Deutsche für Irak / Irak Horizonte 2015
Vergangene Woche sind 18 junge irakische Fachkräfte im Rahmen des Projekts „Irak-Horizonte 2015: Heute säen, morgen ernten“ für zehn Wochen nach Deutschland gekommen. Sie werden hier Deutsch lernen und in deutschen Unternehmen hospitieren. Und so dazu beitragen, die deutsch-irakischen Beziehungen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken
„Irak-Horizonte“ ist eine Gemeinschaftsinitiative des Auswärtigen Amts, des Goethe-Instituts, des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) mit dem Ziel, die deutsch-irakischen Wirtschaftsbeziehungen und den interkulturellen Austausch durch die Förderung junger irakischer Fachkräfte zu stärken. Die Teilnehmer können Deutsch lernen, Deutschland kennen lernen und in einem deutschen Unternehmen hospitieren. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal realisiert. Die Resonanz war so positiv, dass in diesem Jahr erneut eine Gruppe junger irakischer Fachkräfte nach Deutschland kommt.
Den ersten knapp vierwöchigen Sprachkurs erhielten die Teilnehmer bereits am Goethe-Institut in der nordirakischen Provinzhauptstadt Erbil von Mitte August bis Anfang September. Nun steht der zweite Sprachkurs vom 15. September bis 15. Oktober am Goethe-Institut in Schwäbisch Hall an. Dann werden sich die Gruppenteilnehmer für eine sechswöchige Hospitation in Unternehmen über ganz Deutschland verteilen.
Informationen für Unternehmer+ wp-irak.de/horizonte
+ Download: Interessenbekundung
Kontaktadressen für deutsche Unternehmer:
DIHK, Felix Neugart & Angelika Rahmer
+49 (0)30 20308 2307
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BDI, Philip Schöpfle
+49 (0)30 2028 1602
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Die Stipendiaten kommen aus allen Landesteilen: Erbil, Nadschaf, Bagdad, Babil, um nur einige zu nennen. Sie sind hauptsächlich Ingenieure, arbeiten in privaten oder staatlichen Unternehmen. Sie sind Schiiten, Sunniten, Kurden, Christen, doch das spielt keine Rolle. Sie verbindet, dass sie Englisch sprechen, hochqualifiziert, kommunikativ, motiviert und nicht älter als 35 Jahre sind, in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, von ihrem Arbeitgeber geschätzt und unterstützt werden. Und außerdem verbindet sie ihr Wunsch und der ihrer Arbeitgeber, Deutschland kennen zu lernen, die Sprache zu lernen und enger mit deutschen Unternehmen zusammen zu arbeiten.
Viele kennen deutsche Produkte, Maschinen und deutsches Know-How von früher, meistens aus Erzählungen, als Deutschland in den 80er Jahren noch der wichtigste Handelspartner des Iraks war. Für sie muss sich das wie ein Märchen anhören. Die Gemeinschaftsinitiative Irak-Horizonte soll dazu beitragen, die wirtschaftliche und kulturelle Kooperation aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. In der ersten Projektphase in Erbil stand dem umfassenden Anspruch des Programms entsprechend nicht nur die Sprache auf dem Programm: Gemeinsame Ausflüge, Besuche bei Filialen deutscher Unternehmer und dem deutschen Generalkonsulat in Erbil weckten ein Gemeinschaftsgefühl - genauso wie das Essen im Restaurant „Zum Deutschen Hof“ in Erbil, die Vorführungen deutscher Filme und das Fußballspiel gegen ein Team der deutschen Organisation AGEF (Arbeitsgruppe Entwicklung und Fachkräfte im Bereich der Migration und der Entwicklungszusammenarbeit e.V.). Die Teilnehmer konnten auch erste Eindrücke von deutscher Kultur gewinnen. Und das weckte Lust auf mehr.
„Die deutsche Sprache ist sehr schwer zu erlernen. Hier im Irak hört man Deutsch nur selten. Das macht den Sprachkurs zu einem außergewöhnlichen Abenteuer“, sagt der 31-jährige Ingenieur Ihsan Al-Mu'min aus Nadschaf. Er arbeitet für das Gesundheitsministerium als Manager für Bauprojekte im Gesundheitsbereich. Er wird bei der in Chemnitz ansässigen Planungsgesellschaft Iproplan im Anschluss an den Sprachkurs für sechs Wochen hospitieren.
Nicht für alle ist der Kontakt zu Europa etwas ganz Neues. Unter den Teilnehmern ist der in Babil geborene Omar Al-Hussein. Der 26-jährige erhielt von der irakischen Regierung nach seinem Grundstudium ein Stipendium für ein Masterstudium in England. Er arbeitet seit vier Jahren im Telekommunikationsministerium und wurde vom Minister persönlich für die Teilnahme am Irak-Horizonte-Programm empfohlen. „Als Ingenieur ist es nötig, so viel Arbeitserfahrung wie möglich zu sammeln, um erfolgreich zu sein. Es ist aber wichtig, sich nicht nur im technischen Bereich fortzubilden, sondern auch zu erfahren, wie Geschäftspartner aus anderen Ländern denken. Das Horizonte-Programm bietet mir beides – und deshalb freue ich mich schon sehr auf meinen Aufenthalt in Deutschland.”
Die Vorfreude auf die Zeit in Deutschland ist auch bei Lana Yako groß. Die 24-jährige Bauingenieurin aus Dohuk in der Provinz Kurdistan-Irak sieht das Programm nicht nur als perfektes Sprungbrett für ihre persönliche berufliche Zukunft. Sie glaubt auch, dass das Programm einen wichtigen Beitrag zur Revitaliserung der deutsch-irakischen Beziehungen leistet. Sie hätte sich gewünscht, im Vorfeld noch mehr über die deutsche Kultur und Lebensweise zu erfahren. Dazu wird sie in den kommenden Wochen noch viele Möglichkeiten haben. Denn auch während des Aufenthalts in Schwäbisch Hall steht nicht nur der Sprachkurs auf dem Programm. Ein klassisches Konzert ist dabei, das Bundesligaspiels des VfB Stuttgarts gegen Eintracht Frankfurt, Besichtigungen verschiedener Unternehmen der Region. Doch was wären Märchen ohne Träume? Auch das Porsche-Museum wird besichtigt.
Foto: Henrik Ahrens (Wirtschaftsplattform Irak)











