kurdistan und der Südirak seien recht sicher. „Und deutsche Unternehmen sind im Irak willkommen. Das Potential für Geschäfte ist riesig, weil die Infrastruktur noch immer darnieder liegt.“ Rund 140 Milliarden Dollar wolle die Regierung im Zuge des jüngsten Fünf-Jahr-Planes bis 2014 in insgesamt 2700 Projekte investieren.
Angst um Leib und Leben sollte Unternehmer vor einem Engagement im Irak nicht abhalten, meinte auch Michael Müller, Associate Director bei Control Risks. „Der Irak ist kein allgemeines Krisengebiet, wo jeder gleich erschossen wird. Es gibt sichere Gebiete, etwa den Norden, wo die Lage etwa der in Bulgarien oder Mexiko entspricht.“ Im Zentralirak und in den Ölgebieten sei die Lage zwar eine andere, es gäbe durchaus noch immer Angriffe auf kleinere Fahrzeugkonvois. „Aber das heißt nicht, dass Sie auf einer Reise auch wirklich davon tangiert sind.“
Zu mehr Mut rief auch Clemens von Olfers auf, der Leiter des Deutschen Wirtschaftsbüros in Bagdad. „Sicherheit kann man organisieren, und zu teuer ist das nicht.“ Geschäftschancen bestünden nicht nur in den traditionellen Bereichen wie der Lieferung von Maschinen und Fahrzeugen. So gäbe es etwa in der metallverarbeitenden Industrie erheblichen Nachholbedarf, ebenso bei Nahrungsmittelproduzenten, der Textilindustrie. „Auch Chemie-und Pharmaunternehmen suchen nach deutschen Partnern. Aber grundsätzlich gilt: Es wird viel wertloser Krempel in den Irak exportiert, damit muss man sich als deutsches Unternehmen auseinandersetzen.“
Von Olfers warnte auch vor den Fallstricken im Irak. So könne man Verträge meist nur vor Ort durchsetzen, und auch die Korruption sei noch immer unkalkulierbar. „Aber da wird viel zuviel akzeptiert, man muss das auch ablehnen und anzeigen.“ Auch der Erfolg bei öffentlichen Ausschreibungen würde durch Interessenskonflikte der Beteiligten im Irak erschwert.
Experten und Besucher waren sich schnell einig: Ohne Hilfe durch Partner im Irak selbst sind dort kaum Geschäfte zu machen. Das Deutsche Wirtschaftsbüro könne mittlerweile jedoch konkret helfen, meinte von Olfers. „Entscheidend im Irak sind die dortigen Unternehmen selbst, und wir haben rund 40 verlässliche Firmen identifiziert, die als mögliche Partner für deutsche Unternehmen infrage kommen.“ Auch würde der Kreis bekannter vertrauenswürdiger Agenten im Irak stetig wachsen. „Wenn Sie Probleme mit der Geschäftsabwicklung haben, kontaktieren Sie uns“, forderte von Olfers die Unternehmer auf.
Gegen Alleingänge sprach sich auch Gelan Khulusi aus, der Leiter der Deutsch-Irakischen Mittelstandsvereinigung Midan e.V.. Partnersuche auf eigene Faust etwa sei eine diffizile Angelegenheit in einem Land mit verschiedenen Regionen und Religionen. „In Kurdistan kommen Sie mit einem Arabisch sprechenden Partner nicht weiter, und einen Christen können Sie nicht nach Bagdad schicken.“
Intensiv befassten sich Teilnehmer und Experten auch mit finanziellen Fragen bei Geschäften im Irak. Gelan Khulusi drängte beim traditionellen Nadelöhr Akkreditiv auf peinlich genaue Arbeit. „Jedes Wort in den Papieren muss stimmen. Schon ein Schreibfehler kann verheerend wirken. Leicht endet die Geschichte dann für Sie mit grauen Haaren.“ Zu undurchsichtig sei die Arbeit der zuständigen Institutionen im Irak.
Leichte Entwarnung gab Uwe Scholz von der UniCredit Bank in Düsseldorf. Zwar würde die Trade Bank of Iraq den Außenhandel noch immer dominieren, und deutsche Unternehmen hätten mitunter einen schweren Stand. „Aber das Akkreditiv-Geschäft ist mittlerweile Standard. Zudem gewinnen private Banken an Einfluss und dringen in dieses Geschäft ein.“ So verringere sich die Abhängigkeit zumindest leicht, was aber nicht heißen solle, künftig liefe alles glatt. „Die Kommunikation mit irakischen Banken ist noch wie vor schwierig, deshalb kommt es mitunter zu erheblichen Verzögerungen.“
Auf die Schnelle sei im Irak eben nichts zu machen, da waren sich die Referenten einig. Sich von den Herausforderungen nicht irre machen lassen, aber mit Bedacht und persönlichem Engagement vorgehen – dafür plädierte denn auch Eduard Metze vom Ingenieurbüro Vössing in Erfurt. Vössing ist seit 2004 im Nordirak aktiv, plant oder baut Fabrikhallen, Kanalisationssysteme, Trinkwasserpumpen. Mittlerweile bildet das Unternehmen kurdische Ingenieure selbst aus und steht vor dem Sprung in weitere irakische Gebiete. Er sei rund 120 Tage im Jahr selbst vor Ort, benannte Metze einen der Gründe seines Erfolgs. Sein Rat für Neueinsteiger im Irak: „Fahren Sie mit einem Kollegen hin, schauen Sie sich um. Dafür braucht man natürlich persönliches Standing, und man muss sich wirklich selbst einbringen. Aber deutsche Unternehmer sind oft einfach zu zögerlich.“
Foto: SAFIN HAMED (AFP/Getty Images)











