Messe in Erbil: Grandprix d‘Eurovision
25.10.2010  | Qassim Khidhir   

Handeln / Messen
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Die wichtigste Messe in der Region Kurdistan zieht immer mehr Aussteller an, diesen Herbst vier Mal so viele wie im vergangenen Jahr. Besonders europäische Unternehmen haben neuerdings den kurdischen Markt entdeckt. Unser Korrespondent auf Stimmenfang


Seit Jahren gilt die Erbil International Fair als größte und wichtigste internationale Mehrbranchenmesse in der Region Kurdistan. Keine Messe hat mehr zu bieten hinsichtlich der großen Anzahl an Ausstellern, Besuchern sowie der Branchen, präsentierten Produkte und Dienstleistungen. Die Erbil International Fair, die in diesem Jahr vom 18. bis 21.Oktober auf dem Messegelände der kurdischen Hauptstadt Erbil stattfand, boomte in diesem Jahr wie nie zuvor in den vergangenen sechs Jahren: Im Vergleich zum Vorjahr vervierfachten sich die Anzahl der Teilnehmer. Knapp 850 Unternehmen aus 25 Ländern waren präsent.

Während die amerikanische Konkurrenz wieder an einer Hand abzuzählen war, holten vor allem europäische Unternehmen auf, besonders aus Großbritannien, Frankreich, Tschechien, Polen, Italien und Österreich. Für den irakischen Veranstalter IFP ist die starke Beteiligung bekannter Unternehmen aus Mitteleuropa ein Zeichen für die positive Wirtschaftsentwicklung der Region. Die Euphorie der deutschen Unternehmen scheint allerdings etwas abgeflaut zu sein: Während 2009 fünfzig deutsche Unternehmen kamen und damit die Messe mit insgesamt 207 Ausstellern klar dominierten - 2008 waren gerade zwei deutsche Firmen vertreten −, kamen in diesem Jahr lediglich 32. Andere Länder hingegen steigen jetzt erst richtig ein: Großbritannien beispielsweise ist mit 39 Ausstellern stärker vertreten als Deutschland.

Dennoch bleibt „Made in Germany“ weiterhin begehrt. Der deutsche Pavillon, der von dem Hamburger Messeveranstalter Planet Fair geleitet und vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt wurde, präsentierte die gesamte Bandbreite deutscher Erfolgsbranchen. Unter den 32 Ausstellern, darunter viele erstmalig auf der Messe, befanden sich führende Firmen aus den Bereichen: Ingenieurswesen, Anlagen- und Maschinenbau, Medizintechnik und –Ausstattung, Fahrzeugbau, Logistik, Handel, Gastronomieausstattung und Bildung.

Lesen Sie hier einige Eindrücke aus erster Hand:

 

Jens-Uwe Wünsch

Leiter Internationaler Vertrieb bei der Firma R-Biopharm
Branche: Klinische Diagnostik, Lebensmittel- und Futtermittelanalytik


„Unser Unternehmen ist zum ersten Mal bei der Erbil International Fair. Wir haben die Einladung der deutschen Regierung erhalten und unsere Teilnahme wurde teilweise von ihr finanziell gefördert. In den vergangenen Jahren war es für uns nicht leicht, uns für ein Engagement im Irak zu entscheiden, weil wir wegen der Sicherheitslage skeptisch waren. Aber mittlerweile sehen wir die Potentiale und den Bedarf des Iraks. Wir sind im Nahen Osten als Unternehmen bereits gut vertreten und wissen daher aus Erfahrung, dass es große Probleme bei der Qualität von Lebensmittel und Medikamenten in der Region gibt. Im Irak besteht ein Riesenbedarf für Analysesysteme. Die Messe ist für uns der erste Schritt, unsere Produkte einem irakischen Publikum zu präsentieren.“

 

 

Torsten Pape

Leiter für Verkauf und Marketing bei der deutschen Firma Hofmann
Branche: Straßenmarkierungssysteme


„Wir nehmen zum ersten Mal an der Erbil Fair teil und sind positiv überrascht, auch von der Stadt Erbil. Die Straßen hier sind richtig gut. Hauptsächlich sind wir hier, um Kontakte mit lokalen Firmen, der Regionalregierung und dem Ministerium für Stadtverwaltung zu knüpfen. Und wir wollen Erbil als Tor zum gesamten Irak nutzen. Für uns ist die Messe ein Erfolg: Wir haben bereits einige Unternehmer getroffen und erwarten in den kommenden Wochen einige Vertragsabschlüsse. Der Irak ist ein wachsender Markt und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.“

 

 

Alexander Koldau

Referent für den Bereich Naher und Mittlerer Osten beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA und VDMA-Vertreter im Deutschen Pavillon



„Die deutsche Politik hat ein großes Interesse am wirtschaftlichen Wiederaufbau der Region Kurdistans und des gesamten Iraks. Das sieht man daran, dass die deutsche Regierung die Präsenz der deutschen Firmen auch finanziell unterstützt. An der Messe beteiligen sich 32 deutsche Aussteller aus vielen unterschiedlichen Bereichen, unter anderem aus den Bereichen Bau, Bildung, Lebensmittel, Logistik, Ingenieursdienstleistungen. Generell ist unser Fazit positiv. Allerdings ist unter den beteiligten Ausstellern die Reaktion geteilt: Einige dachten, sie könnten durch die Teilnahme hier den gesamten irakischen Markt erreichen, aber diese Messe richtet sich hauptsächlich an die Region Kurdistan und einen kleinen Teil des restlichen Iraks.“

 

 

Jaroslav Knotek

Geschäftsführer der tschechischen Firma CREA (CREA ist ein Zusammenschluss von Firmen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen im Bereich Erneuerbare Energien mit dem Schwerpunkt Wasserkraft)
Branche: Ingenieursdienstleistung für den Bau von Dämmen und Wasserkraftwerken


„Wir sind bereits seit vier Jahren in der Region Kurdistan aktiv. Kurdistan bietet sehr gute Geschäftsmöglichkeiten. Wir arbeiten mit lokalen kurdischen Unternehmen als Partner zusammen. Derzeit errichten wir den Babanoor-Damm in der Provinz Sulaimaniya. Darüber hinaus sind wir als Berater für das kurdische Ministerium für Landwirtschaft und Wasserressourcen tätig. Wir überprüfen für das Ministerium die technische Sicherheit der zwei großen Dämme in Kurdistan, Dokan und Darbandikhan. Wenn man das System und die Kultur hier versteht, ist es einfach, hier zu arbeiten. Das einzige Problem, das wir derzeit haben, ist, dass die Flüge zwischen Europa und der Region Kurdistan noch sehr teuer sind. Ich hoffe, dass mit der Eröffnung des neuen Flughafens die Preise für Flugtickets moderater werden. Gerne würde ich auch meine Arbeit auf andere Teile des Iraks ausweiten, aber wegen der Sicherheitsfrage geht das momentan noch nicht.“

 

 

Barham Salih

Premierminister der kurdischen Regionalregierung


„Die kurdische Regionalregierung will den Privatsektor mit allen Mitteln unterstützen. Wir glauben, dass die Entwicklung in unserem Land nur durch eine Kooperation der Regierung und des Privatsektors erreicht werden kann, und dabei muss der Privatsektor die ausschlaggebende Rolle spielen. Deshalb unterstützen wir auch die Messe. Wir können heute mit Recht sagen, dass Kurdistan stabil ist und sich zu einer Basis und einem Tor für den gesamten irakischen Markt entwickelt hat. Kurdistan ist heute für die Wirtschaft das verbindende Brückenglied zwischen den Nationen der Welt und den Ländern dieser Region.“

 

 

Rasul Khorsand

Eigentümer der iranischen Firma Khorsand für handgeknüpfte Teppiche


„Die Resonanz auf unsere Produkte war nicht sehr gut. Einige Leute in Kurdistan scheinen den Unterschied zwischen handgeknüpften und maschinell hergestellten Teppichen nicht zu verstehen. Dabei ist es doch ganz einfach: Handgefertigte Teppiche sind etwas ganz Besonderes, im Winter geben sie warm, im Sommer geben sie kühl. Außerdem sind Teppiche eine Investition wie Gold, man kann sie jederzeit zu einem guten Preis verkaufen. In Kerbala und Nadschaf sind Perserteppiche aus Iran heiß begehrt und immer die erste Wahl.“

 

 

 

Fotos: Safin Hamed (Wirtschaftsplattform Irak)