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Keine andere europäische Nation ist auf der Internationalen Messe in Arbil präsenter: Über 50 Firmen aus Deutschland stellen dort vom 12. bis 15. Oktober aus. Im vergangenen Jahr waren es nur zwei. Die Hintergründe über die neue Begeisterung für den Irak
Die deutsche Zurückhaltung in Sachen Irak beginnt ganz offensichtlich zu bröckeln: Zur fünften Erbil International Fair werden über 50 deutsche Aussteller aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Metallbearbeitung, Energie, Pharmazeutik und Logistik erwartet. Neben Großkonzernen wie Bayer, Babcock Borsig und Siemens sind meist mittelständische Unternehmen vertreten. Einige von ihnen haben schon in den siebziger und achtziger Jahren Geschäfte mit dem Irak gemacht und wollen jetzt wieder an alte Erfolge anknüpfen. Andere sind hingegen Newcomer auf dem irakischen Markt und erhoffen sich gewinnbringende Geschäfte.
Sabine Ristau von der Messe Stuttgart und zuständig für die Aussteller des deutschen Pavillons in Arbil ist jedenfalls zufrieden: „Dieses Jahr haben wir 42 Aussteller und Unterausstellern im deutschen Pavillon. Mit den Firmen, die unabhängig ausstellen, liegt die Teilnehmerzahl bei über 50. Das übertrifft unsere Erwartungen bei weitem.“ Auch Carsten Prehn, Projektleiter bei Planetfair aus Hamburg, der deutschen Vertretung des irakischen Messeveranstalters, war vom starken Interesse überrascht: „Im vergangenen Jahr gab es in Arbil nur zwei deutsche Aussteller. Und auch in diesem Jahr haben wir lediglich mit 20 bis 25 Interessenten gerechnet.“
Dabei bietet der Messestandort Arbil von je her Vorteile für Aussteller und Interessenten: Arbil gilt als sicher und ist für die irakischen Interessenten wesentlich besser zu erreichen als Jordanien oder die Türkei. Die weiten Anreisewege und bürokratische Hürden bei der Beschaffung von Visa fallen weg. Auch für die Aussteller aus dem Ausland ist die Einreise unkompliziert, wie Prehn erklärt: „Man kann als Deutscher an der Grenze ein 10-Tage Visum erhalten, ohne vorher eines beantragen zu müssen.“
Pavillon unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums
Die Rahmenbedingungen sind allerdings nur ein Grund für den plötzlichen Ansturm der Deutschen auf die Messe. Sabine Ristau erklärt ihn sich auch mit der diesjährigen Förderung durch das Ministerium für Wirtschaft und Technologie. „Es wirkt sich positiv aus, wenn die Organisation in deutscher Hand liegt und auch die Politik Unterstützung leistet.“ Die Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums für den deutschen Pavillon hat ein positives Signal an die Unternehmer gegeben. Außerdem lag die Organisation des Pavillons, der erstmals von der Messe Stuttgart betreut wird, in deutscher Hand. Das schafft Vertrauen, besonders bei Neu- oder Wiedereinsteigern. Das meint auch Carsten Prehn: „Schätzungsweise ein Drittel hat eher wenig Erfahrung mit dem irakischen Markt und will jetzt in der Wirtschaftskrise neue zukunftsträchtige Märkte erschließen.“
Viele Unternehmen hoffen, den Wiedereinstieg auf den irakischen Markt über Kurdistan zu schaffen. Allerdings müssen sie sich auf völlig neue Rahmenbedingungen einstellen.
„Vor allem Newcomer erhoffen sich gute Geschäfte"Das musste auch Claudius Dittrich erfahren, Gebietsbetriebsleiter bei Keller HCW, einem Hersteller und Betreiber von schlüsselfertigen Ziegeleien: „Irak ist das klassische Zieglerland. Die ältesten Zeugnisse von Ziegelbauten stammen von den Babyloniern und sind über 5000 Jahre alt. Bis Anfang der achtziger Jahre haben wir viele Ziegeleien in den Irak geliefert. Damals war der Staat der einzige Ansprechpartner, in unserem Fall das Industrieministerium und das zugehörige Staatsunternehmen. Heute ist der Markt unübersichtlich geworden. Es gibt jetzt auch private Akteure und Investoren auf dem Markt.“ Dittrich erhofft sich von der Präsenz auf der Messe die Übersicht wiederzugewinnen, neue Geschäftspartner kennenzulernen und gewinnbringende Geschäfte anzubahnen.
Ähnliche Erwartungen hat auch Maximilian Englisch vom Hohenloher Spezialmöbelwerk Schaffitzel. Das Baden-Württemberger Unternehmen, das Spezialmöbel für Schulen, Universitäten und Labore für die Industrie fertigt, war bei der ersten und zweiten Rebuild-Iraq- Messe in Amman vertreten. Doch die erwarteten Kontakte kamen nicht zustande. Bei der vergangenen Erbil International Fair wäre Englisch gern dabei gewesen, entschied sich dann aber doch dagegen: Ihm fehlte die Unterstützung der deutschen Politik. Doch in diesem Jahr ist das anders: „Jetzt, da die Regierung in Bildung und Wissenschaft investiert, wollen wir wieder einsteigen,“ sagt Englisch, „schließlich haben wir schon in den achtziger Jahren gute Erfahrungen im Irak gemacht und dort Universitäten mit Labor- und Unterrichtsmöbeln ausgestattet.“
Foto: Messe Stuttgart International










