Handeln / Messen
Auf der 38. Internationalen Handelsmesse in Bagdad erörtern der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und der irakische Handelsminister Hassan Babakir im Interview mit WPI die Chancen der deutsch-irakischen Wirtschaftsbeziehungen
Die 38. Handelsmesse in Bagdad war am vergangenen Donnerstag fest in deutscher Hand. Wo man auch hinsah, deutsche Wirtschaftsvertreter, deutsche Messestände und mittendrin der Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler, der gemeinsam mit seinem Amtskollegen, dem irakischen Handelsminister Hassan Babakir, den „deutschen Tag" auf der Internationalen Messe in Bagdad eröffnete.
Bereits am Tag zuvor war Rösler, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation mit rund 30 Vertretern deutscher Unternehmen, in Bagdad angekommen. Direkt nach seiner Ankunft am Mittwoch hatte er den irakischen Premierminister Nuri al-Maliki getroffen. Dabei machte Rösler deutlich, dass Deutschland seinen Beitrag zum Wiederaufbau des Iraks leisten möchte. Aber er betonte auch, dass die irakische Regierung möglichst bald ein bereits ausgehandeltes Investitionsschutzabkommen ratifizieren solle. Dies werde die Bundesregierung in die Lage versetzen, deutsche Exporte mit Hermes-Bürgschaften abzusichern. Auch bei seiner Eröffnungsrede auf der Messe lobte Rösler einerseits die deutsch-irakischen Wirtschaftsbeziehungen („das Handelsvolumen steigt stetig“), andererseits äußerte er aber auch hier die Absicht, mit irakischen Entscheidungsträgern über die Verbesserung von Investitionsbedingungen für deutsche Unternehmen im Irak zu verhandeln zu wollen. Dabei gehe es vor allem um den Abbau bürokratischer Hürden, die für Investoren hemmend wirkten.
Auch der irakische Handelsminister Hassan Babakir betonte bei seiner Rede auf der Messe, dass die derzeitige Phase der deutsch-irakischen Wirtschaftsbeziehungen für beide Länder von großer Bedeutung ist. Der Irak, sagte Babakir, erlebe zur Zeit eine ähnliche Phase wie Deutschland nach Ende des zweiten Weltkrieges. Von der Erfahrung der Deutschen beim Wiederaufbau könnte der Irak sehr viel lernen.
Der WPI-Korrespondent Laith Ahmad sprach auf der Messe in Bagdad mit dem deutschen Wirtschaftsminister Philipp Rösler und dessen irakischen Amtskollegen Hassan Babakir.
WPI: Herr Rösler, wie beurteilen Sie die Investitionschancen im Irak?
Philipp Rösler: Der Markt hier bietet sehr gute Chancen. Wir Deutschen wollen hier noch mehr Präsenz zeigen und uns am Wiederaufbau noch stärker beteiligen.
WPI: Aber ist es nicht auch so, dass einige deutschen Investoren sich vor einem Engagement im Irak fürchten?
Rösler: Diese Reise soll helfen, diese Ängste bewältigen. Wir sind mit einer Delegation deutscher Unternehmer unterwegs, um ihnen die Chancen aufzuzeigen, die der Irak bietet.
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WPI: In welchen Bereichen sehen Sie denn die besten Investitionschancen für deutsche Unternehmen?
Rösler: Wir konzentrieren uns auf drei Bereiche: erstens die Energie, also Strom, der zweite große Bereich ist die Infrastruktur. Dann gibt es noch den Gesundheitssektor. Da haben wir viele Unternehmen, die wertvolle Beiträge leisten können.
WPI: Die deutsche und die irakische Regierung haben bereits vor einiger Zeit Investitionsschutzabkommen ausgehandelt. Noch fehlt die Ratifizierung von irakischer Seite. Was können Sie da tun?
Rösler: Wir sind hier um die Umsetzung dieser Vereinbarung sowie den Abschluss zusätzlicher Verträge voran zu bringen.
WPI: Und worin sehen Sie den Vorteil deutscher Unternehmer gegenüber ihren Mitbewerbern auf dem irakischen Markt?
Rösler: Die deutschen Geschäftsfrauen und Geschäftsmänner verfügen zurecht über ein gesundes Selbstvertrauen. Sie brauchen sich vor niemanden zu verstecken.
Interview mit dem irakischen Handelsminister Hassan Babakir:
WPI: Herr Babakir, wie bewerten Sie als irakischer Handelsminister die deutsche Beteiligung an der Messe in Bagdad?
Hassan Babakir: Ich sehe das vor allem als große politische Unterstützung für den Irak. Wie sagt man: Politik und Wirtschaft sind die zwei Seiten einer Medaille. Und das ist es, was wir heute hier erleben. Deutschland unterstützt den Irak – vor allem wirtschaftlich. Die deutsche Beteiligung an der Messe ist, wie Sie sehen können, sehr stark. Deutschland ist sogar eines der führenden Länder hier. Etwa 37 Unternehmen stellen aus. Das kann eine große Auswirkung auf die Handelsbeziehungen beider Länder haben.
WPI: Aber können Sie den deutschen Geschäftsleuten auf lange Sicht gute Sicherheitsbedingungen garantieren?
Babakir: Man kann die heutige Sicherheitslage nicht mit der von vor ein paar Jahren vergleichen. Das habe ich auch meinem Amtskollegen Philipp Rösler erklärt. Man kann auch Deutschland nicht mit dem Irak vergleichen. Und ja, es gibt im Irak einige Sicherheitsprobleme. Wir arbeiten aber mit Nachdruck daran, diese zu beseitigen. Das ist nicht einfach, dennoch gelingt uns das von Jahr zu Jahr besser.
WPI: Der deutsche Wirtschaftsminister sprach unter anderem die bürokratischen und gesetzlichen Hürden an, mit denen deutsche Investoren im Irak zu kämpfen haben.
Babakir: Wir haben dem Minister erklärt, dass einige dieser Gesetze oder Regeln geändert werden können, um bessere Bedingungen für den Handel zwischen unseren Ländern zu erreichen.
Fotos: Laith Ahmad (9) (Wirtschaftsplattform Irak)











