Messe Erbil: Stau bei Angelina Jolie
01.11.2011  | Maral Jekta   

Handeln / Messen
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Die 7. Erbil International Fair hatte einige Überraschungen parat, vor allem aber wird in den Hallen von Jahr zu Jahr alles professioneller


Kaum Wartschlangen am Eingang, eine schnelle Registrierung und ein hochwertiger Messekatalog: Keine Frage, die Verantwortlichen der Firma IFP-International Fairs and Promotions haben den Dreh langsam raus. Immerhin organisieren sie Messen im Nordirak mittlerweile im Akkord, entsprechend professionell verlief die siebte Erbil International Fair im Vergleich zu früher. Da haben die Besucher über einen kleinen Schönheitsfehler gern hinweggesehen: Die Klimaanlagen waren zu kalt gestellt.

Insgesamt hatten sich 200 Unternehmer mehr als im Vorjahr angemeldet. Auch die Türken waren stark vertreten. Mehr als 70 Aussteller teilten sich das Messegelände mit Konkurrenten aus Tschechien, Belgien, Kanada, China, Frankreich, Russland, Iran, Jordanien, Kuwait, Ägypten, Syrien, Taiwan, Tunesien, Nordirland und Großbritannien.

Und mitten drin der deutsche Pavillon mit 31 Ausstellern, genauso vielen wie im vergangenen Jahr. Das lag wohl auch daran, dass die Beteiligung deutscher Unternehmen auch in diesem Jahr finanziell vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wurde. Der Verband für Maschinen- und Anlagenbau hatte über die Teilnahme entschieden, der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA) und die Inter Expo Consult Berlin (IEC) übernahmen schließlich die Organisation. Mit Unterstützung des Deutschen Wirtschaftsbüros Irak wurden auch Treffen mit potenziellen irakischen Kunden  arrangiert – gemütlich und entspannt bei Kaffee und Kuchen. Da konnten auch Unternehmen wie MAN Truck & Bus AG und Mercedes dazu kommen, die ihre Beteiligung selbst organisiert hatten und nicht im deutschen Pavillon zu finden waren.

Vertreten waren klassische Aussteller aus den Sektoren Maschinen- und Anlagenbau, Metallbearbeitung, Energie, Pharmazeutik und Logistik. Aber es gab auch ein paar „Exoten“ – wie zum Beispiel die libanesische Firma Josons, die mit Schrotflinten, Scharfschützengewehren und ausgestopften Leoparden das Interesse der kurdischen Besucher auf sich zog. Auch eine iranische Firma hatte sich etwas einfallen lassen: mit überdimensionalen Drucken von Angelina Jolie und Claudia Schiffer sorgte sie für einen regelrechten Stau vor ihrem Stand. Lebendig ging es auch bei den Deutschen zu. Die Firma Homag Holzbearbeitungssysteme GmbH machte mit einer Livemaschine auf sich aufmerksam: Das Ausstellungsstück wurde bereits am zweiten Tag an den irakischen Küchenhersteller Karash Company verkauft. Andrang gab es auch bei Nasyr Birkholz von Birkholz International GmbH, die unter anderem mit Kosmetikprodukten handelt.

 

Stimmen der Messeteilnehmer:

Serdar Polat, Deniz Ayaokur und Müjdat Özütam

Country Manager und Sales & Marketing Manager bei Bertling – Global Logistic Systems
Branche: Logistik


„Wir nehmen bereits zum dritten Mal an der Internationalen Messe Erbil teil und haben bisher schon einen interessanten Kontakt zu einem Kunden aus der Schwerindustrie gemacht. Er ist an einer Verschiffung seiner Ware aus Nordeuropa interessiert. Insgesamt stellen wir fest, dass die früheren Messen besser liefen. Diesmal sind viele potenzielle Kunden nicht gekommen. Es könnte an der Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Militär und der PKK liegen, aber so genau wissen wir es nicht.“

 

 

 

Nasyr Birkholz

Geschäftsführer von Birkholz International GmbH, Birkholz Transport & Logistics und Somerland Distribution & Trading Agency Co
Branche: Kosmetik u.a.


„Für uns lief die Messe sehr gut. Wir haben neue Vertriebspartner gewonnen. Vor allem aber können wir uns hier beim Endverbraucher bekannt machen. Die Nachfrage nach guten Kosmetikprodukten aus Deutschland ist im Irak sehr groß, durch unsere Präsenz hier und die Präsentation unserer Produkte gewinnen wir Vertrauen. Die Geschäfte laufen so gut, dass wir von Jahr zu Jahr mehr Standfläche anmieten müssen. Im vergangenen Jahr hatten wir 30 Quadratmeter gemietet, in diesem Jahr waren es schon 36. Und im nächsten Jahr brauchen wir definitiv mehr.“

 

 

Jens Möllering

Prokurist und Sales Director bei Nordmeyer Drilling Rig Services
Branche: Maschinen- und Brunnenbohrgerätebau


„Für uns ist die Teilnahme an der Erbil International Fair eher eine Art von „Meet & Greet“. Wir haben bereits einen festen Kundenstamm. Die Messe bietet den Rahmen, Kunden und Bekannte aus dem restlichen Irak zu treffen, aber neue Kontakte machen wir nicht auf Messen. “

 

 

 

 

 

 

Payam P. Naqshbandi

Business Developer bei MG International Group
Branche: Logistik


„Für uns läuft die Messe gut Wir konnten sowohl Kontakte zu internationalen als auch zu irakischen Kunden aufnehmen. Gerade Kunden, die mit anderen Logistikunternehmen arbeiten, sind zu uns gekommen, um sich darüber zu informieren, wie wir arbeiten. Die Beteiligung am deutschen Pavillon stärkt das Vertrauen in die Qualität unseres Services. Wir werden auf jeden Fall auch im nächsten Jahr dabei sein.“

 

 

 

 

 

Kurth Al Naqib

Geschäftsführer der Al Naqib Group GmbH
Branche: Bau


„Wir haben bereits ein gut laufendes Geschäftsnetzwerk im Irak und sind nicht mehr so darauf angewiesen, an Messen teilzunehmen. Erst gestern haben wir grünes Licht für die Umsetzung eines Krankenhausprojektes in Erbil bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um den Bau eines Krankenhauses, sondern auch darum, den medizinischen Bildungssektor durch Partnerschaften mit deutschen Krankenhäusern und Universitäten zu unterstützen. Die Abwicklung des Projektes hatte aber nichts mit der Messe zu tun. Wäre die Erbil International die erste Messe, an der wir teilgenommen hätten, wären wir überaus enttäuscht gewesen. Es ist nämlich insgesamt sehr ruhig. Das Problem ist, dass sie nicht so publik gemacht wird. Einige Taxifahrer und Hotelmitarbeiter wissen nicht einmal, dass es ein Messegelände gibt. Daran muss man unbedingt arbeiten. Ob wir nochmal an der Erbil International Fair teilnehmen, ist noch nicht sicher.“

 

 

Fotos: Henrik Ahrens (4), Maral Jekta (2) (Wirtschaftsplattform Irak)