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Ein junger Kurde hat eine Währung für ein unabhängiges Kurdistan erfunden. Ob sich damit in naher Zukunft einmal Geld machen lässt, ist allerdings mehr als fraglich
Betrachtet man die Bilder, die auf dem Bildschirm von Asso Mamzade’s Computer flackern, man könnte glauben, dass es längst Realität geworden ist: ein unabhängiges Kurdistan – anerkannt von der internationalen Gemeinschaft mit einer eigenen Zentralbank und Währung. Und nicht mehr nur eine quasi autonome Region im Norden des Irak.
Mamzade ist 28 Jahre alt und kommt aus Bukan, einer kleinen kurdischen Stadt im Iran. Vor sieben Jahren zog er nach Erbil ins irakische Kurdistan. Und nun möchte er nichts Geringeres, als dass seine Währung den Zuschlag bekommt, wenn Kurdistan ein unabhängiger Staat wird. Und dass das so kommen wird, daran hat er gar keinen Zweifel.
Natürlich hat er bereits einen Namen für seine Währung gefunden. „Kuro“ nennt er sie, aber nicht, um an den starken Euro zu erinnern. So seien die Kurden vor langer Zeit genannt worden, das hätten seine Forschungen ergeben. Aber er fügt hinzu: „Eines Tages wird meine Währung genauso wichtig sein wie der Euro.“
„Eines Tages wird meine Währung genauso wichtig sein wie der Euro“
Als Mamzade vor zehn Jahren mit seiner Arbeit begann, arbeitete er noch von Hand. Mittlerweile sitzt er meistens an seinem Computer, umgeben von mit Skizzen von Münzen und Banknoten. Bis er die ersten Scheine entwerfen konnte, hat er intensiv geforscht, schließlich sollten auf ihnen wichtige Symbole seines Volkes zu sehen sein. Nach einem langen Studium kurdischer Kultur und Geschichte hat er sich schließlich für Elemente entschieden, die zum Teil bis auf die Zeit bis 700 v.Chr. zurückgehen.
Bisher hält Mamzade 100, 500 und 2.000 Kuro-Scheine für die Druckmaschine bereit, sollte die Zeit gekommen sein – versehen mit dem Vermerk: „Gedruckt von der Zentralbank der Republik Kurdistan.“ Auf ihnen sind unter anderem wichtige kurdische Persönlichkeiten zu sehen: der Dichter und Historiker Saraf ad-Din Bitlisi aus dem 14. Jahrhundert, der Präsident der ersten, kurzlebigen kurdischen Republik von 1945, Qazi Mohammed, und der kurdisch-nationalistische Führer und Politiker Mustafa al-Barzani, Vater des jetzigen Präsidenten von Kurdistan, Massud al-Barzani.
Auf anderen Scheinen finden sich volkstümliche Motive, flankiert von verschiedenen wichtigen militärischen Ereignissen. Selbstverständlich haben die Farben der kurdischen Flagge im Irak – Rot, Weiß, Grün und Gold – einen Ehrenplatz auf Mamzade's Banknoten.
Bisher hat weder ein Vertreter der kurdischen Regierung noch ein einziger wichtiger Beamter Interesse an seiner Arbeit gezeigt. Mamzade aber ist entschlossen, sie fortzuführen, schließlich müssten noch weitere Geldscheine entworfen werden. „Aber ich brauche finanzielle und moralische Unterstützung.“
Bekommen tut er weder das eine noch das andere. Im Gegenteil. Hohe Beamte ließen bei ihm anfragen, warum es ihn überhaupt störe, dass Kurdistan keine unabhängige Nation sei. Und teilten ihm mit, dass niemand seine Währung brauche und wolle.
Es ist nicht weiter überraschend, dass kurdische Staatsbeamte so reagieren. Das irakische Kurdistan ist eines der wenigen Teile des „größeren Kurdistan“, das eine unabhängige Regierung hat. Und trotz oder gerade wegen ihrer relativen Unabhängigkeit unterstreichen kurdische Beamte ständig ihr Engagement für den Irak und sagen, dass Kurdistan ein Teil der Nation ist.
Auf der anderen Seite sagen viele politische Beobachter immer wieder, dass die kurdische Region eigentlich alles hat, um eine unabhängige Nation zu werden: eine Fahne, eine Sprache und eine gemeinsame Geschichte. Nicht zu vergessen das Militär, zwei internationale Flughäfen und gewaltige Mengen von Öl.
Für Mamzade Grund genug, sein Währungs-Projekt fortzusetzen. Es kümmert ihn nicht, dass der irakische Präsident Jalal al-Talabani, ebenfalls Kurde, gesagt hat, dass die Idee eines unabhängigen kurdischen Staates gerade jetzt „ein Witz“ sei. Ebenso wenig, dass der Präsident von Irakisch-Kurdistan, al-Barzani, den Wunsch bekräftigt hat, einen Teil des föderalen Irak bleiben zu wollen.
Mamzade hat seinen eigenen Kopf. Und den kurdischen Staat bereits greifbar vor Augen. „Wir sollten uns gut auf ihn vorbereiten, jeder sollte seinen Teil dazu beitragen.“ Seinen hat er jedenfalls in aller Form geleistet – mit dem Kuro, „der Währung der kurdischen Nation“.
Foto: Kuro











