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Händeschütteln, Reden hören, Gespräche führen: Beim ersten „Iraq Investment and Business Forum“ in Berlin lief eigentlich alles wie geplant. Wären da nicht diese kleinen Problemchen
Am Freitagmorgen gab es für einen Moment lang aufgrund technischer Probleme keine Simultanübersetzung. Am Donnerstag überzog das Panel, das sich mit dem Zustand des irakischen Gesundheitswesens auseinandersetzte, die Zeit um ein paar Minuten. Und wer wollte, konnte sich im Foyer des Berliner Ritz Carlton vom Kreischen der Fans von Tokio Hotel, die draußen vor der Tür auf ihre Idole warteten, gestört fühlen.
Das war es dann aber auch schon mit den kleineren und größeren Unstimmigkeiten, die eine Veranstaltung wie das erste „Iraq Investment and Business Forum“ mit sich bringen kann. Kurz: In Berlin lief alles so, wie es sich die Veranstalter von der Ghorfa, dem Arab-German Chamber of Commerce and Industry, vorgestellt hatten. Unter der Schirmherrschaft des irakischen Ministerpräsidenten der Republik Irak, S.E. Nouri Al-Maliki, diskutierten im ersten Stock des Ritz Carlton Vertreter der irakischen Regierung mit deutschen Unternehmern alle für den Aufbau des Irak relevanten Themen: von Industrie und Privatisierung, über Gesundheitswesen und Bildung bis hin zu Transport und Logistik.
Zwar dürften die rund 450 Teilnehmer bei den insgesamt neun Podiumsdiskussionen nicht viel Neues erfahren haben, aber darum ging es ja auch nur am Rande. „Ich bin hier um Kontakte zu pflegen und alte Freunde wiederzusehen“, sagte der Innenminister a.D. Otto Schily stellvertretend für viele. Die attraktivsten Investitionsvorhaben als PDFKaum hatten die Vertreter der irakischen Investitionsbehörde ihre CD-ROM ausgelegt, da war sie auch schon vergriffen. Kein anderes Produkt erfreute sich auf der Konferenz solcher Beliebtheit. Aufgrund der großen Nachfrage stellt WPI das wichtigste Dokument auf der CD kostenlos zur Verfügung: hier downloaden. Und so war an den zwei Tagen der Vorraum des Auditoriums stets mindestens genauso gut besucht wie die Veranstaltungen selbst. Dabei war das, was drinnen auf dem Podium besprochen wurde, nicht gänzlich ohne Belang. Denn drinnen wurde gute Stimmung gemacht, sendeten die Redner positive Signal en masse: „Es ehrt uns, dass uns der Irak als Wunschpartner sieht,“ sagte der neue Minister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle und sprach davon, dass Wohlstand Frieden schaffe und dass er selbst „möglichst früh“ in den Irak reisen werde. Der irakische Minister für Industrie und Bodenschätze, Fawzi Al-Hariri, vernahm das mit Wohlwollen, sagte seinerseits: „Der Irak steht neuen Geschäften offen gegenüber“ und bekräftigte, dass das Forum eine gute Basis für zukünftige deutsch-irakische Geschäfte lege. Das sah auch der Gouverneur der Provinz Diyala, Forat Mohammed Abed, so und pries seine Provinz als die Blüte des Irak, deren Knospe nur darauf warte von deutschen Unternehmern bestäubt zu werden. Auf Geschäftsdeutsch: Da geht was!
Entwurf zur Änderung des InvestitionsgesetzesDownload: „Investment Law 13, First Amendment“ (englisch) als PDFDownload: „Investment Law 13, First Amendment“ (arabisch) als PDF
Aber dass im Irak was geht, war und ist für die deutschen Teilnehmer an dem Forum nichts Neues. Egal ob Hersteller für Wasserwerfer oder Inneneinrichter von Turnhallen – alle wissen über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes mit den drittgrößten Erdölreserven der Welt. „Die Tatsache, dass 300 Vertreter deutscher Top-Unternehmen und 150 Iraker in Berlin waren, spricht für ein starkes Interesse Deutschlands am Irak und der Iraker an Deutschland. Außerdem war die Rede von Minister Brüderle ein überaus positives Signal der deutschen Regierung. Schließlich war der Auftritt ja quasi seine erste Amtshandlung,“ sagte der Generalsekretär der Ghorfa, Abdulaziz Al-Mikhlafi. Er versprach für die Zukunft noch mehr deutsch-irakische Wirtschaftsveranstaltungen: „Im kommenden Jahr wird es Delegationsreisen nach Bagdad geben und für die zweite Jahreshälfte planen wir eine „Made-in-Germany-Messe“ in Bagdad.“
Deutschland, hatte Rainer Brüderle noch gesagt, wolle die Erwartungen der Iraker erfüllen. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn gerade in puncto Probleme gibt es doch noch ein kleines Problem. „Wir Deutschen“, sagte der Rechtsanwalt Florian Amereller bei der Veranstaltung, „lieben Probleme. Deswegen können wir gar nicht genug davon haben, um über sie zu reden und vielleicht irgendwann mal zu lösen. Die Iraker hingegen hassen Probleme. Sie reden nie darüber und lösen sie bestenfalls einfach so.“ Aber im Berliner Ritz Carlton war das eh kein Problem. Es gab ja auch fast keins.
Foto: Henrik Ahrens (WPI)











