Abschied vom geliebten Mercedes
26.06.2012  | Alaa Waheed   

Alltag / Kolumne
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Die Nachrichten aus dem Irak sind geprägt von Meldungen über Gewalt und Terror. Die Menschen, ihr Leben und ihr Alltag verschwinden dahinter. Der Irak, das ist eine große Unbekannte. Was beschäftigt die Iraker? Worüber reden sie? Was ärgert sie? Worüber lachen sie? In unserer Kolumne "Email vom Euphrat" erzählen irakische Autoren kleine Geschichten aus ihrem Alltag. Heute: Warum Alaa Waheed schweren Herzens sein altes Auto verkaufte


Im Jahr 1989 habe ich mir einen Mercedes gekauft. Mercedes war meine absolute Lieblingsmarke. So ein Mercedes, der hob sich von allen anderen Autos im irakischen Straßenbild ab.

Dann kamen die Neunziger und der Golfkrieg, es folgten die UNO-Sanktionen. Doch der Mercedes hielt sich auf den irakischen Märkten. Die Modelle, die man im Irak fuhr, stammten allerdings noch aus der Zeit vor den Sanktionen. Die Ersatzteile, die neue und die gebrauchten, kamen aus den Nachbarländern.

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Das ging so bis zum Jahr 2003. Nach dem Regimewechsel erreichten nun auch neue Mercedes-Modelle den Irak. Wahre Mercedes-Liebhaber blieben ihrer Marke treu – auch wenn es nach und nach immer mehr andere Marken zur Auswahl gab.

Über die Jahre entwickelte sich der Mercedes weiter, seine Technologie wurde moderner. Mercedes-Fahrer bekamen dadurch immer mehr Schwierigkeiten, genauso moderne Reparaturwerkstätten zu finden, die sich bis ins Detail mit den neuen Modellen auskennen.

Wenn man heute einen einigermaßen qualifizierten KfZ-Mechaniker findet, verlangt er für die Reparatur eines Mercedes viel mehr als für die eines anderen Autos. Das gleiche Problem bei den Ersatzteilen: Meistens gibt es sie gar nicht. Und wenn, dann sind sie völlig überteuert. Die niedrige Qualität des Benzins, das man im Irak bekommt, und der schlechte Zustand der Straßen überall im Land haben außerdem zur Folge, dass Autos ständig gewartet werden müssen.

Meinen Mercedes weiter zu fahren war für mich finanziell einfach nicht mehr zu machen. Also habe ich ihn schweren Herzens gegen ein kostengünstigeres Auto eingetauscht. Nun habe ich das Problem mit den KfZ-Werkstätten nicht mehr, und Ersatzteile finde ich zu angemessenen Preisen.

Und dennoch: Sollte es eines Tages im Irak endlich echte Mercedes-Ersatzteile zum Originalpreis geben und dazu qualifizierte Reparaturwerkstätten, dann werde ich sicher wieder auf meine alte Marke umsteigen. Denn für mich ist so ein Mercedes immer noch etwas ganz besonderes.

 

Foto: Mike Drummond/Charlotte Observer/MCT via Getty Images