Politik / Diplomatie
Die prunkvolle Villa in Berlin-Dahlem soll zeigen: Der Irak ist ein prosperierendes und weltläufiges Land und ein ernstzunehmender Partner auf dem diplomatischen Parkett. Nur die neuen Nachbarn sehen das etwas anders
Die Gäste, die am 22. April zu der Eröffnung des neuen Gebäudes der irakischen Botschaft gekommen waren, staunten nicht schlecht über das prunkvolle klassizistische Gebäude im Villenviertel Berlin-Dahlem. Es ist von einer weitläufigen Gartenanlage umgeben, in der zur Zeit prächtige Magnolienbäume blühen. Innen dicke Teppiche auf feinstem Parkett, kunstvolle Deckenvertäfelungen und Stuckarbeiten, Antiquitäten auf über 1000 Quadratmetern. Mit der Wahl des Gebäudes haben die Iraker nicht nur gezeigt, dass sie wieder zurück auf dem diplomatischen Parkett sind. Sie haben damit auch demonstriert, wie wichtig ihnen die Beziehung zu Deutschland ist.
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Zur Eröffnung kamen hunderte Gäste, darunter zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur beider Länder. Der irakische Botschafter Alaa Al-Hashimy begrüßte jeden einzelnen Gast, unter ihnen der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Wolf-Ruthart Born, Repräsentanten irakischer Parteien, Vertreter des deutschen Wirtschaftsministeriums, Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos, der Generalsekretär der deutsch-arabischen Handelskammer Ghorfa Abdulaziz Al-Mikhlafi, Josef Schleicher von der Daimler AG und mehrere Botschafter; auch Militärattachés verschiedener arabischer Länder waren gekommen. Ehrengast des Abends war der irakische Außenminister Hoshyar Zebari, der aus Bagdad angereist war, um das Gebäude einzuweihen und in einem feierlichen Akt die irakische Fahne zu hissen.
Die irakischen Botschaftsvertreter waren sichtlich stolz auf ihr neues Gebäude. Drei Jahre lang haben sie nach einem geeigneten Gebäude gesucht. „Jetzt endlich haben wir das Passende gefunden,“ sagt Amir Musawy, Sprecher der irakischen Botschaft. Das bisherige Botschaftsgebäude hatte die Landesvertretung nach dem Umzug von Bonn nach Berlin im Jahr 2002 angemietet. Aber nun war die Villa in der Riemeisterstraße in Berlin-Zehlendorf zu klein geworden – und auch ein wenig in die Jahre gekommen. Der irakische Staat machte Nägel mit Köpfen und kaufte die Villa in der Pacelliallee. Die Kaufsumme ist unbekannt, sie dürfte in den zweistelligen Millionenbereich gehen. „Die Entscheidung, das Botschaftsgebäude zu kaufen und nicht zu mieten, hat mit der langfristigen strategischen Partnerschaft zu tun, die der Irak mit Deutschland anstrebt,“ sagte Amir Musawy, Pressesprecher der irakischen Botschaft.
In seiner Eröffnungsrede zeigte sich der irakische Außenminister Hoshyar Zebari sehr zufrieden mit der Entwicklung der deutsch-irakischen Partnerschaft. Auch zu anderen Staaten baue der Irak immer engere Kontakte auf. Mittlerweile gebe es bereits 86 Botschaften des Irak auf allen Kontinenten. Zebari betonte, dass sein Land immer sicherer werde und es Hoffnung auf dauerhaften Frieden und Sicherheit gebe.
Diese Botschaft war vermutlich nicht nur an deutsche Investoren und Politiker gerichtet, sondern auch an die Anlieger des Botschaftsgeländes, die ebenfalls zu den Feierlichkeiten eingeladen waren. Anders als die offiziellen Gäste deuten sie den Umzug nach Dahlem nicht in erster Linie als Zeichen gestärkter deutsch-irakischer Beziehungen, sondern begreifen ihn als Gefahr für ihr beschauliches Villenviertel. Sie befürchten Anschläge und berufen sich unter anderem auf die Geiselnahme unter Saddam Hussein im alten Botschaftsgebäude in Zehlendorf 2002.
Damals hielten Oppositionelle den früheren Botschafter fünf Stunden lang gefangen, die Geiselnahme wurde unblutig beendet. Die Anrainer in Dahlem befürchten auch, dass ihre Immobilien an Wert verlieren könnten. Einige Anwohner haben bereits Klage eingereicht. Juristisch greifen sie die Nutzung des Gebäudes als Botschaft an in einer als Wohnviertel deklarierten Gegend. Ob dieses Argument Aussicht auf Erfolg hat, ist umstritten. Schließlich zeugen die nahegelegenen Botschaften wie die der arabischen Staaten Omans und Marokkos davon, dass das Viertel schon seit langem kein reines Wohngebiet mehr ist. Außerdem hat die Berliner Bauverwaltung den Botschaftsbetrieb bereits 2008 vorläufig genehmigt. Hinzu kommt, dass das denkmalgeschützte Gebäude, das 1925 für den Textilfabrikanten und Kunstsammler Richard Semmler erbaut und 1998 renoviert wurde, jahrzehntelang nicht als Wohnhaus genutzt wurde. Zuletzt war es Firmensitz des dubiosen Finanzunternehmens Göttinger Gruppe, die 2007 Insolvenz anmelden musste. Bis der Rechtsstreit geklärt ist, bleibt ungewiss, wie der irakische Staat dieses Gebäude nutzen darf: ob lediglich als Herberge für hohen Besuch oder tatsächlich als offizielle Botschaft.
Ganz sicher Abschied nehmen muss der Irak von einer Schlüsselfigur der deutsch-irakischen Beziehungen: Die Amtszeit des Botschafters Alaa Abdul Majid Hussein Al-Hashimy (57), der seit August 2004 die irakische Landesvertretung in Deutschland führt, geht zu Ende. In spätestens drei Monaten wird er in den Irak zurückkehren. Wer der neue Botschafter wird, ist noch nicht bekannt. Auf jeden Fall wird Al-Hashimy, der seit 1980 in Deutschland lebt und auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, als überzeugter und überzeugender Vermittler zwischen beiden Ländern in Erinnerung bleiben.
Al-Hashimy blickte in seiner Rede auf die seit den dreißiger Jahren gewachsene Beziehung zwischen Deutschland und dem Irak zurück. Besonders bedankte er sich für die Unterstützung Deutschlands nach 2003, vor allem auch für den Wissenstransfer im zivilen Bereich. Al-Hashimy wird noch nicht von der politischen Bühne abtreten. Er wird eine Aufgabe im Bagdader Außenministerium übernehmen und sich dort weiter für die deutsch-irakische Freundschaft einsetzen.
Fotos: Juliette Moarbes (9) (WPI)











