Handelsmesse: Türkische Expo in Basra
07.06.2010  | Haydar Al-Mansour   

Handeln / Messen
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Die Türkei entwickelt sich zu einem der wichtigsten Handelspartner des Iraks. Bereits zum zweiten Mal kamen Unternehmer des Landes jetzt zu einer “Türkischen Expo” in die Hafenstadt Basra. Sicherheitsbedenken? So etwas kennt man in Ankara nicht


Am Ende waren alle zufrieden. Heftiges Händeschütteln, strahlende Gesichter vor laufender Kamera. Gabbar Amin Gabbar, Ministerpräsident der Provinz Basra, sagte zum Abschluss der zweiten “Türkischen Expo”: „Wir laden Investoren aus aller Welt - nicht nur aus der Türkei - dazu ein, ihren Beitrag zur Entwicklung dieser Stadt zu leisten. Denn Basra ist die wirtschaftliche Hauptstadt des Iraks.”

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Tatsächlich wurde Basra im vergangenen Jahr gleich zweimal zur Hauptstadt gekürt: Einmal zur Kulturhauptstadt und einmal zum wirtschaftlichen Zentrum des Landes (letzteren Titel verdankt sie Planungsminister Aly Baban). Der von der Verleihung der Ehrenwürden erhoffte Zuwachs an Investitionen blieb jedoch weitgehend aus, denn: Für die meisten Investoren bleibt die Sicherheitslage ein Problem.

Die Türkei scheint auf diesem Gebiet nun eine Vorreiterrolle übernehmen zu wollen. Bereits zum zweiten Mal wurde jetzt in Basra eine türkische Handelsmesse ausgerufen. Ankara setzte zusätzlich ein deutliches Zeichen, als es den Sitz seines Konsulats nach ausserhalb der von Großbritannien bewachten Hochsicherheitszone um den Flughafen von Basra verlagerte. Dementsprechend sorgenfrei und optimistisch gab sich denn auch der türkische Konsul in Basra, Ali Reza Oozjo: „Basra ist eine sichere und vielversprechende Stadt,” sagt er, und erwähnt nicht ohne Stolz, dass seit Eröffnung des Konsulats im Oktober 2009 die Anzahl der türkischen Firmen vor Ort von 0 auf 50 gestiegen ist. Im kommenden Jahr möchte er sogar über 1.000 weitere türkische Unternehmen nach Basra holen.

Die Frage, ob denn die jüngsten Anschläge in der Region rund um die Parlamentswahlen ihn nicht doch etwas abschreckten, wehrt Oozjo gelassen ab. „Die türkischen Firmen können hier unbeeinträchtigt arbeiten,” sagt er. „Wir haben es mit einer vorläufig angespannten Situation zu tun. Das wird nicht ewig so bleiben, besonders nicht in Basra.”

Auch die Veranstalter der “Türkischen Expo” werben natürlich mit Nachdruck für Basra als wirtschaftlichen Standort. “Besonders die Zusammenarbeit mit den Behörden ist absolut problemlos,” sagt Nihad Surai, Leiter der Ausstellung. „Basras Häfen müssen ausgebaut werden, die Stadt braucht eine U-Bahn und einen Hotelservice nach internationalen Standards.” Das scheint sich schon auszuzahlen, ein bisschen zumindest: „Dieses Jahr haben an der Messe 80 Firmen teilgenommen, das sind rund ein Dutzend mehr als im Vorjahr,” sagt Salem Shahin, Technischer Leiter der Ausstellung. Der Großteil der Teilnehmer waren Firmen aus der Türkei und aus dem Irak – eine kleine Anzahl kam aus Sri Lanka, der Schweiz, Ägypten, aus Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Der Titel “Wirtschaftshauptstadt des Iraks” kommt nicht von ungefähr. Kaum eine andere Region kann Basra die Stirn bieten, wenn es um Vielfalt an Ressourcen und Investitionsmöglichkeiten geht. Die Metropole sitzt auf rund 60 Prozent der irakischen Ölvorkommen, und die Provinz beherbergt seit jeher für den Irak wichtige Industriezweige: Stahl, Düngemittel, Papier und Petrochemikalien werde hier produziert und weiterverarbeitet. Außerdem ist Basra Iraks Tor zur Welt. Sage und schreibe sieben Häfen stehen für Export- und Import bereit.

Allerdings gibt es noch viel zu tun. “Basras Häfen müssen ausgebaut werden,” sagt Nihad Surai, „die Stadt braucht eine U-Bahn, einen Hotelservice nach internationalen Standards, eine bessere Infrastruktur für Tourismus und vieles mehr.” Eine gewaltige Aufgabe, die – entsprechend dem Optimismus türkischer Diplomaten – mit noch etwas mehr Schwung angegangen werden könnte.

 

Fotos: WPI (8)