„Wer schnell baut, baut mehrmals“
21.06.2011  | Interview: Maral Jekta   

Deutsche für Irak / Wirtschaft
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Jan Mücke, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, hat im Irak für deutsche Wertarbeit geworben

 

WPI: Herr Mücke, Sie waren bis jetzt noch nie im Mittleren Osten. Ihr erster Trip hat sie gleich in Städte wie Bagdad und Basra geführt. Wie war der erste Eindruck?

Jan Mücke: Basra hat viel Potenzial. Zwar sind die Sicherheitsbedingungen nicht so gut wie in Erbil, aber die Einsatzmöglichkeiten für deutsche Unternehmen sind sehr vielfältig. Positiv überrascht hat mich die Region Kurdistan-Irak. Ich habe nicht damit gerechnet, dass hier bereits so viel voran getrieben wurde. Die Wirtschaft boomt.

Wie sieht es in Bagdad aus?

Bagdad ist eine Stadt, für die Sicherheit das Wichtigste ist. Das prägt das Straßenbild. Aber alle diese Sicherheitsmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass es weniger schwere Anschläge gibt. Deshalb habe ich volles Verständnis dafür. Wir haben übrigens während unseres Aufenthaltes in Bagdad auch Einkaufsstraßen gesehen, in der ganz normaler Alltag gelebt wird. Das stimmt mich insgesamt sehr hoffnungsvoll.

Was war der Anlass für die Delegationsreise?

Die Außenwirtschaftsförderung vom Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verfolgt das Ziel, das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland zu fördern und ihre Interessen politisch zu begleiten. Bis jetzt waren wir nicht im Irak präsent. Das soll sich nun ändern.

Wie sieht Ihre Unterstützung konkret aus?

Wir verstehen uns als Dienstleister für deutsche Unternehmen und setzen uns deshalb massiv für ihre Interessen im Ausland ein. Wir stellen Kontakte zu ausländischen Entscheidungsträgern her. Darüber hinaus definieren wir die Bedürfnisse der irakischen Auftraggeber. Wenn wir wissen, dass die Stadt Erbil beabsichtigt, ein Straßenbahnnetz zu bauen, sprechen wir in Deutschland Unternehmen an, die in dieser Branche tätig sind.

Plant die irakische Zentralregierung ähnliche Projekte?

Wir hatten die Chance, den Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zu treffen. Ein zentrales Thema der Gespräche war der Ausbau der irakischen Eisenbahninfrastruktur.

Die Deutsche Bahn AG war bereits 2009 an dem Wiederaufbau des irakisches Eisenbahnnetzes interessiert. Wird daran angeknüpft?

Es gibt ein Memorandum of Understanding über eine Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bahn, dem irakischen Verkehrsministerium und der irakischen Eisenbahn zu diesem Thema. Das Memorandum muss nun umgesetzt werden. Ich habe Maliki ein Schreiben überreicht, in dem die Deutsche Bahn vorschlägt, zwei Arbeitsgruppen einzurichten, in denen die Zusammenarbeit und die nächsten Arbeitsschritte definiert werden. Wir werden den Wunsch nach Zusammenarbeit auf beiden Seiten unterstützen.

Gibt es noch andere Projekte für den Aufbau der Infrastruktur, die für deutsche Unternehmen und Investoren interessant sein könnten?

Es gibt bei allen großen Projekten in diesem Bereich einen großen Bedarf an deutscher Technologie und deutschem Know-how. Gebraucht werden vor allem die planenden Berufe, also Bauingeneure, Architekten, Stadtplaner und Bauüberwachungsbüros, denn zunächst müssen die Geodaten erfasst und Masterpläne entworfen werden. Dann sind Bauunternehmen gefragt, die Spezialbauten entwerfen. Und schließlich Logistikunternehmen. Für alle diese Bereiche bietet der Irak noch viel Potenzial.

Die Zentralregierung will 37 Mrd. US-Dollar für Infrastrukturmaßnahmen bereit stellen. Reicht das?

Zwar wird über die Höhe der Summe im irakischen Parlament diskutiert. Ich bin aber der Auffassung, dass man mit dem Geld sehr viel umsetzen kann. Aber es ist wichtig, bereits bei der Planung auf Qualität und Zuverlässigkeit zu achten. Man muss sehen, was das Land braucht und dann systematisch vorangehen.

Im Irak sieht man es gern, wenn Bauvorhaben schnell und preiswert umgesetzt werden. Sind deutsche Unternehmen angesichts günstigerer Anbieter aus der Türkei überhaupt konkurrenzfähig?

Die irakische Regierung hat nach meiner Einschätzung erkannt, dass man dringende infrastrukturelle Probleme nur dann lösen kann, wenn man gut plant. Es macht keinen Sinn, irgendwo Asphalt hinzuschütten, den man in fünf Jahren erneuern muss. Wer schnell und billig baut, baut zwei oder drei Mal. Das haben auch die Iraker erkannt.

 

Foto: Maral Jekta (Wirtschaftsplattform Irak)