Am 1. November beginnt zum 36. Mal die Baghdad International Fair. Die Messe lockt die Aussteller mit der Aussicht auf märchenhafte Aufträge. Aber lohnt sich das Abenteuer Bagdad nach den jüngsten Anschlägen wirklich?
Sami al-Attroshi, Abgeordneter der Islamic Union of Kurdistan, ist sich sicher, dass die irakische Regierung in naher Zukunft keine neuen Investoren ins Land locken wird. „Es ist allgemein bekannt, dass Kapital feige ist“, sagte Al-Attroshi der irakischen Nachrichtenagentur Aswat al-Iraq nach der Anschlagsserie in Bagdad. „Investoren scheuen ein riskantes und gestörtes Umfeld.“
Es gibt aber auch Firmen, die bei der bloßen Nennung des Wortes Bagdad nicht sofort Reißaus nehmen. Das liegt zum einen daran, dass diese Unternehmen über ein ausgezeichnetes Netzwerk mit lokalen Mitarbeitern im Irak verfügen, die sie etwa auf einer Messe repräsentieren können. Zum anderen ist diesen Firmen bewusst, welche Chancen sich ihnen mit einem Messestand auf der Baghdad International Fair auftun können. Nather Ali Ali, der Pressesprecher des Ausstellerdienstes Al-Imad Group, bestätigt das: „Natürlich ist Kurdistan bei weitem sicherer als der Zentralirak. Vor allem Arbil ist bei Messeausstellern unheimlich beliebt. Wer aber das große Geld machen will, für den führt kein Weg an Bagdad vorbei.“
Mehr als 50 Jahre Tradition
Die Messe Baghdad International Fair existiert schon seit dem Jahr 1956 und wird jährlich vom irakischen Handelsministerium organisiert. 6.000 Quadratmeter Fläche stehen den Ausstellern dieses Jahr zehn Tage lang zur Verfügung. Da es sich um eine allgemeine Messe handelt, sind dort Firmen aus allen Bereichen vertreten, unter anderem Maschinenbau, Landwirtschaft und Werkzeugtechnik.
36. Baghdad International Fair
Anmeldeformulare:Pressemitteilung Handelsministerium (englisch)Messebroschüre (englisch)Teilnahmevertrag (englisch)Teilnehmerformular (englisch)Visaantrag und Hotelbuchung (englisch)Antrag auf Messeführer (englisch)Antrag auf zusätzliche Dienstleistungen (englisch)Antrag auf Materialeinfuhr (arabisch)Frachtformular (englisch)Fernteilnahme Formular 1 (englisch)Fernteilnahme Formular 2 (englisch)Fernteilnahme Formular 3 (englisch)Fernteilnahme Formular 4 (englisch)
Dass sich die Messe Baghdad International Fair nennt, mutet zunächst wie ein Relikt aus vergangen Jahrzehnten an, als Bagdad tatsächlichen noch ein internationales Handelszentrum im Nahen Osten war. Die Messeorganisatoren bietet den Ausstellern fast alles, nur eben nichts, was auch nur annähernd die Bezeichnung „international“ verdient. Eine Website zur Messe: Fehlanzeige. Die Online-Informationen des Ausstellerdienstes: auf Arabisch. Die Mitarbeiter am Telefon: können keine Auskünfte geben. Ohne die Unterstützung eines Ortskundigen besteht also kaum eine Chance, die bürokratischen Mühlen einer ordnungsgemäßen Messeregistrierung zu überwinden. Dass sich der Aufwand lohnt, beweisen die Zahlen des vergangenen Jahres: 340 Austeller aus 18 Ländern lockten damals 140.000 Besucher an, darunter auch viele offizielle Delegationen und internationales Botschaftspersonal.
Nather Ali Ali von der Al-Imad Group weiß, warum: „In Bagdad lassen sich die richtig großen Fische an Land ziehen. Hier sitzt die irakische Regierung mit ihren Ministerien. Allein das Industrieministerium verfügt über 78 staatliche Firmen, die alle rundum erneuert werden müssen.“ Das spricht gegen andere Standorte, wie zum Beispiel der jordanischen Hauptstadt Amman [WPI berichtete] oder dem kurdischen Arbil [WPI berichtete]: „Erst kürzlich haben wir eine Italien-Messe in Arbil veranstaltet. Die Italiener gingen etwas enttäuscht nach Hause. Ihre Erwartungen haben sich nicht erfüllt. In Bagdad sitzen einfach größere Privatunternehmen als in Kurdistan.“
Standortvorteil Bagdad
Dass es sich lohnt, auch in anderen irakischen Provinzen auf Messen einen Stand aufzubauen, will Nather Ali Ali gar nicht abstreiten: „Im Januar 2009 fanden im Irak regionale Wahlen statt. Die Haushaltskassen in den Provinzen sind so kurz nach den Wahlen gut gefüllt, auch um ausländische Investoren zu bezahlen.“
In Bagdad hingegen steuert man auf das Ende der aktuellen Legislaturperiode zu. Die Parlamentswahlen wurden für Januar 2010 anberaumt, mit der Chance auf zeitliche Verzögerungen. Die Kassen der Ministerien sind mittlerweile fast leer. Angst vor einem Besuchermangel auf der Baghdad International Fair brauche man laut Nather Ali Ali aber trotzdem nicht zu haben: „Bagdad hat einen entscheidenden Standortvorteil gegenüber allen anderen Provinzen. Auf unsere Messe kommen Firmen aus allen Teilen des Landes. In Nadschaf hingegen wird man auf einer Messe hauptsächlich Firmen aus der Provinz antreffen. Und nach Arbil wollen zwar alle kommen, aber die Kurden lassen nicht jeden rein, aus Angst vor Terroranschlägen.“
Den Deutschen eilt ihr Ruf in Bagdad einmal mehr voraus. Von Firmen aus Deutschland erwarten sich die Iraker große Unterstützung: „Vor allem die Bereiche Technik und Industrie sind die Stärken der Deutschen. Ihre Produkte zählen zu den besten der Welt“, sagt Nather Ali Ali. Dass man sich bei der Al-Imad Group mit dem internationalen Publikum noch etwas schwer tut, ist trotzdem kein Geheimnis: „Die Firma Bayer ist dieses Jahr auf der Messe dabei. Und dann auch noch ein paar andere deutsche Unternehmen. Die Namen sind mir aber leider gerade entfallen.“
Foto: Baghdad International Fair, State company for Iraqi Fairs (Found at http://www.iraqifairs.com/mot.htm)











