Handeln & Investieren: Nach Bagdad über Istanbul
18.01.2010  | Administrator   

Investieren / Meldung
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Die Türkei etabliert sich als wichtigster Partner für Handel und Wiederaufbau im Irak. Deutsche Unternehmen können von der enormen Präsenz der Türken im Zweistromland nur profitieren


Man nennt ihn auch den „Kissinger aus Konya“. Zuletzt hatte Außenminister Guido Westerwelle Gelegenheit, sich bei seinem Besuch in Ankara vom Vordenker der neuen osmanischen Omnipräsenz, seinem türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu, aus erster Hand das Konzept der „strategischen Tiefe“ erläutern zu lassen: Wie eine Nation mit Ruhe, Kraft und Weitsicht die gesamte Region beruhigt.

Die Stärke der türkischen Außenpolitik ist zur Zeit in aller Munde. Vielen westlichen Politikern wird klar, dass Ankara längst nicht mehr nur auf Brüssel starrt und gebannt die Perspektiven für eine EU-Mitgliedschaft auswertet. Die Europäer begreifen, welchen Einfluss die Türkei auf ihre südlichen Nachbarn im Nahen und Mittleren Osten ausüben will – und zum Teil auch kann.

Kontakt nach IstanbulDeutsche Unternehmer, die mehr über deutsch-türkisches Kooperations-Möglichkeiten im Irak erfahren wollen, können sich an die Deutsch-türkische Industrie und Handelskammer AHK Istanbul wenden.
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Die Türkei spricht mit dem Iran, dem Regime im Jemen; vermittelt zwischen Syrien und Israel, weist gleichzeitig israelische Diplomaten in die Schranken, sammelt dadurch Punkte bei arabischen Partnerstaaten. Das NATO-Land Türkei entwickelt sich zum Schlüsselstaat für die Stabilisierung der Region.

Insbesondere im Irak spielt Ankara eine wichtige – und überwiegend positive Rolle. Die Regierung der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) ist darum bemüht, das innenpolitische Problem der Kurden im Südosten konstruktiv zu lösen und will deshalb auch die Beziehungen zur kurdischen Regionalregierung in Arbil deutlich verbessern. Ankara will sogar ein Generalkonsulat in Arbil eröffnen – und wird damit einen kurdischen Staat offiziell anerkennen.

Auch gegenüber Bagdad zeigt sich die türkische Regierung positiv engagiert. Im Oktober 2009 reiste Ministerpräsident Erdogan mit dem halben Kabinett in die Hauptstadt, um mehr als 40 Abkommen und Verträge mit der irakischen Regierung zu unterzeichnen. Der neue türkische Botschafter in Bagdad, Murat Özcelik, ist als früherer Das NATO-Land Türkei entwickelt sich zum Schlüsselstaat für die Stabilisierung der Region. Irak-Beauftragter der türkischen Regierung ein ausgewiesener Experte, seine Stimme hat Gewicht.

Auch wenn bis heute die Zeit der osmanischen Vorherrschaft gemischte Gefühle bei vielen Irakern hervorruft, sieht mancher in Bagdad das Entgegenkommen der türkischen Seite wohlwollender denn je angesichts der immer noch sehr zurückhaltenden und skeptischen Haltung vieler sunnitisch-arabischer „Brudervölker“. Saudi-Arabien zum Beispiel hat bis heute keinen Botschafter nach Bagdad entsandt. Die Türkei dagegen ist präsent im gesamten Irak: Konsulate in Basra und sogar in der immer noch gefährlichen Stadt Mosul deuten auf umfassende politische Interessen. Dazu gehören auch wirtschaftliche Ambitionen.

Nahezu 1.000 türkische Unternehmen sind im Land mit vielen tausenden Mitarbeitern aktiv. Insbesondere im kurdischen Norden des Landes ragen unzählige Baukräne türkischer Unternehmen in den Himmel, auf fast jeder Baustelle wird türkisch gesprochen. Das Handelsvolumen zwischen Türkei und dem Irak Länder beträgt mittlerweile fünf Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend.

Diese Dynamik könnte auch für deutsche Unternehmen, die ein Engagement im Irak erwägen, von Interesse sein. Die türkische Regierung und Unternehmensverbände werben offen für gemeinsame Projekte im Irak. Im Dezember 2009 luden die deutsch-türkische Außenhandelskammer Istanbul gemeinsam mit dem türkischen Außenhandelsverband DEIK deutsche und türkische Unternehmen und Verbandsvertreter zu einem Workshop an den Bosporus. Mit dabei waren auch die irakischen Minister für Verkehr und Elektrizität – zwei von vielen Bereichen, in denen große Infrastrukturprojekte anstehen.

Die rund 150 Teilnehmer des Workshops merkten schnell, welches Potential sich hier bietet. Denn oftmals stellt sich für deutsches Know-how und Hochtechnologie die schier unüberwindliche Frage, wie die eigenen Produkte im Irak aufgebaut und an den Mann gebracht werden können. Sicherheit ist für deutsche Unternehmer immer noch die Sorge Nr. 1.

Nicht so für türkische Unternehmer. Eine Umfrage unter türkischen Unternehmern, die im Irak aktiv sind, ergab, dass für diese die Sicherheitsfrage nur an 6. Stelle steht. So könnten deutsch-türkische Joint Ventures eine Win-Win-Situation für alle Seiten bedeuten. Mancher Unternehmer sprach am Rande des Workshops denn auch schon davon, dass man sich nächstes Jahr in Bagdad treffen will.

 

Foto: David Boyer (National Geographic/Getty Images)