
Project Near East ist eine der größten Irak-Messen im Nahen Osten. 400 Unternehmen strömten im Frühjahr 2009 in die jordanische Hauptstadt. Ganz vorne dabei sind deutsche Firmen. Jedoch: Besucher aus dem Irak sind Mangelware
Der Widerhall der eigenen Schritte ist kaum zu überhören. Die grauen, mit Teppichboden bezogenen Gänge: leer. Gleißendes Neonlicht durchflutet die verlassenen Hallen. Lediglich in einer Ecke, hin und wieder Gemurmel und Raunen. Geschäftsleute mit gepflegtem Oberlippenbart und schwarzem, gegeltem Haar treten ungeduldig hinter Stehtischen von einem Bein auf das andere. Journalisten gruppieren sich in kleinen Menschentrauben um ein Rednerpult. Europäische Diplomaten rücken ihre Krawatten in Form. Es ist Montag. Im Mai. Kurz vor 12 Uhr. Messeeröffnung in Amman.
Messeauftakt mit neuem Konzept
Die letzten Vorbereitungen laufen. Dann endlich tritt der jordanische Staatsminister Salem Al-Khazaaly vor die Presse und begrüßt in einer offiziellen Ansprache die ausländischen Gäste und Medienvertreter in der Hauptstadt des Königreichs Jordanien. Der Startschuss ist gefallen, die Messe Project Near East 2009 eröffnet. Vier Tage lang werden knapp 400 Unternehmen aus Europa, der arabischen Welt und Asien auf 25.000 Quadratmetern Ausstellerfläche ihre aktuellen Technologien und Maschinen aus Bereichen wie Textilverarbeitung, Bauwesen, Elektrotechnik oder Stromerzeugung bewerben. Fünf Mal war die Messe in Jordanien bereits Anziehungspunkt für tausende potentielle Kunden aus dem Nahen Osten. Die letzten Jahre firmierte die Ausstellung noch unter dem Namen „Rebuild Iraq“ und lockte in erster Linie Investoren aus dem irakischen Nachbarland nach Amman. Das Novum in diesem Jahr: Neben dem Irak sollen auch die Märkte in Jordanien, Syrien und den Palästinensischen Autonomiegebieten erschlossen werden, um die Messe in einen der wichtigsten Treffpunkte im Nahen Osten zu verwandeln. Nachdem das Geschäft im letzten Jahr aufgrund rückläufiger Besucherzahlen zunehmend schleppend verlief, entschieden sich die Messeorganisatoren zu diesem Expansionsschritt.
Die Ziele sind hoch gesteckt. Von Kauflaune ist wenig zu spüren. Mit dem Ende der Eröffnungszeremonie kehrt wieder Stille in die großen Messehallen. Das Gedränge lichtet sich. Zurück bleibt der graue Teppichboden. Lediglich Hamad Khalil, Geschäftsführer des Ausstellerdienstes International Fairs Promotion (IFP) in Jordanien, hetzt mit einer Gruppe ausländischer Investoren zwischen den Messeständen hindurch. Das internationale Unternehmen IFP mit Sitz in Beirut ist der Ausstellungsveranstalter und feilscht dieses Jahr ganz besonders um die Kundschaft. Das Damoklesschwert der Wirtschaftskrise hängt auch über dem Messegelände in Amman. Hamad Khalil gibt sich seinen Gästen gegenüber dennoch betont optimistisch: „Diese Veranstaltung ist eine reine Handelsmesse, keine öffentliche Messe. Deshalb haben wir natürlich weniger Besucher als bei anderen Ausstellungen. Hier geht es um die Qualität und nicht die Quantität der Kontakte. Handelsmessen sind der Türöffner zu Geschäftsbeziehungen.“
Bedenken aus dem deutschen Pavillon
An anderer Stelle macht sich Skepsis breit. Im deutschen Pavillon herrscht zum Messestart gähnende Leere. Sechzehn Firmen aus Deutschland, unter anderem die Herrenknecht AG, WAN sowie Rekers Maschinen- und Anlagenbau sind dieses Jahr auf der Messe vertreten. Mehrere Stunden ist die Eröffnung nun schon her. Nichts passiert. Kaffee wird zum besten Freund.
Am Stand der Firma Elba Maschinen GmbH lehnt Alois Peier, der Nahostbeauftragte des Unternehmens aus Ettlingen, an einem kleinen Stehpult und blättert im firmeneigenen Prospekt: „Bisher sieht es ziemlich mau aus. Auch letztes Jahr war kaum was los.“ Die Zeit vergeht, kein Kunde in Sicht. Dann kommt endlich etwas Bewegung ins Spiel: Eine Gruppe Iraker besucht den Stand und hinterlegt einen Stapel Visitenkarten. Alois Peier und sein Kollege lächeln sich zufrieden an. Insbesondere Besucher aus dem Irak fehlen dieses Jahr auf dem Messeterrain. Die jordanische Regierung verweigert zunehmend irakischen Staatsbürgern die Einreise in das kleine Königreich. Die Angst vor weiteren Kriegsflüchtlingen aus dem Nachbarland ist noch lange nicht gebannt.
Messeorganisator Hamad Khalil relativiert: „Zurzeit befinden sich rund 50.000 irakische Geschäftsleute und Investoren in Jordanien. Außerdem arbeitet IFP eng mit dem irakischen Wirtschaftsrat und der Vereinigung irakischer Geschäftsleute zusammen. Dank deren Hilfe können wir trotz allen bürokratischen Hürden jede Menge Iraker nach Jordanien locken. Die Deutschen sollten bei Geschäften mit dem Irak nicht so zögerlich sein.“ Khalil schlendert mit einer Gruppe aus Bagdad durch die Stände im italienischen Pavillon. Auf einem Plan erklärt er den Besuchern den Aufbau der Messehallen und weist seinen Gästen den Weg zu den britischen Ausstellern. Europäisches Know how ist im Irak sehr begehrt, Deutschland vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Hoch- und Tiefbau sowie Stromversorgung ein gefragter Partner.
Made in Germany als echter Exportschlager
Laut Hamad Khalil wollen die irakischen Delegationen deshalb jedes Jahr auch immer dem deutschen Pavillon einen Besuch abstatten. Für 2010 wünscht er sich noch mehr Firmen aus Deutschland auf der Messe: „Es wäre schön, wenn die Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen kämen. Im Moment liegt der Schwerpunkt noch zu sehr auf Maschinenbau. Aber Deutschland ist auch Weltspitze in regenerativen Energien und Umweltschutz. Gerade hier sollten deutsche Firmen im Irak zuschlagen. Das Land wird einer der großen Zukunftsmärkte in der Region sein.“ Hamad Khalils Handy klingelt. Soeben ist eine weitere ranghohe Wirtschaftsdelegation eingetroffen. Er verabschiedet sich höflich in arabischer Manier und eilt zum nächsten Termin. Sobald er weg ist, leeren sich auch wieder die Gänge. Doch im deutschen Pavillon leuchtet der Teppichboden in einem hoffnungsvollen Blauton.












