Baumesse Erbil: Die Bagger kommen
27.09.2011  | Maral Jekta   

Handeln / Messen
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Im Irak wird gegraben und gebaggert, was das Zeug hält. Was auch daran liegt, dass die Regierung mehr als 86 Mrd. US-Dollar zur Verfügung gestellt hat. Kein Wunder, dass auch auf der internationalen Baumesse Project Iraq in Erbil ein Stein auf den anderen passte.


Rechtzeitig zum Ende des Fastenmonats Ramadan beginnt im Irak die Messesaison. Im September, wenn das Thermometer endlich wieder unter 50 Grad fällt, geben sich die Messeveranstalter die Klinke in die Hand: Da gibt es dann die Duhok International Expo, die Iraq Medicare, die Internationale Fachmesse für Maschinen, Maschinenteile und Werkzeuge in Basra, die Internationale Messe Erbil und die Internationale Messe Bagdad – um nur einige zu nennen.

Einer der ersten und wichtigsten Messen ist die Messe Project Iraq, die am vergangenen Donnerstag zu Ende ging. Zwischen dem 19. und 22. September hatten dort mehr als 240 Unternehmen rund um die Branchen Baumaterialien und -maschinen, Geräte und Ausrüstung sowie Umwelttechnologie ausgestellt; sie kamen aus Italien, Österreich,  Ägypten, Kuwait, dem Libanon, den Niederlanden, Griechenland, Taiwan, dem Iran, Malaysia, den Arabischen Emiraten, den USA und vor allem aus der Türkei.

Die Türken waren mit mehr als 60 Ausstellern erkennbar in der Überzahl. Zwei Drittel der Messestände waren von türkischen Firmen gemietet. Vom Wasserhahn bis zur Zementfabrik boten sie alles an, was ein Land im Aufbau braucht. Das restliche Drittel des Messegeländes teilten sich die anderen Nationen. Das am stärksten vertretene europäische Land war ohne Zweifel Italien, das mit 50 Ausstellern im Rennen um die meistbesetzten Stände noch vor dem Iran lag, und das, obwohl der Iran zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes gehört.

Auch die Deutschen waren gut vertreten. Das lag nicht zuletzt an den Bayern, die mit einem Gemeinschaftsstand gleich am Eingang der Messehalle einen guten Platz besetzt hatten. Mit von der Partie waren insgesamt zehn deutsche Unternehmen aus den Sektoren Hoch- und Tiefbau, Verfahrenstechnik, Industrie- und Ingenieurbau, Beratung, Gewässersanierung, Tunnelbau sowie Maschinen- und Anlagenbau; unter ihnen auch große Namen wie die BAUER und die Lindner Group.

Sichtlich gefragt waren auch Unternehmen aus anderen Branchen. Großes Interesse zeigten Besucher zum Beispiel für die Präzisions- und Handwerkzeuge der Schwesternfirmen Projahn und Welu. Die potenziellen Kunden kamen hier sogar in den Genuss einer kleinen Schaueinlage: Um zu zeigen, wie stabil die dazugehörigen Werkzeugkoffer sind, sprang einer der deutschen Vertreter ausgelassen auf ihnen herum – laut bekundetes Staunen und Klatschen begleiteten seine Akrobatik. Regelrechte Schlangen bildeten sich auch vor dem Modellbett des Bettenhauses Mühldorfer GmbH & Co. KG. Zum Gähnen war allerdings weder den Besuchern noch den zehn deutschen Ausstellern. Ganz im Gegenteil.

Stimmen der Delegationsteilnehmer:

Marco Tobisch, Manager Trade Fairs and Exhibitions, Bayern International , München
Branche: Exportförderung

"Ich bin zum ersten Mal im Nordirak und sehr positiv überrascht. Das ist eine Region im Aufbau, in der viel Potenzial steckt. Besonders beeindruckt bin ich von der Infrastruktur, den Hotels und der Messeorganisation. Bisher habe ich von den beteiligten Unternehmen nur positive Stimmen gehört. Das lag daran, dass viele Fachbesucher kamen und nur wenige Jäger und Sammler. Alle bayerischen Unternehmen haben Kontakt zu ein bis zwei potenziellen Kunden aufgebaut. Man darf natürlich nicht kurzfristig denken. Bis so ein Großprojekt startet, dauert es hier länger als in Deutschland. Man muss die Beziehungen zu den Interessenten intensiver pflegen und Präsenz zeigen."

 

 

Eva-Maria CasagrandeManaging Director bei Mühldorfer GmbH & Co. KG, Haidmühle
Branche: Hotellerie

"Das ist mein erster Kontakt mit dem irakischen Markt. Für uns als Bettenhersteller im Segment Hotelbetten ist die irakische Hotellandschaft besonders interessant. Gerade in Erbil, wo immer mehr Hotels eröffnen, bieten sich gute Chancen. Wir werden zum Beispiel das Kempinski beliefern, das demnächst in Erbil den Betrieb aufnehmen wird. Darüber hinaus sind zwei Best Western Hotels geplant. Auf der Messe hatten wir bereits Kontakt zu Mitarbeitern dieser Hotelkette."

 

 

 

Anton Felber Geschäftsführer von aac-concept GmbH, Schrobenhausen
Branche: Maschinen- und Anlagenbau

"Ich habe auf der Exportschulung von der IHK spontan den Entschluss gefasst, mich an der Messe zu beteiligen. Das war mit Sicherheit eine gute Entscheidung. Es ist ein aufstrebendes Land mit riesigem Potenzial. Hier wird überall gebaut. Nicht nur in der Stadt, sondern auch in den kleinen Dörfern. Dementsprechend hoch waren auch die Anfragen auf der Messe. Wir hatten bis zu fünf pro Tag. Mit einem Interessenten ist die Besichtigung eines Schaumbeton – Werks vereinbart. Im Anschluss soll ich ein Angebot für eine Schneideanlage unterbreiten. "

 

 

 

Foto: Maral Jekta (Wirtschaftsplattform Irak)